Gerhard Schröder sorgt mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende seiner Kanzlerschaft immer wieder für Schlagzeilen. Jüngst besuchte der frühere Bundeskanzler den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu dessen 74. Geburtstag in Moskau. In Deutschland löste der Besuch heftige Kritik aus, auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Doch es ist nicht das erste Mal, dass Schröder bei seinen Landsleuten und führenden Politikern für Kopfschütteln sorgt – das zeigt ein Blick auf seine (politische) Karriere.

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und prägte die deutsche Politik mit der Agenda 2010 und den Hartz-Reformen. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt blieb er wirtschaftlich eng mit Russland verbunden. Seine Tätigkeiten für russische Energieunternehmen und seine langjährige Freundschaft mit Putin haben seinem politischen Ansehen jedoch erheblich geschadet. Zuletzt wurde bekannt, dass Schröder in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus berufen wurde. Die neue Aufgabe führte ihn nach Moskau – und damit erneut in den Mittelpunkt der Debatte über seine Russlandkontakte.

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NameGerhard Fritz Kurt Schröder
Geburtstdatum7. April 1944
GeburtsortMossenberg
BerufJurist, Politiker
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Parteimitglied seit1963
Bundeskanzler1998 bis 2005
Weitere ÄmterMinisterpräsident von Niedersachsen, SPD-Vorsitzender
Familiefünfmal verheiratet, aktuell mit Soyeon Schröder-Kim
WohnortHannover

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Gerhard Schröder wurde am 7. April 1944 in Mossenberg (heute Blomberg) in Nordrhein-Westfalen geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater, ein Landarbeiter, fiel noch im selben Jahr im Zweiten Weltkrieg. Schröder absolvierte zunächst eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann und holte später auf dem zweiten Bildungsweg die Hochschulreife nach. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Göttingen und arbeitete nach dem zweiten Staatsexamen als Rechtsanwalt. Bereits früh engagierte er sich politisch in der SPD und bei den Jungsozialisten. Sein Aufstieg führte ihn über den Bundestag und die niedersächsische Landespolitik bis an die Spitze der Bundesregierung.

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Gerhard Schröder und die Agenda 2010: Warum seine Reformpolitik bis heute umstritten ist

Mit der Agenda 2010 leitete Schröder 2003 eine der weitreichendsten Reformen des deutschen Sozial- und Arbeitsmarktsystems ein. Die rot-grüne Bundesregierung wollte damit die hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen, die Wirtschaft stärken und die Sozialsysteme langfristig finanzierbar halten. Im Zentrum standen die sogenannten Hartz-Reformen: Arbeitslosen- und Sozialhilfe wurden für erwerbsfähige Menschen zusammengeführt, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes wurde verkürzt und die Vermittlung in Arbeit neu organisiert. Auch Änderungen am Arbeitsrecht und Maßnahmen zur Senkung der Lohnnebenkosten gehörten zum Reformkurs.

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Die Reformpolitik ist allerdings bis heute umstritten. Nach Ansicht ihrer Befürworter stärkte sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und machte den Arbeitsmarkt flexibler. Allerdings schufen die Reformen auch einen gewaltigen Niedriglohnsektor und erschwerten das Leben von Arbeitslosen und Menschen mit geringem Einkommen. Kritiker heben bis heute die negativen sozialen Folgen hervor, unter anderem die zunehmende Altersarmut. Die Reformen lösten schon bei ihrer Einführung große Proteste aus und führten zu einer Abspaltung eines Teils der SPD, der letztlich in der Linken aufging.

Russland, Putin und das Ende Gerhard Schröders politischer Karriere

Nach der Bundestagswahl 2005 endete Schröders Zeit als Bundeskanzler. Die rot-grüne Koalition hatte ihre Mehrheit verloren. Die Wahl führte schließlich zu einer Großen Koalition unter Angela Merkel. Schröder zog sich aus der aktiven Spitzenpolitik zurück und wechselte in die Wirtschaft.

Er übernahm Funktionen im Umfeld des russischen Staatskonzerns Gazprom und wurde später Vorsitzender des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG. Auch nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 hielt er an seiner Freundschaft zu Putin fest und distanzierte sich nicht von seinen geschäftlichen Verbindungen zu Russland. 2022 leitete die SPD ein Verfahren zum Parteiausschluss ein, das jedoch scheiterte.

Gerhard Schröder privat: Seine Ehefrauen und Lebensgefährtinnen

Schröder war fünfmal verheiratet. Seine erste Ehe mit Eva Schubach begann 1968 und dauerte vier Jahre. Danach heiratete er die Lehrerin Anne Taschenmacher. Auch diese Ehe wurde geschieden. 1984 gab er Hiltrud Schwetje das Jawort, mit der er bis 1997 verheiratet war.

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Noch im selben Jahr heiratete er die Journalistin Doris Köpf, die als Doris Schröder-Köpf während seiner Kanzlerschaft an seiner Seite stand. Das Paar adoptierte zwei Kinder aus Russland. Doris Schröder-Köpf brachte zudem eine Tochter aus einer früheren Beziehung mit. Nach der Trennung und Scheidung 2018 heiratete Schröder die südkoreanische Wirtschaftsexpertin So-yeon Kim. Sie ist seine fünfte Ehefrau und steht bis heute an seiner Seite.