Am vergangenen Samstag läuft eine E-Mail in das Postfach des Bochumer Politikwissenschaftlers Ismail Küpeli ein. Der Inhalt alarmiert den 47-Jährigen. Es ist eine Morddrohung, vermutlich von einem türkischen Rechtsextremisten. Küpeli ist Anfeindungen gewohnt. Diese Mail aber ist von einer anderen Qualität: Er weiß: „Das muss ich ernst nehmen.“
Küpeli beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus, in Deutschland, aber auch in der Türkei. In seinen Büchern und wissenschaftlichen Aufsätzen und auf Vorträgen beschäftigt sich der Politikwissenschaftler von der Ruhr-Universität in Bochum mit der extremen türkischen Rechten, der Kurdenfrage oder dem Genozid an den Armeniern.
Küpeli forscht zu türkischem Rechtsextremismus
Sein jüngstes Buch trägt den Titel: „Graue Wölfe. Türkischer Rechtsextremismus in Deutschland.“ Die „Grauen Wölfe“ werden vom Verfassungsschutz beobachtet und gelten als eine der größten rechtsextremen Organisationen in Deutschland.
Ich bekomme immer wieder Hassnachrichten
Ismail Küpeli, Politikwissenschaftler
Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit eckt Küpeli immer wieder insbesondere bei türkischen Nationalisten an. „Ich bekomme immer wieder Hassnachrichten.“ Regelmäßig werde er unter Druck gesetzt, der Lüge bezichtigt oder erhalte Ankündigungen, dass man juristisch gegen ihn vorgehen werde.
Glasklare Morddrohungen sind aber selten: „Ich weiß, welchem Park und wo du Kaffee trinkst. Pass auf, dass ich deine Leiche nicht auf den deutschen Straßen ausbreite“, schreibt der Absender der Mail, die am Samstag in Küpelis Postfach landete, auf Türkisch. In der Mail-Adresse des Absenders ist ein Name zu lesen, der Küpeli bereits vor einigen Jahren begegnet ist.
Küpeli will nicht klein bei geben: „Bin nicht völlig verängstigt“
Bereits vor vier Jahren bedrohte ein „Tayfun Karakol“ verschiedene Politiker, Aktivisten, Autoren – und Ismail Küpeli. Die Zeitung „Welt“ verortete den Mann damals im türkischen Kayseri - und im Umfeld der „Grauen Wölfe“.
Küpeli sagt, er fühle sich durch das Schreiben „nicht völlig eingeschüchtert und verängstigt“. Er nehme es aber ernst. „Das ist eine neue Dimension.“ Er will jetzt mit seinen Anwälten gegen den Verfasser der Mail vorgehen und eine Strafanzeige gegen ihn stellen. Viel Hoffnung darauf, dass die Person juristisch belangt werden könnte, hat er nicht. „Bei früheren Anzeigen hieß es, die Drohungen seien nicht konkret genug oder der Absender nicht auffindbar.“
Klein beigeben will der Politikwissenschaftler nicht. Seine geplanten Vorträge sollen vorerst weiter stattfinden. Sie werden ohnehin geschützt, entweder durch Sicherheitsteams, die die Veranstalter stellen oder durch Polizisten. Eventuell dürften Menschen jetzt aber nur nach vorheriger Anmeldung kommen.



