Ob Deutschlands Wirtschaft viele weitere Jahre vor sich hin dümpeln wird, liegt nicht allein an Kanzler Friedrich Merz und seiner schwarz-roten Koalition. In der öffentlichen Debatte wird gern vergessen, dass Schocks aus dem Ausland einen großen Anteil an der Misere haben. Hinzu kommt, dass sich viele Unternehmen selbst in die Sackgasse manövriert haben. Niemand hat etwa in der Vergangenheit die deutsche Exportindustrie gezwungen, sich strukturell abhängig von China zu machen. Und niemand außer den Autokonzernen selbst ist dafür verantwortlich, dass sie technologisch den Anschluss verloren haben.

In dieser Situation muss die soziale Marktwirtschaft zeigen, dass sie weiterhin Teil der Lösung ist und nicht Teil des Problems. Der Tarifpolitik kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Am Mittwoch hat die IG Metall ihre Lohnforderung für die fast vier Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie präsentiert. Die Gewerkschaft fordert angesichts der starken Teuerung fünf Prozent mehr Geld und Boni für Beschäftigte in Boom-Branchen. Außerdem – und das ist mindestens ebenso wichtig – soll über die Absicherung von Jobs und Standorten verhandelt werden.

Jetzt beginnen die üblichen Rituale mit Krawall und Empörung aufseiten der Beschäftigten wie der Arbeitgeber. Das gehört dazu, das braucht es auch. Beide Seiten eint das Ziel, Deutschlands ökonomischen Niedergang zu stoppen. Seit der Finanzkrise vor anderthalb Jahrzehnten stand immer wieder die Job-Sicherung im Fokus der Tarifparteien. Jetzt sollte es wieder so sein. Vor allem daran wird man einen künftigen Abschluss messen müssen.

