Die 16 Profi-Fußballvereine in NRW müssen künftig in den Stadien mehr in eigener Verantwortung und professioneller als bisher gegen gewalttätige Fans und das Zünden von Pyrotechnik vorgehen. Zusammen mit NRW-Innenminister Reul (CDU) und der Bundespolizei unterzeichneten sie am Donnerstag eine „Kooperationsvereinbarung Stadionallianzen“.
Ziel: Stadionbesuche ohne Angst
„Fußball soll ein Spiel bleiben, das Menschen zusammenbringt. Ohne Angst vor Einlasstumulten, Platzstürmen oder Pyrotechnik im Block“, sagte Reul. Die Vereinbarung schreibt die existierenden Stadionallianzen gegen Gewalt im Fußball fort und ergänzt sie um wichtige Punkte, die nicht alle Stadionbesucher erfreuen dürften.
So soll die Polizei soll in den Stadien nur noch dann präsent sein, wenn „Gefahr für Leib und Leben“ droht und sich verstärkt außerhalb der Stadien um die An-, Ab- und Durchreise von Fans kümmern. Dafür müssen die Veranstalter mehr Verantwortung für das übernehmen, was in ihren Stadien geschieht. Damit sind konsequente Einlasskontrollen, das Durchsetzen von Stadionverboten und eine Null-Toleranz-Linie gegenüber bekannten Störern gemeint. Die Sicherheitsdienste sollen besser für diese Aufgaben geschult werden.
Wer immer wieder auffällt, fliegt raus“
Herbert Reul (CDU), NRW-Innenminister
„Stadionverbote erfolgen nicht nach Gefühl, sondern nach klaren Regeln. Wer immer wieder auffällt, fliegt raus. Und Pyrotechnik hat im Stadion nichts verloren“, sagte Reul. Wer in einem Stadion zündele, werfe oder angreife sei kein Fan, sondern ein Straftäter.
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NRW dringt seit Langem in der Innenministerkonferenz auf mehr Härte gegen Pyrotechnik in den Stadien. Mit den „lapidaren Kontrollen“ und „Geheimzonen für Ultras“ müsse Schluss sein, hieß es vor wenigen Wochen.
Die Stadionallianzen gibt es bereits seit 2020 in NRW. Sie richten sich gegen die „Auswüchse im Profifußball“, also gegen Gewalttaten, Hassgesänge und das Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Die ersten Allianz-Partner waren Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, FC Schalke 04, 1. FC Köln, Bayer 04 Leverkusen, Arminia Bielefeld, SC Paderborn, VfL Bochum und Fortuna Düsseldorf. Inzwischen sind 16 Vereine dabei. Zuletzt kamen Alemannia Aachen, MSV Duisburg, Rot-Weiß Essen, Fortuna Köln, Viktoria Köln, Preußen Münster und der SC Verl dazu.
Michael Preetz, Geschäftsführer MSV Duisburg, äußerte sich so: „Ich freue mich besonders, dass mit der neuen Vereinbarung nun auch die Vereine der 3. Liga Teil der Stadionallianzen NRW werden.“ Viele dieser Clubs stünden vor ähnlichen Herausforderungen wie die Profivereine in den höheren Ligen.
Entlastung für die Polizei
Schon lange gibt es Forderungen, die Arbeitsbelastung der Polizei im Zusammenhang mit Fußballspielen zu verringern und die Vereine beim Thema Sicherheit mehr in die Pflicht zu nehmen. Allein in der Saison 2024/2025 habe die Polizei in NRW laut dem Innenministerium rund 460.000 Arbeitsstunden für Fußballeinsätze geleistet - im Ligabetrieb und im DFB-Pokal. Das entspreche etwa 350 Polizistinnen und Polizisten, die Vollzeit nichts anderes machten, als sich um den Fußball zu kümmern.
Die Sicherheits- und Fanbeauftragten der Vereine würden ausdrücklich in das Konzept einbezogen, versicherten die Vertragspartner. Sie seien die „Brücke zu den Fans“.
Kritik an der Erweiterung der Kooperationsvereinbarung kommt seitens der bundesweiten Faninteressenvertretung „Unsere Kurve“: „Herbert Reul setzt seinen Irrweg stoisch fort - weiterhin wird nur über Fußballfans, aber nicht mit ihnen gesprochen und weiterhin werden sie ausschließlich als Problem behandelt“, teilte „Unsere Kurve“ mit. (mit dpa)





