Sie ist Bergsteigerin, Journalistin, Buchautorin. Sie studierte Physik und arbeitete als Ingenieurin. Vor allem aber ist Narges Mohammadi die Ikone der iranischen Frauen- und Freiheitsbewegung – und wird seit ihrer Studienzeit immer wieder verhaftet. Mehr als zehn Jahre saß die 54-Jährige im Gefängnis, ging in Hungerstreiks, nahm in Kauf, dass sie Mann und Kinder nicht sehen konnte. Für ihren unermüdlichen Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen im Iran sowie ihren Einsatz für Menschenrechte und Freiheit bekam sie im Jahr 2023 den Friedensnobelpreis.
Und nun, mitten im Krieg, den die USA und Israel gegen die Islamische Republik führen, verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand immer mehr. „Wir machen uns große Sorgen um ihr Leben“, sagt die deutsche Menschenrechtsaktivistin Mariam Claren dieser Redaktion. Sie kennt Mohammadi gut und war dabei, als deren 17-jährige Zwillinge, die ihre Mutter seit ihrem achten Lebensjahr nicht mehr gesehen haben, in Oslo den Friedensnobelpreis entgegennahmen.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Clarens Mutter Nahid Taghavi, eine deutsch-iranische Architektin, teilte jahrelang die Zelle mit der Friedensnobelpreisträgerin im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis, bis sie im Januar 2025 freikam.
Im Iran ist eine Hinrichtungswelle im Gange
„Narges hat seit längerer Zeit Herzprobleme und eine verstopfte Arterie im Oberschenkel“, sagt Claren. Im Dezember 2024 durfte sie deswegen vorübergehend das Evin-Gefängnis verlassen. „Dann wurde sie in der Stadt Maschhad erneut brutal festgenommen – während einer Trauerfeier. Ein Rechtsanwalt war unter mysteriösen Umständen gestorben“, erzählt Claren, die für die NGO Hawar help arbeitet. Zuletzt habe sie in einem Gefängnis in der Provinz Zandschan gesessen und dort einen Herzinfarkt erlitten.
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Große Sorgen macht sich auch der Grünen-Politiker Omid Nouripour. Nach ihrem Herzinfarkt seien mehrere Monate vergangen, „bis sie überhaupt vom Gefängnis in ein Krankenhaus gebracht wurde“, sagt der Bundestagsvizepräsident, der im Iran aufwuchs und nach wie vor viele Kontakte ins Land hat, dieser Redaktion. Dass sie inzwischen nach einer hohen Kaution in eine Teheraner Klinik verlegt wurde, sei ein Lichtblick. „Ich hoffe, dass sich ihr Zustand bald stabilisiert“, so Nouripour. Denn Mohammadi stehe für eine Freiheitsbewegung, die gerade massiv im Sturm der Geopolitik unter die Räder komme.
Tatsächlich sitzen überall im Land Männer und Frauen ein, weil sie gegen das Mullah-Regime demonstrierten, gegen die Unterdrückung der Frauen kämpfen und sich nicht länger von den Revolutionsgarden terrorisieren lassen wollen.
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Doch während sich die Welt um steigende Benzinpreise und unterbrochene Lieferketten durch die Seeblockade in der Straße von Hormus sorgt, während die Angst vor einer weiteren Inflation wächst, ist die Lage der Menschen im Iran, vor allem die der politischen Gefangenen, eine Blackbox. Seit 70 Tagen ist das Internet gesperrt, nur vereinzelt dringen ungefilterte Nachrichten über gehackte VPN-Zugänge aus dem Land – und die sind alles andere als beruhigend.
Nouripour wirft Bundesregierung „ohrenbetäubendes Schweigen“ vor
So werden täglich politische Gefangene hingerichtet, zuletzt Erfan Shakourzadeh, ein 29-jähriger Student der Luft- und Raumfahrttechnik, der im Februar 2025 wegen angeblicher Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten verhaftet worden war, so eine Mitteilung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM). Vielen weiteren unschuldigen Iranerinnen und Iranern drohe ebenfalls die Hinrichtung, teilte IGfM-Sprecher Valerio Krüger mit. Etwa die Cousins Peyvand Naimi und Borna Naimi, die der religiösen Minderheit der Baha’i angehören.

Omid Nouripour spricht von einer regelrechten Hinrichtungswelle: „Alle, die aus politischen Gründen inhaftiert sind, sind massiv bedroht“, sagt er und wirft den europäischen Staaten und auch der deutschen Bundesregierung „ohrenbetäubendes Schweigen“ vor. „Wenn die einzigen hörbaren Stimmen, die zur Situation der Nobelpreisträgerin etwas sagen, aus dem Nobelpreiskomitee oder der amerikanischen Regierung kommen, ist das schlichtweg nicht ausreichend“, so Nouripour. Denn der einzige Schutz, den Menschen in einer solch gefährlichen Haftsituation haben, sei Aufmerksamkeit.
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Darauf hofft auch Mariam Claren. Sie erzählt von der innigen Beziehung, die ihre Mutter zu Mohammadi hat. Während ihrer gemeinsamen Haft hätten sie drei Jahre lang im Bett nebeneinander geschlafen. „Das macht was mit einem.“
Sollte sich der Gesundheitszustand von Narges Mohammadi trotz ihrer Verlegung in eine Teheraner Klinik nicht bessern, sollte sie gar sterben, befürchtet Claren, dass nach einer kurzen Aufmerksamkeit die Lage der politischen Gefangenen erneut „im toten Winkel landet“, sobald es zum Iran-Krieg eine neue Nachrichtenlage gebe.

„Narges Mohammadi strahlt eine positive Wut aus“
Gerade in diesen Kriegstagen fehle die Stimme der Friedensnobelpreisträgerin „so sehr“, sagt Claren. Wenn sie frei und gesund wäre – „sie würde über alles sprechen“. Narges Mohammadi strahle eine positive Wut aus, mit einer Stärke, „die das Regime bloßstellt“. Sie habe ihre Mutter gefragt, warum sie so sei. „Mariam, das kommt aus ihrem tiefsten Inneren“, habe ihr ihre Mutter erklärt. „Wir haben immer im Evin-Gefängnis gelitten, wenn wir von einer Hinrichtung hörten. Aber der Schmerz im Gesicht von Narges, der war anders.“ Als die Mutter vor gut einem Jahr freikam, war es Narges Mohammadi, die Tochter Mariam Claren informierte. „Deine Mutter kommt jetzt“, habe sie gesagt und dann hinzugefügt: „Wir sehen uns alle in einem freien Iran und trinken Cappuccino.“








