Die letzte Staatsvisite von König Charles III. war für die britische Diplomatie ein durchschlagender Erfolg. Auf seinem dreitägigen Besuch in den USA im April entzückte er den Gastgeber Donald Trump, und seine Rede vor dem Kongress bescherte ihm stehende Ovationen.

Aber wenn er sich am Dienstag erneut für eine Reise über den Atlantik ins Flugzeug setzt, erwartet ihn ein deutlich weniger begeistertes Publikum. Seine Visite in der Karibik wird begleitet von einer hitzigen Debatte rund um Sklavenhandel und die Rolle, die die Monarchie dabei spielte, und um Forderungen nach britischen Reparationszahlungen.

Karibik: Einige Staaten für Abschaffung der Monarchie

Die neuntägige Tour durch die Region beginnt in den Bahamas, danach geht es weiter nach Guyana und schließlich nach Antigua und Barbuda. Alle drei Staaten sind Teil des Commonwealth of Nations, der Nachfolgeorganisation des britischen Empire; die Bahamas sowie Antigua und Barbuda haben den Monarchen in London als Staatsoberhaupt.

Im Verhältnis zwischen London und den ehemaligen britischen Kolonien in der Karibik sind in den vergangenen Jahren zunehmend Spannungen aufgekommen. In mehreren Nationen wächst die Bewegung für eine Abschaffung der Monarchie, unter anderem in Jamaika und Antigua and Barbuda. Barbados ist bereits 2021 zu einer Republik geworden. Gleichzeitig hat die Kampagne für eine Entschädigung für den Sklavenhandel Fahrt aufgenommen. London, so lautet die Forderung, soll den Opfern des Menschenhandels Reparationen zahlen.

Burnham: Großbritannien wird keine Reparationen zahlen

Was Großbritannien riesige Reichtümer bescherte, hinterließ in den Sklavenkolonien tiefe ökonomische und gesellschaftliche Schäden, die bis heute nachwirken – so argumentieren die Befürworter von Reparationen. Im vergangenen März stimmte eine große Mehrheit von 123 Nationen für eine von Ghana eingebrachte UNO-Resolution, die Sklaverei als schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnete; Reparationen seien „ein konkreter Schritt zu einer Wiedergutmachung einer historischen Ungerechtigkeit“, heißt es in der Resolution.

Großbritannien enthielt sich der Stimme. Derzeit sind die karibischen Nationen dabei, einen Aktionsplan auszuarbeiten, wie sie Großbritannien zu einem Reparations-Deal zwingen können. Premier Andy Burnham bekräftigte vor einigen Wochen die bisherige britische Position: Großbritannien wird keine Reparationen zahlen.

Charles: Es geht um „moralische Integrität des Monarchen“

Charles dürfte in der Karibik also viel Kritik entgegenschlagen. Alle drei Länder, die er besucht, haben sich für Reparationen ausgesprochen. Der Buckingham Palace ließ im Vorfeld der Visite verlauten, dass Charles von den „dunkelsten Tagen“ der Kolonialherrschaft reden werde – aber auf Raten der britischen Regierung werde er keine formelle Entschuldigung für den Sklavenhandel abgeben.

Spannende Politik-Einblicke aus der EU

Laut Experten begibt sich der König auf ein schwieriges diplomatisches Terrain. „Dies ist das größte Risiko in seiner bisherigen Regentschaft, weil so viel außerhalb seiner Kontrolle liegt“, urteilt beispielsweise der Historiker Anthony Seldon gegenüber der BBC. Weil es um Sklaverei und Reparationen gehe, stehe „die moralische Integrität des Monarchen“ zur Debatte.