Zerstörte Schaufenster, geplünderte Geschäfte und Wasserwerfer gegen randalierende Gruppen: Nach schweren Ausschreitungen in Mailands Innenstadt am Wochenende zieht die Polizei eine dramatische Bilanz. 271 Menschen wurden zur Identitätsfeststellung auf eine Polizeiwache gebracht, darunter 220 Minderjährige. 32 Personen wurden festgenommen, 28 weitere angezeigt. Bei den Zusammenstößen wurden 14 Angehörige der Sicherheitskräfte verletzt. Insgesamt gab es mehr als hundert Verletzte. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte für Montag eine Krisensitzung an.

Die Gewalt eskalierte im Zentrum Mailands. In der Nähe des Domplatzes nahmen Gruppen von Jugendlichen Geschäfte ins Visier. Unter anderem wurde ein Sportartikelhandel gestürmt und geplündert. Auch Mobilfunkläden und ein Supermarkt wurden attackiert, Schaufenster eingeschlagen und öffentliche Einrichtungen beschädigt. Mülltonnen, Fahrräder und E-Scooter wurden umgestürzt, die Außenbereiche von Lokalen zerstört. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Der Mailänder Dom wurde vorübergehend geschlossen, zahlreiche Geschäfte stellten ihren Betrieb zeitweise ein.

Der entstandene Sachschaden wird auf rund eine halbe Million Euro geschätzt. Bereits am Samstag war es in Mailand am Rande von Protesten gegen steigende Lebenshaltungskosten, hohe Benzinpreise und die Steuerbelastung zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Damals wurden mindestens 24 Menschen verletzt, darunter vier Polizisten. Auch in Turin, Bologna, Brescia und Bergamo kam es am Wochenende zu Ausschreitungen. 

Regierungschefin Meloni beruft Krisensitzung ein

Die Ermittler prüfen jetzt, wie sich Hunderte Jugendliche in wenigen Minuten auf dem Mailänder Domplatz versammeln konnten. Untersucht werden deshalb Accounts, Nachrichten und geteilte Inhalte auf Sozialen Netzwerken. Dabei fällt auf, dass die italienischen Flugblätter, die auf dem Domplatz von Randalierern verteilt wurden, denjenigen ähneln, die bei den Protestmobilisierungen in Frankreich verwendet wurden. Auch die Abfolge der Ereignisse in Frankreich, in Albanien und nun in Italien gilt den Ermittlern als zu ähnlich, um dies als bloßen Zufall abzutun.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni berief eine Krisensitzung der Regierung ein.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni berief eine Krisensitzung der Regierung ein.© AFP | NICOLAS TUCAT

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt und kündigte eine Regierungssitzung an. Dabei soll die Lage bewertet werden und geprüft, welche zusätzlichen Maßnahmen gegen Personen möglich sind, die friedliche Demonstrationen für Gewalt und Chaos missbrauchen. Vizepremier und Verkehrsminister Matteo Salvini sprach sich ebenfalls für ein härteres Vorgehen aus. Er forderte mehr Handlungsspielraum für die Polizei, unter anderem beim Einsatz von Wasserwerfern und Tasern. Zudem plädierte er dafür, die finanziellen Folgen der Ausschreitungen stärker den Verantwortlichen aufzuerlegen.

Nach einem Vorschlag seiner Lega-Partei sollen Veranstalter von Demonstrationen mit erhöhtem Gewaltrisiko eine Kaution hinterlegen, um mögliche Schäden an öffentlichem und privatem Eigentum abdecken zu können. Auch Bildungsminister Giuseppe Valditara äußerte sich zu den Ausschreitungen. Er erklärte, er sei am Vortag selbst auf dem Domplatz gewesen und nur knapp von einem Stein am Kopf verfehlt worden. Die Ereignisse hätten seiner Ansicht nach ein erhebliches Integrationsproblem deutlich gemacht.