Aufstocker

Hartz IV: Viele "Corona-Helden" müssen weiterhin aufstocken

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Arbeitslosengeld: Wo man es berechnet und was man bekommt

Arbeitslosengeld- Wo man es berechnet und was man bekommt

Das Arbeitslosengeld wird grundsätzlich von der Bundesagentur für Arbeit berechnet. Allerdings kann man das auch unverbindlich alleine machen. Ein vereinfachter Überblick zur Berechnung:

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Berlin.  Rund eine halbe Million Menschen muss trotz Erwerbstätigkeit mit Hartz IV aufstocken. Das betrifft auch viele systemrelevante Berufe.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die ihren Lohn mit ergänzenden Leistungen des Arbeitslosengelds II, also mit Hartz IV, aufstocken, bleibt hoch.

Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des Linksfraktionschefs Dietmar Bartsch, die unserer Redaktion vorliegt, stockten im Dezember des vergangenen Jahres fast eine halbe Million Beschäftigte ihren Lohn auf. Insgesamt seien dem Schreiben aus dem Bundesarbeitsministerium zufolge 475.514 Erwerbstätige leistungsberechtigt für Arbeitslosengeldzahlungen gewesen.

Hartz IV: Viele Beschäftigte in systemrelevanten Berufen stockten zuletzt auf

Aufstockungen mit Hartz IV sind möglich, wenn das eigene Einkommen nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Insgesamt sank laut Bundesarbeitsministerium der Anteil der Aufstocker unter allen Beschäftigten von 1,6 Prozent im Jahr 2019 (520.128 erwerbstätige Leistungsberechtigte) auf 1,4 Prozent im Jahr 2020.

Hoch bleiben dem Schreiben der Bundesregierung zufolge die Zahlen der Aufstocker in vielen systemrelevanten Berufen. So mussten im Dezember 2020 10.862 Beschäftigte in der Altenpflege, 8249 Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie bei Rettungsdiensten und in der Geburtshilfe und 44.258 Beschäftigte in der Lagerwirtschaft, Post und Zustellung und beim Güterumschlag aufstocken. Auch 36.515 Verkäuferinnen und Verkäufer mussten als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Aufstockerleistungen beantragen.

Mittlerer Durchschnittsverdienst in einigen Berufen gesunken

Der mittlere Durchschnittsverdienst ist in einigen systemrelevanten Berufen demnach gesunken. So lag der Median bei Berufen für Post- und Zustellerdiensten 2019 noch bei 2593 Euro, 2020 um zehn Euro niedriger bei 2583 Euro. Deutliche höhere Verdienste gab es dagegen in der Pflege.

Gesundheits- und Krankenpfleger verdienten im Mittel 2020 mit 3610 Euro 93 Euro mehr als noch 2019. Altenpflegerinnen und Altenpfleger verdienten im Mittel sogar 134 Euro mehr – 2912 Euro im Jahr 2020.

Scharfe Kritik von Linksfraktionschef Bartsch

Neben den rund 476.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten gab es laut der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auch rund 259.000 ausschließlich geringfügig Beschäftigte sowie rund 78.000 Selbstständige, die Anspruch auf eine Aufstockung hatten. Für Kritik hatte im Corona-Jahr 2020 unter anderem gesorgt, dass durch Sanktionen Aufstocker bisweilen ihren Leistungsanspruch verloren haben. Die neue Ampel-Koalition will Hartz IV reformieren und dabei auch das Vorgehen bei Sanktionen prüfen.

Trotz des Rückgangs der Aufstocker im Vergleich zu 2019 äußerte Dietmar Bartsch Kritik. „Die Helden des Alltags stehen vielfach Schlange im Sozialamt. Dass zehntausende Pflegekräfte, Verkäuferinnen und Paketboten mitten in der Pandemie aufstocken müssen, weil ihr Lohn nicht zum Leben reicht, ist der Gipfel der Heuchelei“, sagte der Linksfraktionschef unserer Redaktion. Er forderte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf, einen Plan für höhere Löhne in systemrelevanten Berufen vorzulegen.

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