In der Nacht zum Sonntag (18. Oktober) blieb der mit russischem Rohöl beladene Tanker „Sled“ zwischen Rügen und der dänischen Insel Møn liegen. Das unter der Flagge der Bahamas fahrende Schiff war vom russischen Hafen Primorsk auf dem Weg nach Skagen in Dänemark, als es in der Kadetrinne, einer der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Ostsee, offenbar technische Probleme bekam.

Öltanker „Sled“: Stillstand in einer der engsten Passagen der Ostsee

Gegen 1.30 Uhr verlor die „Sled“ kurz nach der Einfahrt in die Kadetrinne zunehmend an Geschwindigkeit, bis sie schließlich zum Stillstand kam. Das berichten die „Kieler Nachrichten“ unter Berufung auf Daten des Automatischen Identifikationssystems (AIS), mit dem sich die Position und Bewegung von Schiffen verfolgen lassen. Die Ursache ist bislang ungeklärt. Nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) soll es Probleme mit dem Antrieb gegeben haben.

Der Ort der Havarie ist nicht unproblematisch. Die Kadetrinne verbindet die östliche mit der westlichen Ostsee und zählt zu den wichtigsten, aber auch anspruchsvollsten Schifffahrtsrouten der Region. Große Frachter und Tanker müssen hier eine vergleichsweise schmale Fahrrinne passieren. Fällt der Antrieb aus, kann ein Schiff seinen Kurs nicht mehr zuverlässig halten und gerät unter Umständen durch Wind und Strömung außer Kontrolle.

Im Fall der „Sled“ trieb der kräftige Ostwind den Tanker von der deutschen Küste weg in Richtung Dänemark. Das Schiff ist 189 Meter lang, wurde 2005 in Südkorea gebaut und gehört einer griechischen Reederei. Obwohl es russisches Rohöl transportiert, fährt es unter der Flagge der Bahamas.

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Russische Kriegsschiffe nahe dem havarierten Öltanker

Die Verkehrszentrale Warnemünde schickte den deutschen Notfallschlepper „VB Bremen Fighter“ vom Hafen Mukran bei Sassnitz auf Rügen zu dem havarierten Tanker. Auf dänischer Seite übernahm das Marinekommando in Karup die Überwachung. Die Seefunkstation Lyngby Radio hielt unterdessen Kontakt zur Besatzung der „Sled“.

Nach Angaben des Schiffsbeobachtungsdienstes Vesseltracker ging der Tanker schließlich rund eine halbe Seemeile, also knapp einen Kilometer, außerhalb der dänischen Hoheitsgewässer vor Anker. Auch ein dänisches Patrouillenboot hielt sich in der Nähe auf.

Doch nicht nur der liegen gebliebene Tanker beschäftigte die Behörden. In seiner Umgebung waren auch russische Kriegsschiffe unterwegs. Wie der NDR berichtet, war deshalb in der Nacht zum Sonntag auch die Bundespolizei im Einsatz. Ihr Augenmerk galt zwei russischen Schiffen, die den Öltanker möglicherweise begleiteten.

Eines davon war das russische Landungsschiff „Aleksandr Shabalin“, das sich am Sonntagmorgen in der Nähe der „Sled“ befand. Das Kriegsschiff wird unter anderem zur Eskorte russischer Handelsschiffe eingesetzt. Ein weiteres russisches Marineschiff wurde nach Angaben von Vesseltracker bei Fehmarn beobachtet. In diesem Seegebiet war zuvor bereits ein chinesischer Frachter unter russischer Begleitung aufgefallen. Da die beiden russischen Schiffe nicht in deutsche Hoheitsgewässer einfuhren, beschränkte sich die Bundespolizei laut NDR auf deren Beobachtung. Eine Kontrolle fand nicht statt. Ungeklärt bleibt, ob die russischen Kriegsschiffe tatsächlich als Eskorte des Tankers unterwegs waren.

Öltanker „Sled“ setzt Fahrt durch die Ostsee offenbar fort

Am frühen Montagmorgen, dem 19. Oktober, kam die „Sled“ offenbar wieder in Fahrt. Schiffspositionsdaten zufolge passierte der Tanker die Kadetrinne in westlicher Richtung und setzte damit seine Reise nach Skagen fort. Ein Schlepper war auf den öffentlich zugänglichen Daten in unmittelbarer Nähe nicht zu erkennen.

Ob die „Sled“ tatsächlich wieder aus eigener Kraft fuhr, war zunächst unklar. Auch die Ursache für den Stillstand sowie mögliche Reparaturen an Bord blieben offen.