Landwirtschaft

Studie: Deutlich mehr Feinstaub-Tote durch Landwirtschaft

Durch die Tierhaltung entsteht Gülle. Sie zersetzt sich zu Ammoniak, das mit anderen Gasen zu Feinstaub wird.

Durch die Tierhaltung entsteht Gülle. Sie zersetzt sich zu Ammoniak, das mit anderen Gasen zu Feinstaub wird.

Foto: dpa

An Rhein und Ruhr.   Eine Studie berichtet von 120.000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub in Deutschland. Die Landwirtschaft gilt als einer der Hauptverursacher.

Die Landwirtschaft wehrt sich gegen Vorwürfe, zu einer hohen Zahl von Feinstaub-Toten beizutragen. Laut einer aktuellen Studie sollen deutlich mehr Menschen an den Folgen von Feinstaub sterben als bislang angenommen. Für etwa 45 Prozent der Feinstaub-Belastung in Deutschland ist demnach die Landwirtschaft verantwortlich.

Laut der Untersuchung des Mainzer Max-Planck-Instituts (MPI) für Chemie kommen hierzulande rund 120.000 Menschen pro Jahr wegen Feinstaubs vorzeitig ums Leben, wie das Magazin „Monitor“ berichtet. Die Zahl ist fast doppelt so hoch wie Angaben der Europäischen Umweltagentur EEA aus dem Jahr 2017. Die Experten waren von 66.000 vorzeitigen Todesfällen ausgegangen.

Die Landwirtschaft sei wegen der Entstehung von Gülle in der Tierhaltung einer der Hauptverursacher für die Feinstaub-Belastung. Gülle kann sich zu gasförmigem Ammoniak zersetzen, das sich in der Luft mit anderen Gasen zu Feinstaub verbindet. Bereits 2017 hatten Forscher in einer Fachzeitschrift auf eine erhebliche Feinstaub-Belastung durch die Gülle-Entstehung in der Landwirtschaft hingewiesen.

Landwirte wehren sich gegen Vorwürfe

In NRW sind die Ammoniak-Emissionen in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Landesteilen hoch. So kam der Kreis Kleve im Jahr 2013 laut dem Emissionskataster Luft auf 5 Tonnen Ammoniak pro Quadratkilometer, im Kreis Wesel waren es 3 Tonnen, im großstädtischen Essen fielen dagegen nur 0,37 Tonnen an.

Das Landesumweltamt (Lanuv) will sich des Themas annehmen: „Hier beim Lanuv ist das Problem bekannt“, so Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia. Deswegen beginne das Lanuv mit einem Messprogramm, bei dem geprüft werden soll, wieviel Feinstaub sich aus Ammoniak bilde und wo dieser Effekt besonders stark sei. Als „gewagt“ bezeichnet Kaiser de Garcia allerdings, dass die Studie laut „Monitor“ Ammoniak-Emissionen für 50.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich macht.

Der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) hält die Vorwürfe für „wissenschaftlich nicht fundiert“, so eine Sprecherin auf Anfrage. Ammoniak bilde sich über den Ställen der Bauernhöfe. „Niemand kann sagen, ob das überhaupt relevant für die Bürger in den benachbarten Dörfern ist.“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert dagegen auf Anfrage , dass nun insbesondere die „industrialisierte Landwirtschaft“ mit ihrer Massentierhaltung stärker in die Pflicht genommen wird. (mit dpa)

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