Kevin Warsh (56) hat den geschliffenen Look eines Hollywood-Stars, ist mit der Erbin des Estée-Lauder-Kosmetik-Imperiums verheiratet und wird der wohlhabendste Notenbanker in der Geschichte sein. Alles Attribute, die US-Präsident Donald Trump imponieren. Für Trump zählt aber nur eines: Wird sich der neue US-Notenbankchef seinem Druck beugen und trotz der hohen Inflation den Geldhahn weiter aufdrehen?

Als er Warsh für den Top-Job bei der Notenbank ernannte, strahlte der Präsident übers ganze Gesicht. Der Mann sehe doch aus wie ein Schauspieler, schwärmte Trump über dessen dichten, dunklen Haarschopf und die auffallende Gesichtsbräune. Warsh sei „central casting“, wie Trump meinte. Das heißt in etwa „ein Mann, der in eine Hauptrolle gehört“. Oder eben in eine der mächtigsten Positionen, die der Präsident zu vergeben hat.

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Trump setzt auf Warsh: Zinssenkungen wichtiger als Inflation

Wichtig ist für Trump auch, dass das Privatvermögen seines neuen Zentralbankpräsidenten auf 160 Millionen Dollar geschätzt wird. Noch besser, dass seine Gattin Jane Lauder, Tochter von Estée Lauder, Milliardärin ist. Im Tagesgeschäft des Mannes, der künftig die amerikanische Geldpolitik steuern wird, ist dem Präsidenten aber etwas anderes noch wichtiger: dass Warsh die Zinsen senkt. Und zwar egal, wie hoch die Preise sind.

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Für Verwirrung könnte höchstens eine Nachricht sorgen, die drei Tage vor Warshs Amtsantritt wie eine Bombe einschlug: Die US-Verbraucherpreise stiegen im April um 3,8 Prozent. Benzin, Lebensmittel, Mieten – alles wird teurer. Das ist größtenteils ein direkter Auswuchs von Trumps Krieg im Iran. Und vor seinem Reiseantritt zum Gipfel in Peking gab sich der Präsident eine seltene Blöße. Danach gefragt, ob die hohen Preise und die finanziellen Sorgen der Wähler ihn motivieren würden, ein baldiges Kriegsende herbeizuführen, antwortete er: „Deren finanziellen Probleme interessieren mich überhaupt nicht, ich denke an keinen anderen.“ Wichtig sei nur, dass der Iran keine Atomwaffen besitzt, betonte Trump. 

Trump versteht nichts von Wirtschaft

Der Fauxpas machte Furore. Doch er illustriert eine wichtige Realität: dass die Probleme der breiten Öffentlichkeit den Präsidenten tatsächlich nicht scheren. Auch dass er von der Wirtschaft nichts versteht. Denn er drängt die Notenbank – die Federal Reserve (Fed) – seit Monaten, die Zinsen weiter zu senken, damit die Wirtschaft stärker wächst. Dies, obwohl billigeres Geld die Inflation anheizt und das finanzielle Dilemma seiner Landsleute verschärfen würde. Lange Zeit hatte er den scheidenden Notenbankpräsidenten Jerome Powell getriezt.

Trump nannte den Mann, den er 2017 selbst ernannt hatte, „dumm“. Er beschimpfte den angesehenen Banker als „Idioten“, der von Geldpolitik nichts verstehe. „Ich könnte das besser machen als er“, mokierte sich der Präsident über den obersten Währungshüter. Powell aber blieb cool. Er steckte Trumps wütende Tiraden mit Gelassenheit weg. Stattdessen trat er bis zum Ende seiner Amtszeit energisch für die politische Unabhängigkeit der Fed ein.

Gibt Warsh dem Druck nach?

Die Preisfrage lautet nun: Wird Warsh dem Druck seitens des Weißen Hauses nachgeben? Wird er, wie einige Demokraten dies befürchten, Trumps Marionette sein, die sich in die lange Riege von Handlangern einreiht, mit denen sich der Präsident umgeben hat? Fest steht, dass der New Yorker Finanzier bei seiner Bestätigungsanhörung im Kongress eine gute Figur abgegeben hat.

Auch sind seine Qualifikationen unstrittig. Von 2006 bis 2011 saß der Banker bereits im Vorstand der Fed. Damals war der Senkrechtstarter mit 35 Jahren das jüngste Direktoriumsmitglied in der Geschichte. Wegen seiner Erfahrung an der Wall Street agierte Warsh während der globalen Finanzkrise als erfolgreicher Vermittler zwischen der Zentralbank und den angeschlagenen Privatbanken, die auf einen staatlichen Rettungsanker angewiesen waren.  

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Mitte Juni wird sich zeigen, wo Warsh steht

Fast drei Stunden lang parierte er letzte Woche die oft kritischen Fragen demokratischer Mitglieder des Bankenausschusses im Senat. Mit einem klaren Konter reagierte Warsh auf deren wichtigsten Einwand: Es komme gar nicht infrage, dass er Trumps „Strumpfpuppe“ sein werde, versicherte der Jurist. Zu keinem Zeitpunkt habe der Präsident ihn unter Druck gesetzt, den Leitzins zu senken. „Er hat weder Zinssenkungen verlangt noch danach gefragt.“ Auch habe Trump seine Nominierung nicht davon abhängig gemacht, dass er den Empfehlungen des Präsidenten folgt. 

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Zugestimmt hätte er einer solchen Forderung ohnehin nicht, fügte Warsh hinzu. Gleichwohl hat er ein Problem. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, hat nämlich Trump seinen Notenbankchef bei einem 45-minütigen Treffen im Weißen Haus unumwunden gefragt: „Kann ich mich darauf verlassen, dass du Zinssenkungen unterstützt, wenn du Vorsitzender der Federal Reserve wirst?“ In einem späteren Interview bestätigte Trump den Bericht. „Warsh meint, dass die Zinsen niedriger sein müssen. Das denkt übrigens auch jeder andere, mit dem ich geredet habe“, betonte der Präsident. 

Ob auch Warsh, wie Powell es tat, die politische Unabhängigkeit der Notenbank verteidigen oder nach Trumps Pfeife tanzen wird, das wird sich in einem Monat zeigen. Mitte Juni tritt der sogenannte Offenmarktausschuss, das Entscheidungsgremium der Federal Reserve, wieder zusammen. Dass die Inflation bis dann niedriger sein wird und den Weg für Zinssenkungen frei macht, ist unwahrscheinlich. Bleibt Warsh souverän und weigert er sich, den Geldhahn aufzudrehen, dann könnte er, wie auch sein Vorgänger Powell, schon bald mit dem Präsidenten auf Kriegsfuß stehen.