Es hätte so schön sein können und es hätte uns allen so gutgetan: Ein heiteres Fußball-Sommermärchen 2.0 als kleine Ablenkung von politischer Depression, Klimakrise, Job-Abbau, Wirtschaftsflaute, Trumps Zöllen, Putins Krieg, Benzinwucher, den irren Mullahs und überhaupt zu allem, was einen derzeit runterziehen kann.
Aber das Sommermärchen 2026 bleibt aus. Die Märchenlieferanten sind in der Krise. Nationaltrainer Julian Nagelsmann hat weder eine Siegermannschaft noch einen Titel gebracht. Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Koalition bringen keine politische Aufbruchsstimmung. Die Wirtschaft jammert und die Gewerkschaften klagen. Es gibt nicht einmal einen Gute-Laune-Sommerhit, dafür einen drittletzten Platz beim Eurovision Song Contest. Das Wetter mit über 40 Grad und Rekordtemperaturen macht es auch nicht besser.
Woher soll jetzt bitte die gute Stimmung kommen, ohne die wir die Mühsal des Alltags so schwer ertragen?

Dazu gibt es nur eine Antwort: Wir müssen diese gute Stimmung selbst erzeugen. Der wahre Charakter zeigt sich immer in der Niederlage, nie im Sieg. Daher müssen wir in Deutschland zwischen schlecht gelaunten Verlierern, überforderten Politikern und Weltuntergangspropheten bewusst positiv denken und für die vielen kleinen Erfolge sorgen, die in Summe das Land erfolgreich machen. Jeder kann sein eigener „Mini-Weltmeister“ werden – im Job, in der eigenen Firma, im Ehrenamt, in der Familie, in der Umwelt. Jetzt erst recht.
Das klingt anstrengend, und das ist es auch. Aber es ist allemal besser, als auf Märchen zu warten, die es längst nicht mehr gibt.



