Friedrich Merz hat eine unruhige Woche hinter sich. Erst erntete der Kanzler beim DGB-Bundeskongress Buhrufe und Pfiffe. Jetzt kam es beim Katholikentag in Würzburg zu ähnlichen Szenen. Zwischenrufer störten minutenlang eine Podiumsdiskussion, an der Merz teilnahm. Zwei unterschiedliche Kulissen – und ein gemeinsames Signal: Die Unzufriedenheit wächst. Laut einer aktuellen Umfrage spricht sich jeder zweite Deutsche dafür aus, die schwarz-rote Koalition vorzeitig zu beenden.

In Würzburg diskutierte Merz am Freitag unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten“ mit Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, und Lisa Quarch vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Die Jugendvertreter forderten den Kanzler auf, junge Menschen stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen und sie nicht als faul zu bezeichnen.

„In meiner Partei hat noch niemand gesagt, dass die Menschen in Deutschland faul sind“, entgegnete Merz. Und räumte ein: „Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss.“ Einige Zwischenrufer machten mit Protestplakaten ihren Unmut deutlich. Sicherheitskräfte zogen eine Frau aus dem Saal, eine weitere Aktivistin folgte freiwillig.

104. Deutscher Katholikentag
Aktivistinnen stören die Podiumsdiskussion mit Bundeskanzler Merz beim 104. Deutschen Katholikentag. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Wieder unverhohlene Kritik an den USA

Für Aufhorchen sorgte auch eine Aussage des Kanzlers zur Lage in den USA. „Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas. Meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu.“ Er würde seinen Kindern „heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten“, sagte Merz.

Dabei verwies er auch auf die Berufs- und Karrierechancen. „Die Frage, was gut ausgebildete junge Menschen erreichen können, die ist bis vor Jahr und Tag in Amerika noch ganz anders beantwortet worden als heute.“ Heute hätten „die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten, einen Job zu finden“.

Solch offene Kritik an der Trump-Regierung hatte Merz zuletzt einigen Ärger eingebracht. Aussagen zur Planlosigkeit des Weißen Hauses im Krieg gegen den Iran hatten den US-Präsidenten massiv verärgert. In der Folge verkündete das Pentagon einen Teilabzug von G. I.s aus Bayern. Auch soll die Stationierung von Mittelstreckenraketen gestoppt werden.

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Applaus für Merz beim Thema Klimaschutz

Großen Applaus gab es vor allem für Forderungen nach mehr Klimaschutz. Auf die Frage, ob Merz den Mut habe, Deutschland zum Vorreiter beim Klimaschutz zu machen, antwortete er: „Ja, mit Technologie und nicht mit Verboten.“ Ziel müsse es sein, ausgestoßenes Kohlendioxid wieder einzufangen, zu speichern und wiederzuverwerten. Wenn Deutschland mit diesen Technologien führend sei, könne der Wohlstand im Land gesichert werden.

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Vor dem Congress Centrum wurde der Besuch des Kanzlers von Protesten begleitet. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 600 Demonstrierende zu einer Kundgebung. Das „Offene Antifaschistische Treffen“ hatte dazu aufgerufen. Der Vorwurf der Organisatoren: Merz ignoriere die Anliegen junger Menschen in Deutschland. An der Protestaktion beteiligten sich unter anderem Ortsgruppen von Fridays for Future und der Seebrücke.

pau mit Agenturen