Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, geht davon aus, dass Russland die Nato spätestens im Jahr 2029 militärisch testen könnte – möglicherweise sogar früher. In einem Interview gemeinsam mit seinem britischen Amtskollegen Air Chief Marshal Sir Richard Knighton sagte Breuer der „Süddeutschen Zeitung“: „Könnte es früher passieren? Ja. Deshalb brauchen wir erstens eine Fight-Tonight-Fähigkeit, zweitens gesteigerte Kapazitäten bis 2029 und drittens technologische Überlegenheit bis 2025 und darüber hinaus.“

Der Chef der Royal Air Force führte mit Blick auf den Zeitpunkt eines möglichen Angriffs aus: „Das genaue Datum ist immer schwer vorherzusagen. Aber der Trend ist eindeutig: Die Bedrohung wächst. Russland kämpft in der Ukraine, lernt dabei, entwickelt neue Technologien.“ Und Putin habe seinen Willen bewiesen, sagte Knighton weiter, souveräne Staaten anzugreifen. Je näher man an der russischen Grenze sei, desto stärker spüre man das.

Auch interessant

Bundeswehr-General Carsten Breuer: Russland könnte Nato vor 2029 militärisch testen

Um wehrhaft zu sein, braucht Deutschland nach Ansicht von Generalinspekteur Breuer nicht nur die Bundeswehr. Wichtig sei auch gesellschaftliche Resilienz, damit die Gesellschaft nicht gespalten werde, sondern Schulter an Schulter zusammenstehe, sagte er auf dem 104. Katholikentag in Würzburg am vergangenen Freitag. 

242452_569_242452_cover.jpg
Terminator-Mythen im Drohnenkrieg: Landroboter und KI in der Ukraine
Im Krisenmodus
 

Er betonte mit Blick auf Russland: „Die Bedrohung ist real.“ 2029 sei das entscheidende Jahr. Das bedeute nicht, dass Russland in diesem Jahr einen Angriff auf den Westen starte. Aber man könne anhand der Analysen ablesen, dass Russland dann einen Krieg führen könnte. Als Soldat müsse er dieses Worst-Case-Szenario im Blick haben. Der Generalinspekteur ist der höchste militärische Repräsentant der Bundeswehr.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Carsten Breuer machten die Einschätzung zu einem möglichen Angriffszeitpunkt im Jahr 2024 öffentlich, danach wurde die Jahreszahl 2029 in Berichten und politischen Debatten immer wieder aufgegriffen. 

les/dpa