Manchmal lohnt es sich, die Verzagtheit hinter sich zu lassen und von außen auf Deutschland zu blicken. Man sieht dann nicht nur ein Land, dem sein Geschäftsmodell abhandengekommen ist, das seine Infrastruktur verkommen ließ und in dem sich zunehmend radikale Kräfte breitmachen. Vielmehr sieht man auch ein Land mit herausragenden Stärken: seiner geografischen Lage mitten in der EU, seiner Weltoffenheit, erstklassigen Fachkräften und Forschern, einem hohen Maß an sozialem Frieden und politischen Institutionen, um deren Stabilität andere die Deutschen beneiden.
Industrie und Handel: Auf Europa kommt es an
Man muss sich das immer wieder vor Augen führen – erst recht in den aufgeregten Debatten über die Zukunft des Landes, die gerade geführt werden. In den vergangenen zwei Tagen versuchte die Bundesregierung bei einem Kongress in Berlin, mit diesem positiven Geist mehr Investoren aus dem Ausland anzulocken. Für die ist Deutschland trotz aller Defizite immer noch ein interessantes Pflaster.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Es reicht nicht, dass Deutschland seine Stärken ausspielt. Es muss auch neue Stärken entwickeln, am besten im Verein mit seinen europäischen Partnern. Der Abbau von Bürokratie und der Übergang zu einer bezahlbaren, klimafreundlichen Energieversorgung sind Themen, die alle angehen. Das beste Ertüchtigungsprogramm für den Standort sind neue Handelsabkommen und eine weitere Vertiefung des EU-Binnenmarkts, insbesondere mit Blick auf die Kapital- und Finanzmärkte. Deutschlands größter Trumpf bleibt Europa. Wer das nicht wahrhaben will, hält den Abstieg des Landes nicht auf. Sondern beschleunigt ihn.


