Donald Trump hat es gern groß. Auch dieser Gesundheitsbericht passt in das Format, in dem der 79-Jährige sich selbst am liebsten sieht: robust, unverwüstlich, allen Zweifeln überlegen. Nach der jüngsten Untersuchung im Walter Reed National Military Medical Center vor den Toren Washingtons, der dritten seit Amtsantritt II im Januar 2025, bescheinigt ihm sein Leibarzt Dr. Sean Barbabella jetzt „ausgezeichnete Gesundheit“. Trump sei, heißt es in dem Bulletin bilanzierend, „voll und ganz in der Lage“, die Aufgaben des Oberbefehlshabers und Staatsoberhaupts wahrzunehmen.
Die Botschaft ist politisch mindestens so wichtig wie medizinisch. Trump wird in zwei Wochen 80 Jahre alt. Er ist der älteste Mann, der je als US-Präsident vereidigt wurde. Seit Monaten mehren sich Fragen nach seiner körperlichen und geistigen Amtsfähigkeit: sichtbare Blutergüsse auf dem Handrücken, geschwollene Knöchel, ein zeitweise fleckiger Hals, dazu Auftritte, bei denen er während Pressekonferenzen oder Sitzungen häufig müde wirkt, abwesend ist oder sogar kurz einschläft.
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Das Weiße Haus weist solche Beobachtungen zurück. Der neue Bericht soll nun quasi das Gegengift sein: Laborwerte, Bildgebung, Spezialisten, Normalbefunde; ein medizinischer Schutzwall gegen politische Zweifel.
Trumps Gesundheitscheck: Fachärzte bestätigen gute Werte
Nach Angaben Barbabellas wurde Trump am 26. Mai umfassend über mehrere Stunden untersucht. Beteiligt gewesen seien 22 Fachärzte verschiedener akademischer Einrichtungen. Geprüft worden seien die im Vorjahr erhobenen Diagnosen und Labordaten. Außerdem seien die Vorsorgeuntersuchungen nach Empfehlungen der U.S. Preventive Services Task Force erfolgt. Das Weiße Haus veröffentlichte zentrale Ergebnisse.
Die harten Zahlen wirken auf den ersten Blick tatsächlich günstig. Trump ist laut Bulletin 1,90 Meter groß und wiegt 108 Kilogramm. Das entspricht ungefähr 238 Pfund und einem Body-Mass-Index knapp unter der Fettleibigkeits-Schwelle. Allein, er hat seit der vorherigen Untersuchung 14 Pfund zugenommen. Der Blutdruck liegt bei 105 zu 71, der Ruhepuls bei 73, die Sauerstoffsättigung bei 98 Prozent. Nüchternzucker: 83,2. Der Langzeitblutzucker HbA1c: 5,3. Beides unauffällig. Nieren-, Leber-, Schilddrüsen- und Prostatawerte liegen ebenfalls im Normbereich.
An einer Stelle heißt es: „Es wurde eine präventive Beratung durchgeführt, einschließlich Anleitungen zur Ernährung, der Empfehlung zur Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin, erhöhter körperlicher Aktivität und weiterer Gewichtsabnahme.”
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Trump: Herzuntersuchung zeigt keine Auffälligkeiten und gutes „Herzalter“
Besonders betont der Bericht das Herz. Eine koronare CT-Angiographie habe keine Verengungen der Arterien und keine strukturellen Auffälligkeiten am Herzen oder an den großen Gefäßen gezeigt. Echokardiogramm, Herzkammern, Klappen und Auswurfleistung seien normal. Der ProBNP-Wert, ein Marker für Herzbelastung, liegt mit 56 deutlich unter der angegebenen Obergrenze von 450. Auch das hochsensitive CRP, ein Entzündungsmarker, ist mit 1,05 im Normbereich.
Barbabella schreibt zudem, eine KI-gestützte EKG-Auswertung habe ein biologisches „Herzalter“ ergeben, das etwa 14 Jahre unter Trumps tatsächlichem Alter liege. Politisch übersetzt: Das Weiße Haus will den fast 80-Jährigen nicht als alten Mann verstanden wissen, sondern als Präsidenten mit dem Herzen eines 65-Jährigen.
Auch die Blutfette sind auffallend gut. Gesamtcholesterin 143, LDL 53, HDL 70, Triglyceride 104. Allerdings ist das kein Naturwunder, sondern offenbar auch Ergebnis medikamentöser Behandlung. Trump nimmt Rosuvastatin und Ezetimib zur Cholesterinkontrolle sowie Aspirin zur Herzprävention.
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Trumps Blutergüsse: Aspirin und Händeschütteln als Ursache
Hier berührt der Bericht eine der sichtbaren Schwachstellen: die dunklen Flecken auf Trumps Handrücken. Barbabella beschreibt sie als Ekchymosen, also Blutergüsse, vereinbar mit leichter Weichteilreizung durch häufiges Händeschütteln vor dem Hintergrund der Aspirin-Einnahme. Das sei eine häufige und gutartige Nebenwirkung. Frühere Berichte hatten bereits darauf hingewiesen, dass das Weiße Haus die Handblutergüsse mit Aspirin und Händeschütteln erklärte; Trump selbst sprach öffentlich von Aspirin gegen „dickes Blut“.

Die zweite sichtbare Auffälligkeit sind die Beine. Im Bulletin heißt es, an den Unterschenkeln sei eine leichte Schwellung festgestellt worden, sie habe sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Das ist bemerkenswert, weil das Weiße Haus Trump im Juli 2025 nach Untersuchungen wegen geschwollener Beine eine chronische venöse Insuffizienz bescheinigt hatte – eine bei älteren Menschen häufige, meist gutartige Durchblutungsstörung der Beinvenen. Sie kann zu Flüssigkeitseinlagerungen und Schwellungen führen.
Kognitiver Test: Trump erreicht erneut Bestwert im MoCA-Test
Neurologisch fällt der Bericht ebenfalls positiv für den Probanden aus. Barbabella nennt den mentalen Status normal, Hirnnerven, Kraft, Sensibilität, Reflexe, Gang und Gleichgewicht intakt. Trump habe zudem Fragebögen zu Depressionen und Angststörungen ausgefüllt – PHQ-9 und GAD-7 – mit normalen Ergebnissen. Beim „Montreal Cognitive Assessment”, einem Kurztest zur Erkennung kognitiver Auffälligkeiten, habe er 30 von 30 Punkten erreicht. Das ist der Maximalwert. Trump, so ein Blick in frühere Tests, hatte diesen Wert schon in früheren Jahren erreicht.
Aber: Ein MoCA-Test ist kein umfassendes Gutachten über Urteilsfähigkeit, Impulskontrolle, Belastbarkeit in Krisen oder die Qualität präsidialer Entscheidungsprozesse. Er prüft Orientierung, Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und einfache Exekutivfunktionen. Ein perfektes Ergebnis ist gut – aber es beantwortet nicht alle Fragen, die sich bei einem fast 80 Jahre alten Amtsinhaber stellen, der regelmäßig stundenlange öffentliche Auftritte absolviert, spontane Entscheidungen trifft und die nukleare Befehlskette anführt.
Auch die wiederholt beobachteten Einschlafmomente oder Phasen sichtbarer Müdigkeit werden im Bulletin nicht ausdrücklich behandelt. Es gibt keine Angaben zu Schlafqualität, Schlafapnoe, Medikamentennebenwirkungen, Tagesmüdigkeit oder einer unabhängigen neuropsychologischen Langzeituntersuchung. Ebenso fehlen nähere Erklärungen zu der in Medienberichten erwähnten Hautrötung am Hals. US-Medien berichteten, Dr. Barbabella habe dafür zuvor eine vorbeugende Hautcreme genannt, aber keine Details zur behandelten Erkrankung mitgeteilt.
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Trump-Gesundheit: Bulletin liefert gute Werte, wirft aber Fragen auf
Der Bericht ist detaillierter als viele frühere Präsidentenbulletins, aber er bleibt ein vom Weißen Haus gesteuerter Auszug, kein vollständiger, von unabhängigen Experten bestätigter medizinischer Datensatz. Er nennt Normalwerte, gute Befunde und eine abschließende Eignungsformel. Er erklärt Handflecken und Beinschwellung, aber nicht alle Beobachtungen, die Millionen Amerikaner beunruhigen. Er attestiert kognitive Normalität, aber nicht die politische und mentale Gesamtbelastbarkeit, die Wähler bei einem Präsidenten dieses Alters zunehmend hinterfragen, wie diverse Umfragen zuletzt eindeutig belegt haben.
Für Trump ist das Bulletin dennoch ein willkommener Befreiungsschlag. Es liefert seiner Kommunikationsmaschine klare Sätze: ausgezeichnete Gesundheit, starkes Herz, normale Lunge, normale Neurologie, volle Amtsfähigkeit. Für seine Gegner bleibt es ein Dokument mit Auslassungen. In Washington gilt deshalb auch nach Walter Reed: Medizinisch hat Trump gute Werte. Politisch ist der Befund nicht abgeschlossen.











