Umwelt

Grünes soll Städte in NRW in der Hitze des Sommers abkühlen

Die einen genießen die Sonne (wie hier in Bochum), die anderen ächzen unter der Hitze. In NRW haben die heißesten Tage des Jahres begonnen. Temperaturen von 35 Grad werden vielfach überschritten, sagen Meteorologen voraus. Foto:Ingo Otto

Die einen genießen die Sonne (wie hier in Bochum), die anderen ächzen unter der Hitze. In NRW haben die heißesten Tage des Jahres begonnen. Temperaturen von 35 Grad werden vielfach überschritten, sagen Meteorologen voraus. Foto:Ingo Otto

Essen.   Meteorologen veröffentlichen für diese Woche eine Hitzewarnung für das Ruhrgebiet. Stadtplaner und Klimaexperten werben für Renaturierungen

Mit Rekordtemperaturen von über 36 Grad gerät das Ruhrgebiet in dieser Woche ins Schwitzen: Den Revierbürgern stehen in diesem besonders trockenen Sommer nun die bisher heißesten Tage des Jahres ins Haus.

Um in den Städten angesichts solch extremer Witterungen langfristig für Abkühlung zu sorgen, mahnen Klimaexperten und Raumplaner zum konsequenten Erhalt von Grünflächen und Frischluftschneisen. „Je geringer der Anteil von Grün und Wasser in einem Gebiet, umso mehr Wärme wird gespeichert“, zeigt Oscar Reutter vom renommierten Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie eine einfache Gleichung auf. Besonders zusammenhängende Grünflächen seien wichtig, um kühle Luft in die Innenstädte zu bringen.

„Grün- und Wasserflächen wieder stärken“

Das Ruhrgebiet gehört zu den am dichtesten besiedelten Regionen des Landes. Rund ein Viertel der Fläche Nordrhein-Westfalens ist bebaut, im Ruhrgebiet sind es knapp 40 Prozent. Wie aus dem Umweltbericht des Regionalverbandes Ruhr hervorgeht, sind allein in den Jahren 1997 bis 2007 Tag für Tag neue Siedlungs- und Verkehrsflächen mit einer Gesamtgröße von über zwei Hektar versiegelt worden. Dass sich das Ausbau-Tempo zuletzt halbiert hat, ist laut Bericht vor allem den Renaturierungsanstrengungen der Städte und regionalen Verbände zu verdanken: „Der Dortmunder Phoenix-See ist da ein absolutes Vorbild in der Region“, sagt Reutter über den naturnahen Umbau einer früheren Stahlwerksfläche. „Wir müssen nicht die Innenstadt von Essen fluten, aber Grün- und Wasserflächen wieder stärken.“

Dabei konkurrieren aber Umwelt- mit Wirtschaftsinteressen: In nahezu jeder Revier-Stadt beklagen Unternehmen eine Gewerbeflächennot. Beim ersten Gipfeltreffen der Industrie- und Handelskammern mit dieser Redaktion warnten die Verantwortlichen, die derzeitigen Reserven reichten nur noch für rund elf Jahre. Das NRW-Umweltministerium hat die Sorge aufgenommen: Um dem Bedarf gerecht zu werden, wird derzeit eine Art Zertifikatehandel für Flächen geprüft. Städte, die ein bestimmtes Kontingent überschreiten, könnten anderswo Areale zukaufen. Das sei ein mögliches Instrument, um den Flächenverbrauch zu reduzieren, hieß es dazu aus dem Ministerium. In NRW liegt dieser bei täglich rund 20 Fußballfeldern.

Steffen Bender, Geologe am Hamburger „Climate Service Center Germany“ und Lehrbeauftragter an der Ruhr-Uni Bochum, rückt einen anderen Bereich des Städtebaus in den Fokus. Er appelliert an die Städte, schon bei der Genehmigung von Neubauten einzugreifen. „Helle Häuser, Gebäude, die sich gegenseitig verschatten, begrünte Fassaden, in all diesen Bereichen haben wir einen hohen Nachholbedarf“, sagt Bender.

Essen hatte bisher 19 Sommertage im Juli

Wie sich das Klima in NRW verändert hat, zeigt ein Blick in die Wetteraufzeichnungen: Laut Landesumweltamt Lanuv lagen elf der 20 wärmsten Jahre für NRW seit Beginn der Messungen 1881 im 21. Jahrhundert. Das aktuelle Sommerwetter war in dieser Reihe bisher kein besonders heißes: In Essen etwa gab es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) seit Jahresanfang 44 Sommertage mit über 25 Grad – 19 allein im Juli. 1947 lag die Zahl der Sommertage bei 66; 1959 waren es 47. „Diesen letzten Rekord werden wir zum Ende der Woche gebrochen haben“, sagt die Essener DWD-Meteorologin Ulrike Zänker. Für diese Woche hat der DWD eine amtliche Hitzewarnung fürs Ruhrgebiet veröffentlicht. Kritisch ist der geringe Niederschlag: Im Juli ist bisher ein Niederschlag von 15,7 Litern pro Quadratmeter gemessen worden – nur 18 Prozent der üblichen Menge.

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