Schule

Das Ruhrgebiet verabschiedet sich vom Turbo-Abitur

Das Turbo-Abitur ist an den meisten Gymnasien im Ruhrgebiet bald schon Geschichte.

Das Turbo-Abitur ist an den meisten Gymnasien im Ruhrgebiet bald schon Geschichte.

Essen.  Das Turbo-Abitur wurde mit großen Kraftanstrengungen eingeführt. Jetzt nimmt das Land laut einer Umfrage dieser Zeitung wieder Abschied vom G8.

Die Gymnasien im Ruhrgebiet schaffen das Turbo-Abitur wieder ab. Das geht aus einer WAZ-Umfrage unter den 142 öffentlichen Gymnasien der Region hervor. In 128 vorliegenden Antworten erklärten die Schulleitungen, dass sie ab dem Jahr 2019/20 aller Voraussicht nach zum neunjährigen Gymnasium (G 9) zurückkehren und damit dem von der schwarz-gelben Landesregierung geplanten Regelfall folgen. Kein Gymnasium ließ erkennen, dass es beim Turbo-Abitur (G 8) bleiben will. Bisher war das Land davon ausgegangen, dass jedes zehnte NRW-Gymnasium G 8 fortsetzt.

Per Leitentscheidung soll das Abitur in NRW grundsätzlich ab dem Sommer 2019 wieder nach neun statt acht Jahren gemacht werden. Gymnasien haben aber die Möglichkeit, im nächsten Schuljahr per Schulkonferenz-Entscheid eine Ausnahme für G 8 zu beantragen. Ein fertiges Gesetz zu dieser Reform liegt noch nicht vor. Da sich jetzige Viertklässler im Februar für eine weiterführende Schule entscheiden müssen, haben sich viele Gymnasien vorab positioniert.

„Keine Schule will sich dem Wandel verschließen“

In Duisburg, Herne oder Bottrop haben sich die Direktoren geschlossen auf eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren verständigt. In Mülheim geben alle fünf und in Gelsenkirchen die acht G 8-Gymnasien an, dass sie das Turbo-Abitur abschaffen wollen. Dem schließen sich elf der zwölf privaten und konfessionellen Gymnasien im Revier an.

Rüdiger Käuser, der als Vorsitzender der westfälisch-lippischen Direktorenkonferenz rund 300 Schulleiter vertritt, bestätigt die Umfrage: „Keine Schule will sich dem Wandel verschließen, der sich auch in der Gesellschaft abzeichnet.“ Das Ergebnis deckt sich auch mit einer unveröffentlichten Abfrage der fünf Bezirksregierungen in NRW. Nach Informationen dieser Zeitung hat sich nur eine Handvoll von über 500 befragten Direktoren nicht zu G 9 bekannt.

Interessensverbände fordern vom Land eine ausnahmslose Abkehr vom Turbo-Abitur. Dorothea Schäfer von der GEW-Lehrergewerkschaft sagte: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, die Rückkehr zu G 9 gut vorzubereiten.“ Das Land solle dies nicht verkomplizieren. Die Landeselternschaft der Gymnasien und die Landesschülervertretung warnen vor Unruhe in den Schulen. Ein Sprecher des Schulministeriums verteidigte das Vorgehen: „Wo G 8 funktioniert, kann es fortgeführt werden.“

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