G20-Protest

„Die Falken“ erheben Vorwürfe der Schikane gegen die Polizei

„Das Grundvertrauen in den Staat ist weg“, sagt Max Lucks von der Grünen Jugend. „Keiner von uns war aggressiv“, sagt Anna Cannavo von den „ Falken“.

Foto: Volker Hartmann

„Das Grundvertrauen in den Staat ist weg“, sagt Max Lucks von der Grünen Jugend. „Keiner von uns war aggressiv“, sagt Anna Cannavo von den „ Falken“. Foto: Volker Hartmann

Gelsenkirchen.   Junge Aktivisten aus dem Ruhrgebiet sollen bei einer Fahrt zu einer Anti-G20-Demo in Hamburg von Polizeibeamten schikaniert worden sein.

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Als Max Lucks aufwachte, fand er seinen Reisebus auf einem Rastplatz umstellt von Polizisten. Der 20-jährige Student aus Bochum ist Sprecher der Grünen Jugend NRW und wollte am Samstag mit 43 weiteren jungen Aktivisten aus dem Ruhrgebiet an der Demonstration „Grenzenlose Solidarität statt G20“ in Hamburg teilnehmen. Doch die Polizei soll den ganzen Bus in Gewahrsam genommen haben, den der sozialistische Jugendverband „Die Falken“ organisiert und angemeldet hatte.

Der SPD-nahe Kinder- und Jugendverband „Die Falken“ erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Beamte sollen etliche Jugendliche schikaniert haben. Einige „wurden mit ihren Händen auf dem Rücken abgeführt oder ihnen wurden Handschellen angedroht“, schreibt der Landesverband in einem Offenen Brief. Etliche hätten sich entkleiden müssen. Ein Anruf sei ebenfalls nicht gewährt worden. Einige hätten später psychologische Unterstützung benötigt.

Gefesselt, ausgezogen und Toilettengänge unter Beobachtung

Etliche Teilnehmer der Fahrt sollen mit Kabelbindern gefesselt worden sein, hätten sich ausziehen und ihre Toilettengänge unter Beobachtung verrichten müssen, berichten die Falken und Lucks. Mit an Bord sollen auch junge Gewerkschafter des DGB und Mitglieder der Alevitischen Jugend gewesen sein.

„Wir wurden zu einem ehemaligen Großmarkt gefahren, eingezäunt mit Stacheldraht“, sagt Anna Cannavo (25), die als Betreuerin für die Falken dabei war – die Gefangenensammelstelle in Hamburg-Harburg. Dort sollen die Jugendlichen aus Gelsenkirchen, Bochum, Essen und anderen Städten zu zweit oder einzeln herausgerufen worden sein, um ihre Personalien aufzunehmen und sie zu fotografieren. Dabei soll ein Teilnehmer „nicht in der ersten Sekunde“ reagiert haben, sagt Falken-Sprecherin Maja Tölke. Die Person sei so grob an Gesicht und Hals angefasst worden, dass es sich angefühlt habe wie „Schläge“.

„Zwei Polizisten hakten mich unter und führten mich zu einer Kabine“, sagt Lucks. „Sie sagten: Ihnen wird eine Straftat vorgeworfen. Ich fragte: Welche Straftat? – Das können wir Ihnen noch nicht sagen. – Ich möchte einen Anwalt anrufen. – Das können Sie von der Zelle aus machen.“ Er habe sich bis auf die Unterhose ausziehen müssen, im Genitalbereich sei er dann abgetastet worden, sagt Lucks. Ein Freund habe sich ganz ausziehen und vorbeugen müssen.

Nachdem die Hälfte der Jugendlichen so behandelt worden sei, habe man den Bus ziehen lassen, sagt Anna Cannavo. Die Aktion habe rund fünf Stunden gedauert. Zu spät gelangten die Jugendlichen zur Demo.

Die Polizei Hamburg sah sich am Donnerstag nicht in der Lage, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Bei der Staatsanwaltschaft lag keine Anzeige vor. Tatsächlich beraten die Falken mit NRW-Sitz in Gelsenkirchen noch mit Anwälten, ob sie Anzeige erstatten wollen. „Erst im Nachhinein berichteten unsere Jugendlichen über Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Einschüchterung“, schreibt der Landesvorsitzende Paul Erzkamp. Einige benötigten psychologische Unterstützung.

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