Donald Trump hat ein bemerkenswertes Rezept gegen hohe Lebensmittelpreise gefunden: billigeres Rindfleisch aus Argentinien importieren. Er bringt damit ausgerechnet jene Rancher gegen sich auf, die zu seiner treuesten politischen Klientel gehören.
In den kommenden 90 Tagen sollen bis zu 300.000 Tonnen zusätzliches Rindfleisch für Hackfleisch zu vergünstigten Bedingungen in die USA gelangen. Ausländische Exporteure hätten zugesagt, die Ware 25 Prozent unter Marktpreis anzubieten, behauptet der Präsident. Wer diese Lieferanten sind und wie garantiert werden soll, dass der Rabatt tatsächlich an der Fleischtheke landet, sagt das Weiße Haus bislang nicht.
Lieben Sie gut recherchierte Geschichten, spannende Interviews und Reportagen?
Textchefin Birgitta Stauber sucht sie in ihrem Newsletter „Das Beste am Sonntag“ für Sie aus, eingebettet in ein persönliches Editorial. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier.
Das Timing ist politisch motiviert. Die Sonderregelung reicht über die Zwischenwahlen im Kongress am 3. November hinaus. Und Rindfleisch ist zu einem besonders sichtbaren Symbol jener „Erschwinglichkeits“-Krise geworden, von der Trump im Wahlkampf 2024 versprochen hatte, sie quasi im Handumdrehen zu beenden. Papperlapapp. Ein Pfund gewöhnliches Hackfleisch kostete im Juli in den USA im Schnitt rund sieben Dollar – rund zehn Prozent mehr als 2025 und fast drei Dollar mehr als vor der Corona-Pandemie.
Auch interessant
Nur ein Bruchteil vom jährlichen Verbrauch
Trumps Problem ist leicht zu verstehen. Sein Heilmittel weniger. Denn 300.000 Tonnen klingen gewaltig, sind im amerikanischen Fleischmarkt aber überschaubar. Die USA verbrauchen pro Jahr rund 13,2 Millionen Tonnen Rindfleisch. Die zusätzliche Importmenge entspricht damit nur gut zwei Prozent – oder ungefähr acht Tagen dessen, was Amerika insgesamt an Rindfleisch verzehrt.
Selbst auf drei Monate konzentriert wird daraus keine Fleischschwemme, die Burger und Steaks plötzlich um ein Viertel billiger macht. Der Agrarökonom Glynn Tonsor von der Kansas State University kommt zu einem ähnlichen Befund: Einen großen Effekt auf die Verbraucherpreise erwartet er nicht. Rohstoffhändler Dan Norcini nennt die Maßnahme einen „Tropfen auf den heißen Stein“.
News aus den USA
Denn das eigentliche Problem liegt nicht beim Zoll, sondern auf den Weiden. Die US-Rinderherde ist auf dem niedrigsten Stand seit 75 Jahren. Jahrelange Dürren haben Weideland geschädigt, Futtermittel verteuert und Rancher dazu gebracht, Tiere zu schlachten, statt Bestände aufzubauen. Hinzu kamen Beschränkungen für Lebendvieh aus Mexiko wegen der Schraubenwurmfliege.
Herden aber lassen sich nicht per Präsidentenerlass vergrößern. Von der Entscheidung, mehr Kühe und Kälber zu halten, bis zu zusätzlichem verkaufsfertigem Fleisch vergehen Jahre. Genau deshalb reagieren viele Rancher so erbittert. Hohe Rinderpreise sind für viele von ihnen nach Jahren steigender Kosten endlich wieder ein Lichtblick. Staatlich begünstigte Billigkonkurrenz aus dem Ausland drückt dagegen zunächst auf den Preis, den sie für ihre Tiere erhalten. Und sie kann damit genau den wirtschaftlichen Anreiz schwächen, den heimischen Bestand wieder auszubauen.

Colin Woodall, Chef der „National Cattlemen’s Beef Association“, nennt das widersinnig. Man teile zwar das Ziel bezahlbarer Lebensmittel. Aber den Markt mit „staatlich subventioniertem Rindfleisch unter Marktpreis zu fluten“, sei kein Weg, die amerikanische Herde wieder aufzubauen.
Nicht nur Nebraska rebelliert
Im Bundesstaat Nebraska rebelliert deshalb selbst Trumps eigene Partei. Die republikanische Senatorin Deb Fischer, selbst Rancherin, erklärte, billigere Lebensmittel dürften nicht „auf Kosten amerikanischer Produzenten“ erkauft werden. Ihr republikanischer Kollege Pete Ricketts warnt ebenfalls vor einer Schwemme günstiger Importe.
Auch interessant
Bemerkenswert ist zudem, dass Washington dieses Experiment bereits ausprobiert hat. Schon 2025 kündigte Trump an, die Niedrigzollquote für argentinisches Rindfleisch von 20.000 auf 80.000 Tonnen zu vervierfachen. Die Rancher protestierten massiv. Im Februar 2026 wurde die Regelung umgesetzt. Nebraskas Kongressdelegation erinnerte Trump damals daran, dass allein die Ankündigung amerikanische Erzeuger zeitweise bis zu 300 Dollar je Tier gekostet habe.
Der neue Plan setzt am selben Mechanismus an. Rindfleisch innerhalb bestehender Importquoten wird nur gering belastet; oberhalb der Quote greift normalerweise ein Zoll von rund 26,4 Prozent. Trump setzt genau diese Schwelle für 300.000 Tonnen zeitweise außer Kraft.
Republikanische Senatoren warnen
Ob Supermärkte und Fleischverarbeiter diesen Vorteil vollständig weiterreichen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Der Präsident kann Zölle streichen. Er kann den Einzelhandel nicht zwingen, daraus einen 25-Prozent-Rabatt zu machen.
Ökonom Steve Hanke von der Johns Hopkins University sieht darin deshalb unfreiwillig eine Lektion über Trumps eigene Handelspolitik: Bei Hamburgern habe der Präsident nun gelernt, dass Zölle „schlicht Steuern für amerikanische Verbraucher“ seien.
Die Pointe ist schwer zu übersehen. Jahrelang erklärte Trump, Zölle würden vom Ausland bezahlt. Jetzt erlässt er sie, weil Importe amerikanischen Verbrauchern zu teuer sind.

Es ist nicht das erste Mal. Schon Ende 2025 nahm Trump unter dem Druck hoher Lebensmittelpreise Kaffee, Bananen, Tomaten und Rindfleisch wieder von zuvor verhängten Zöllen aus. Die selbsternannte „Partei der Bezahlbarkeit“ musste damit Teile ihrer eigenen Handelspolitik zurückdrehen.
Dieses Mal ist das politische Risiko größer. Trump versucht, verärgerte Konsumenten mit billigeren Burger-Patties zu besänftigen – und lässt dafür Rancher bluten, die zu seinem eigenen Lager gehören. Republikanische Senatoren warnen bereits offen vor dem politischen Preis.








