Donald Trump nennt es „Project Freedom“. Schon der Name klingt wie ein Kinotrailer. Seit Montag sollen die USA Öltankern und Frachtschiffen helfen, die im Persischen Golf festsitzen und die vom Iran kontrollierte Seestraße von Hormus nicht passieren können, was die Ölpreise weltweit explodieren lässt. Trump schrieb, man werde die Schiffe „sicher aus diesen eingeschränkten Gewässern herausführen“, damit sie „frei und ordentlich ihren Geschäften nachgehen“ könnten. Der US-Präsident sprach von einer „humanitären Geste“ – und fügte gleich die Drohung hinzu: Jede Störung werde „mit Gewalt behandelt werden müssen“.
Genau hier beginnt die Irritation. Trumps Ankündigung klang zunächst wie ein klassisches Eskortenmodell: US-Kriegsschiffe vorne, Tanker dahinter, Iran im Visier. Genau das hatte das Pentagon bisher stets vehement abgelehnt – aus Sorge vor iranischen Raketenangriffen und Unterwasserminen.
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Darum war es keine große Überraschung, als das für den Iran-Krieg zuständige Zentralkommando in Florida die Aussagen des Präsidenten umgehend einkassierte. Dort sprach man nicht von Konvois, sondern von Unterstützung für Handelsschiffe mittels einer neuen Struktur zur „Koordinierung und zum Informationsaustausch“ unter internationalen Partnern. Ein US-Vertreter sagte ausdrücklich, „Project Freedom“ sei kein aktiver Begleitschutz, sondern eher ein digitaler amerikanischer Schutzschirm.
Andere US-Beamte ließen durchblicken, Navy-Schiffe würden in der Nähe operieren und bei iranischen Angriffen gegebenenfalls reagieren, aber nicht zwingend jedes Schiff begleiten. Offiziell sollen Lenkwaffenzerstörer, über 100 land- und seegestützte Flugzeuge, multifunktionale unbemannte Plattformen sowie 15.000 Soldaten für „Project Freedom” abgestellt werden, so das Zentralkommando.

Iran warnt: US-Schiffe werden sofort angegriffen
Das ist mehr als Wortklauberei. Eine Eskorte wäre eine bewusste Herausforderung Teherans. Iran beansprucht derzeit die Kontrolle über die Passage und verlangt, dass Schiffe ihre Durchfahrt mit iranischen Streitkräften koordinieren. General Ali Abdollahi warnte: „Jede ausländische bewaffnete Kraft, besonders die aggressive US-Armee, wird angegriffen, wenn sie sich der Straße von Hormus nähert oder in sie eindringen will.“
Was also ist da los? Wahrscheinlich zweierlei zugleich: Trump braucht innenpolitisch dringend Bewegung in Hormus, weil Benzinpreise und Lieferketten längst zu für ihn bedrohlichen Wahlkampfthemen geworden sind. Zugleich weiß das Pentagon, dass ein echtes Konvoi-Modell schnell zur Schussprobe werden könnte.

Oder will Trump genau das: den Iran provozieren, um in Kürze einen großen Angriff zu rechtfertigen? Belegt ist das nicht. Aber die Versuchung ist erkennbar. Ein iranischer Schuss auf ein US-Schiff oder ein von Washington „geführtes“ Handelsschiff wäre der Vorwand, den Hardliner in Washington seit Wochen erwarten.
Im Moment ist „Project Freedom“ also weder Frieden noch Krieg. Es ist eine riskante Grauzone. Trump will Stärke zeigen, Iran will Würde und Kontrolle behaupten. Die US-Marine will vermeiden, dass aus einem Navigationsplan ein Kriegsgrund wird. In der Straße von Hormus reicht aber ein falsch verstandenes Manöver, um einen Flächenbrand auszulösen.



