Der Widerspruch könnte kaum größer sein. Donald Trump lässt Irans Atomanlagen bombardieren – und öffnet zugleich Saudi-Arabien die Tür zur eigenen Uran-Anreicherung. Nach übereinstimmenden Berichten großer US-Medien hat der US-Präsident ein auf 30 Jahre angelegtes Atomabkommen mit dem Königshaus in Riad gebilligt. US-Unternehmen sollen demnach den Saudis beim Aufbau einer zivilen Nuklearindustrie helfen – inklusive des Baus einer Anlage für die Anreicherung von Uran, Grundsubstanz für die Herstellung einer Atomwaffe.

Für das Königshaus unter De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman erfüllt sich damit ein lang gehegter Wunsch. Saudi-Arabien will mit Kernenergie seine Wirtschaft langfristig unabhängiger vom Öl machen. Doch hinter dem zivilen Programm steht auch eine militärische Drohung. Mohammed bin Salman erklärte bereits 2018, sein Land werde so schnell wie möglich nachziehen, falls Iran eine Atombombe baue.

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Trump: USA riskieren neues Wettrüsten im Nahen Osten

Das macht das Abkommen, mit dem die Trump-Regierung durch den Iran-Krieg entstandene Animositäten im amerikanisch-saudischen Verhältnis beseitigen will, so heikel. Washington könnte Saudi-Arabien Zugang zu jener Technologie verschaffen, deren Beherrschung den Weg zu einer eigenen Bombe erheblich verkürzt. Aus einem wirtschaftlichen Großprojekt droht so der Ausgangspunkt eines neuen nuklearen Wettrüstens im Nahen Osten zu werden.

Besonders umstritten ist, worauf Washington offenbar verzichtet. Anders als beim sogenannten Goldstandard-Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten soll Saudi-Arabien weder dauerhaft auf Uran-Anreicherung verzichten noch das Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien (IAEA) akzeptieren, das etwa unangekündigte Inspektionen ermöglicht. Stattdessen setzen die USA auf bilaterale Sicherungsmechanismen und amerikanische Kontrolle über besonders sensible Technologien. Kritiker halten das für deutlich schwächere Schutzplanken gegen eine spätere militärische Nutzung.

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Demokrat kritisiert „nukleare Weiterverbreitung“

Im US-Kongress formiert sich bereits parteiübergreifender Widerstand. Abgeordnete warnen, Washington sende ein widersprüchliches Signal: Einerseits rechtfertigte Trump den Krieg gegen Iran mit dessen Uran-Anreicherung. Andererseits öffne seine Regierung nun dem größten regionalen Rivalen Teherans genau jene technische Tür, deren Nutzung sie dem Mullah-Regime zum Vorwurf macht. Der demokratische Abgeordnete Brad Sherman erklärte, ohne strengste Schutzmaßnahmen riskierten die USA, „die nukleare Weiterverbreitung in einer der instabilsten Regionen der Welt anzuheizen“.

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    Die Regierung hält dagegen. Nur US-Technologie könne sicherstellen, dass Saudi-Arabiens Atomprogramm unter strenger Aufsicht bleibe. Zugleich soll das milliardenschwere Projekt verhindern, dass Riad auf chinesische oder russische Anbieter ausweicht und sich damit strategisch weiter von den USA entfernt. 

    Ob diese Rechnung aufgeht, dürfte weit über Saudi-Arabien hinaus Folgen haben. Wer Uran anreichern kann, verfügt über einen wesentlichen Baustein auf dem Weg zur Bombe. Sollte Iran sein Atomprogramm nach den jüngsten Angriffen erneut ausbauen und Saudi-Arabien parallel eigene nukleare Fähigkeiten entwickeln, droht dem Nahen Osten eine neue Phase atomarer Instabilität.