Sicherheit

Einbruchs-Vorhersage für NRW – Debatte um Kinder-Gefährder

Welche Gebiete sind besonders gefährdet? Das erklärt Felix Bode, Teilprojektleiter von „Skala.

Welche Gebiete sind besonders gefährdet? Das erklärt Felix Bode, Teilprojektleiter von „Skala.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Düsseldorf.   Die NRW-Landesregierung weitet den Einsatz einer komplexen Vorhersage-Software aus, um Einbrüche zu verhindern. Neue „Einbruchs-App“ ist geplant.

Im Kampf gegen Wohnungseinbruch und Auto-Diebstahl setzt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verstärkt auf eine Prognose-Software, die in ähnlicher Form weltweit zur Vorhersage von Erdbeben eingesetzt wird. Das komplexe Computerprogramm „Skala“, das tektonische Verschiebungen in der inneren Sicherheit an Rhein und Ruhr aufspüren soll, wird nach dreijähriger Testphase ab sofort in allen 16 Kriminalhauptstellen der größten Städte eingesetzt. Im kommenden Jahr sollen dann die ländlichen Behörden nachgerüstet werden.

Skala steht für: „System zur Kriminalitätsanalyse und Lageantizipation“. Es ist die NRW-Variante des sogenannten Predictive Policing, einer „vorausschauenden Polizeiarbeit“, die in den USA schon lange Praxis ist. „Ich werde das Programm jetzt einführen, weil es bereits sehr gute und für die Arbeit der Polizei wichtige Erkenntnisse liefert“, sagte Reul am Donnerstag in Düsseldorf.

Erprobt in sechs NRW-Städten

Erprobt wurde Skala in Essen, Gelsenkirchen, Duisburg, Düsseldorf, Köln und Bonn. Das Landeskriminalamt stellte den Polizeibeamten in den sechs Städten wöchentlich konkrete Wahrscheinlichkeitsaussagen zu Wohnungs- und Gewerbeeinbrüchen sowie Auto-Aufbrüchen und -Diebstählen zur Verfügung.

Errechnet wurde die Prognose durch ein Programm, das ungeheure Datenmengen jeweils für ein Wohnquartier von 400 Haushalten erfassen und gewichten kann. Dabei werden polizeiliche Erkenntnisse wie Tatzeiten, Tatorte und Tatmittel ebenso eingerechnet wie soziostrukturelle Kennziffern zu Einkommensstruktur, Bebauung, Infrastruktur oder Gebäudeart.

Einbrüche mit höherer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt

„Im Ergebnis ermöglicht Skala die frühzeitige Identifizierung aufkommender Kriminalitätsbrennpunkte“, sagte Reul. Die errechnete Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs sei in den Prognosegebieten drei- bis vierfach höher gewesen als die statistische Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Einbruchs zu werden. Die Polizei könne so Lagebilder präzisieren und häufiger Streifen dorthin schicken, wo ein Tatort vermutet werden muss. Die Landesregierung will nun auch eine „Einbruchs-App“ entwickeln, die jedem Bürger für seine Wohnung oder sein Auto eine Wahrscheinlichkeitsrechnung serviert.

Debatte um Beobachtung junger Extreme hält an

Derweil blieb am Donnerstag in der Debatte um die Überwachung von jungen islamistischen Gefährdern unklar, ob Innenminister Reul künftig auch Kinder überwachen lässt. Der CDU-Politiker ließ zwar erneut Sympathie für den Vorschlag durchscheinen, vom Verfassungsschutz auch schon Jugendliche unter 14 Jahren in den Beobachtungskreis aufzunehmen. Ob und wann das NRW-Verfassungsschutzgesetz geändert werde, sei jedoch nicht entschieden, so Reul.

Das Land hatte erst 2016 die Altersgrenze zur Überwachung durch den Verfassungsschutz von 16 auf 14 gesenkt. Reul machte deutlich, dass man „ein Instrument“ benötigen könnte, um auch noch jüngere Gefährder zu erfassen. In Bayern soll die Altersgrenze 14 gekippt werden. Die NRW-FDP reagierte bislang zurückhaltend. Grünen-Expertin Verena Schäffer lehnt die Absenkung der Altersgrenze ab: Radikalisierte Kinder seien ein Fall für die Jugendhilfe, nicht für die Nachrichtendienste.

„Es geht dem Verfassungsschutz nicht darum, Kinder zu überwachen“, sagte Verfassungsschutz-Chef Burkhard Freier. Es gebe jedoch 300 bis 400 aus NRW nach Syrien ausgereiste Minderjährige, die radikalisiert, traumatisiert und gewalttätig zurückkehren könnten. 200 von ihnen seien unter 14 Jahre. Aktuell haben die Dienste in NRW bereits fünf radikalisierte Kinder unter den Syrien-Rückkehrern festgestellt. Mit der aktuellen Gesetzesgrundlage beobachtet der Verfassungsschutz derzeit 37 Gefährder unter 18 Jahren und vier zwischen 14 und 16 Jahren.

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