Immer mehr Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge verlassen den Arbeitsmarkt. Nach einer aktuellen Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beziehen inzwischen rund sechs Millionen Babyboomer eine Altersrente. Davon gingen etwa 1,1 Millionen vorzeitig in den Ruhestand. Nach Einschätzung des IW dürfte diese Zahl weiter steigen, sofern die Politik keine Gegenmaßnahmen ergreift. Insgesamt lebten im Jahr 2024 rund 19,3 Millionen Menschen der Babyboomer-Generation in Deutschland. Die Analyse liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Zwei Forscherinnen des Instituts drücken darin die Erwartung aus, „dass sich die steigende Inanspruchnahme der Frührente weiter fortsetzt“. Ihrem Bericht zufolge bezogen 2023 erst rund 4,5 Millionen Babyboomer eine Altersrente – davon 0,9 Millionen vorzeitig, also vor der Regelaltersgrenze. Ein Jahr später hat demnach der Geburtsjahrgang 1958 das Renteneintrittsalter erreicht, entsprechend erhöhten sich die Zahlen (inklusive Altersrenten für Schwerbehinderte).

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Das IW erinnert an die Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre bis 2031 – und an das Ziel, dass das durchschnittliche Zugangsalter in die Rente damit steigen soll. 2024 stieg die Regelgrenze auf 66 Jahre. Sie lag damit laut IW zwölf Monate höher als zu Beginn der Anhebung 2012. „Das durchschnittliche Zugangsalter in die Rente erhöhte sich im gleichen Zeitraum jedoch lediglich um acht Monate“, so die Expertinnen. Als Grund für die Lücke machen sie die „Möglichkeiten des vorzeitigen Renteneintritts“ aus.

Das arbeitgebernahe Institut kommt zu dem Schluss: „Die Frührenten laufen dem ursprünglichen Ziel der Politik entgegen, mit der Anhebung der Regelaltersgrenze die Lebensarbeitszeit zu verlängern.“

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Deshalb lobt das IW die Vorschläge der Rentenkommission der Regierung. Zu den Empfehlungen zählt unter anderem, die Möglichkeit zum abschlagsfreien, vorzeitigen Renteneintritt zu streichen. Das IW bezeichnete diese Pläne als „zentral, um das durchschnittliche Rentenzugangsalter zu erhöhen“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatten eine Umsetzung sämtlicher Kommissionsempfehlungen angekündigt, Gewerkschaften haben mit Widerstand gedroht.

Das IW mahnt: „Wichtig ist, die Elemente zeitnah umzusetzen, um möglichst viele Babyboomer länger im Arbeitsmarkt zu halten und zu verhindern, dass die Wirkung durch Ausnahmen wieder abgeschwächt wird.“

lth/dpa