Essen/Berlin. . Der Dauerfrost zerrt nicht nur an den Nerven der Menschen, die Sonnenlicht und Wärme seit Wochen vermissen. Er hat auch ganz praktische Folgen für die Wirtschaft: Grippe-Welle und eisige Temperaturen sorgen dafür, dass ganze Branchen zum Nichtstun verurteilt sind.

Verwaiste Baustellen, hoher Krankenstand, halbleere Geschäfte: Der lange Winter ­kostet die deutsche Wirtschaft viel Geld. Hochgerechnete Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ergaben, dass im ersten Quartal 2013 durch krankheits­bedingte Ausfälle mit einem Produktivitätsverlust von bis zu sechs Milliarden Euro zu rechnen sei.

Der Deutsche Industrie und Handelskammertag rechnet zusätzlich mit zwei Milliarden Euro, die der Wirtschaft verloren gehen.

Wie die KKH gestern mitteilte, blieben allein in diesem Januar ein Drittel mehr Arbeitnehmer mit einer Erkältung im Bett als im ­Januar 2012. Bundesweit wurde 38.220 Versicherten der Krankenkasse im Januar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit wegen Erkältungskrankheiten bescheinigt, im Schnitt fehlten sie sieben Tage. Bei der Diagnose „grippaler Infekt“ stieg die Quote gar um 46 Prozent.

Zwei Milliarden Euro Verlust

Die KKH bezifferte den Produktivitätsverlust aller gesetzlich ­Versicherten im Januar auf zwei Milliarden Euro. Hochgerechnet bis Ende März kommt die Kasse auf sechs Milliarden Euro.

Auch interessant

Der Verlust könnte aber noch höher ausfallen. Laut Robert-Koch-Institut stieg die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen im Februar noch mal deutlich an. „Das trifft den Mittelstand besonders hart“, sagt Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven. Große Unternehmen können krankheitsbedingte Ausfälle leichter ausgleichen.

Bauarbeiter und Gärtner können nichts tun

Einzelne Branchen leiden nicht nur unter erkrankten Mitarbeitern – darunter die Gartenbranche. „Das Wetter ist eine Katastrophe für die ganze Branche“, erklärte Heiner Esser, Geschäftsführer des Landesverbandes Gartenbau Rheinland. „Für manche Betriebe ist die Situation existenzgefährdend.“ Vor allem die Großhändler blieben auf der Ware sitzen.

Gebeutelt ist auch das Baugewerbe. „Im ­Januar haben wir bei den geleisteten Arbeitsstunden einen Rückgang von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, heißt es beim Verband der Bauindustrie NRW. Im Tiefbau liege der Rückgang sogar bei 25 Prozent.