Ägypten will mit dem Megaprojekt „New Delta“ Wüste in Ackerland verwandeln. Westlich des historischen Nildeltas sollen langfristig rund 924.000 Hektar erschlossen werden. Die Fläche ist damit fast so groß wie Zypern. Sie ist bislang allerdings nur das Entwicklungsziel und kein bewirtschaftetes Land. Präsident Abdel Fattah al-Sisi weihte das Vorhaben im Mai 2026 offiziell ein, obwohl es noch nicht fertig war. Die Investitionen bezifferte al-Sisi auf knapp 800 Milliarden Ägyptische Pfund (rund 13 Milliarden Euro).
Das Herzstück ist die Aufbereitungsanlage bei El Hammam nahe der Mittelmeerküste. Sie kann bis zu 7,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Tag reinigen und gilt laut Guinness World Records als die größte ihrer Art. Das Wasser stammt überwiegend aus der Landwirtschaft des alten Nildeltas. Es floss bisher ungenutzt ins Mittelmeer und wird nun von Feststoffen und Verunreinigungen befreit.
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Ägypten: Wasser muss Hunderte Kilometer gepumpt werden
Ägypten erschließt damit keine neue Quelle, sondern nutzt bereits verwendetes Wasser ein zweites Mal. Entsalzt wird es dabei nicht. Hinzu kommen Nilwasser über den 41,3 Kilometer langen Tahya-Misr-Kanal sowie Grundwasser.
Anders als im traditionellen Niltal gibt es in der Region kein natürliches Gefälle. Das Wasser muss über Hunderte Kilometer gepumpt werden, teils sogar bergauf. Dafür sind 19 Hauptpumpstationen vorgesehen oder schon gebaut. Sand, Sedimente und salzhaltiges Wasser greifen derweil Turbinen und Leitungen an, was den Wartungsaufwand erhöht.

Studie: Sedimente verringern Leistung
Wie eng die Grenzen des Systems sind, zeigt eine im Oktober 2026 im Fachjournal Water Science veröffentlichte Studie. Die Forscher Mahmoud Zayed, Ola Eraky und Mohamed Abdellatif untersuchten den El-Nasr-Kanal. Er soll über fünf Pumpstationen täglich etwa 1,1 Millionen Kubikmeter Wasser ins New-Delta-System leiten.
Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Im Kanal lagern demnach rund 470.000 Kubikmeter Sediment, die den Querschnitt verengen. Bei höherem Durchfluss sinken die Wasserstände an den Pumpstationen so stark, dass Ansaugprobleme und Kavitation drohen, also Schäden durch Dampfblasen in den Pumpen.
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Megaprojekt mit vielen Risiken
Ein weiteres Problem ist die Bewässerung selbst. Auf Satellitenbildern sieht man schon jetzt auffällige grüne Kreise in der ägyptischen Wüste. Sie stammen von Beregnungsanlagen mit rotierendem Arm. Sie lassen sich gut automatisieren, doch bei Hitze und Wind verdunstet viel Wasser, bevor es den Boden erreicht.
Am kritischsten könnte langfristig die Wasserqualität werden. Jedes Bewässerungswasser enthält gelöste Salze. Verdunstet das Wasser auf den Feldern, bleiben sie im Boden zurück. Weil die Anlage in El Hammam nicht entsalzt, gelangt ständig neues Salz ins System. Ohne gute Entwässerung und regelmäßiges Auswaschen können Wüstenböden innerhalb weniger Jahre versalzen, und die Erträge würden einbrechen. Beim Grundwasser kommt hinzu, dass sich fossile Vorkommen kaum erneuern. Wird zu viel gefördert, kann Salzwasser aus tiefen Schichten nachströmen.
Mit dem New Delta will Ägypten seine wachsende Bevölkerung ernähren und die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten verringern. Doch die neue Studie zeigt: Die Verbindung aus immensem Energiebedarf, hydraulischen Engpässen in den Kanälen und der drohenden Versalzung macht das New Delta zu einem hochriskanten Experiment in Zeiten des Klimawandels.
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