Der Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) hat Berlin und ganz Deutschland erschüttert. Das Interesse der Öffentlichkeit an aktuellen Informationen war und ist groß. Und so verbreiteten sich besonders in den Sozialen Netzwerken schnell auch diverse Falschinformationen, die Millionen Menschen erreichten. Zumindest teilweise mit dafür verantwortlich ist die Berliner FDP-Politikerin Karoline Preisler. Was ist passiert?
Karoline Preisler bringt Unschuldigen mit CSD-Anschlag in Verbindung
Blick zurück: Einige Stunden vor der Tat teilte Preisler, die bei der Wahl am 20. September für das Berliner Abgeordnetenhaus kandidiert, auf X einen Beitrag. Darin geht es um einen angeblich abgeschobenen Mann, der nun versuche, zurück nach Deutschland zu kommen. Am frühen Sonntagmorgen dann, rund vier Stunden nach dem Attentat, setzte Preisler einen brisanten Post auf X ab. Darin deutet sie an, bereits vor dem Anschlag Informationen über „den mutmaßlichen Täter und das Tatfahrzeug“ an die Polizei weitergeleitet zu haben. Angeblich seien diese von den Behörden nicht beachtet worden.
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Schnell stellen andere User eine Verbindung zwischen den Posts her, verbreiten auf Facebook, Instagram und Co., der vermeintlich Abgeschobene sei der Täter von Berlin. In einem von dessen Videos habe einer ihrer Mitarbeiter, so berichtet es die FDP-Frau später in einem Interview mit der „Welt“ und ebenfalls auf X, einen weißen Lieferwagen entdeckt, der dem Tatfahrzeug ähnele. Zu diesem Zeitpunkt fahndet die Polizei in Berlin längst mit einem Foto nach Abdul Ballout, dem mutmaßlichen Attentäter. Schon ein schneller Vergleich der Fotos zeigt: Es handelt sich nicht um dieselbe Person.
Was sich zunächst nur andeutet, ist inzwischen klar: Die vermeintlich heiklen Informationen von Preisler haben nichts mit dem CSD-Angriff zu tun. Vielmehr verdächtigte sie öffentlich einen nach aktuellem Stand Unschuldigen.
Liebe Vertreter der Presse, bitte halten Sie meine Leitung frei. Ich werde mich zeitnah mit Ihnen in Verbindung setzen. #Berlin #b2507 #b2606 Es sieht so aus, als hätten die Hinweise aus meinem Umfeld auf den mutmaßlichen Täter und das Tatfahrzeug nicht gefruchtet. Doch… pic.twitter.com/TLecurvOz7
— Karoline Preisler (@PreislerKa) 26. Juli 2026
Doch im Internet wird weiter spekuliert – und der Mann in dem Video, der Abdul M. heißt, sich also mit dem Attentäter den Vornamen teilt, wird als vermeintlicher Täter inszeniert. Zwar hat Preisler auf X klargestellt, dass es sich bei dem Gesuchten nicht um ihren vermeintlichen Verdächtigen handelt. Ihren ursprünglichen Post löscht sie aber nicht. Zudem deutet sie in Interviews weiter eine mögliche Verbindung an, wenn auch ohne Abdul M.s Namen zu nennen. Im Gespräch mit dem Journalisten Constantin Schreiber bezeichnet Preisler den zu Unrecht Verdächtigten als Islamisten und wirft ihm Homophobie vor. Einen Namen nennt sie dabei erneut nicht. Wen sie meint, ist leicht zu erkennen. Das Video ist auf Schreibers Instagram-Account zu finden, eine Richtigstellung gibt es bisher nicht.
Fragwürdiger Content – doch mit dem Anschlag in Berlin hat Abdul M. nichts zu tun
Und Abdul M.? Tatsächlich sind einige Videos, die er auf TikTok verbreitet, fragwürdigen Inhalts. Darin äußert er krude Ansichten, etwa zum Thema Feminismus und Frauenrechte. Auch abgeschoben wurde er nie: Er wurde in Deutschland geboren, hat die deutsche Staatsbürgerschaft und studiert derzeit. Die vermeintliche Abschiebung und seinen Weg zurück nach Deutschland hat er für seine TikTok-Videos inszeniert. Ein Experiment, um zu sehen, wie andere User seine Posts kommentieren, behauptet er.
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Mit dem Anschlag in Berlin hat er nichts zu tun. Millionen sehen auf Instagram allerdings ein Video, in dem genau das behauptet wird. Derweil distanziert sich Abdul M. von dem Anschlag. „Das ist eine schändliche Tat, ich habe eine weiße Weste“, stellt er auf TikTok klar. Dennoch schlägt ihm weiter Hass entgegen, er und seine Familie werden bedroht. Sein Leben sei in Gefahr, sagt er sichtlich mitgenommen in einem Video. Er spricht davon, nach den Anschuldigungen psychisch angeschlagen zu sein.
Preisler äußert sich in einer Stellungnahme
In einer Stellungnahme, die dieser Redaktion vorliegt, weist Karoline Preisler den Vorwurf entschieden zurück, sie habe Abdul M. öffentlich als Täter oder Tatverdächtigen des CSD-Anschlags vom 25. Juli bezeichnet. Preisler erklärt, ihren ursprünglichen Beitrag bewusst nicht gelöscht zu haben, weil sie ihre Arbeitsweise transparent dokumentieren wolle.
Auch den Vorwurf, sie habe Abdul M. nach der öffentlichen Fahndung nach einem anderen Verdächtigen weiter belastet, weist Preisler zurück. Sie verweist auf einen X-Beitrag sowie auf ein Interview und einen Podcast, in denen sie nach eigener Darstellung ausdrücklich klargestellt habe, dass Abdul M. nicht der gesuchte Täter sei. Ihr öffentliches Vorgehen begründet sie mit dem Anspruch auf Transparenz. Zugleich wirft sie Medien vor, durch ihre Berichterstattung einen falschen Eindruck erweckt zu haben, indem sie ihre Klarstellungen nicht ausreichend berücksichtigt hätten.







