Es ist eine wichtige Nachricht für gegenwärtige und künftige Studenten – und ihre Familien gleich mit: Die schwarz-rote Bundesregierung ist nach monatelangem Hickhack endlich so weit, die angekündigte BAföG-Reform auf den Weg bringen zu können. Berechtigte Studenten sollen bereits ab diesem Herbst mehr Geld bekommen. Das Problem dabei: Besonders beim Wohnen wird der Zuschlag oft nicht ausreichen, um stark gestiegene Kosten auszugleichen. Ein Überblick.

Was hat die Koalition beim BAföG genau beschlossen?

Union und SPD wollen das BAföG grundlegend modernisieren. Zuletzt stritten die zuständige Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) aber darüber, wie das bezahlt werden soll. Im Zuge der Haushaltsaufstellung konnte der Konflikt beigelegt werden. Jetzt soll das Gesetzgebungsverfahren beginnen und bis zum Sommer abgeschlossen sein, damit zu Beginn des kommenden Wintersemesters die neuen Regeln greifen können.

Studierende im Hörsaal
Studenten im Hörsaal: Das Leben in Deutschland wird deutlich teurer, Hochschüler sind davon besonders betroffen.© dpa | Jan Woitas

In einem ersten Schritt soll dann die Wohnkostenpauschale für berechtigte Studenten, die nicht bei den Eltern wohnen, von derzeit 380 auf 440 Euro steigen. Es gibt also 60 Euro mehr fürs Wohnen. In den beiden kommenden Jahren will die Koalition dann den sogenannten BAföG-Grundbedarf in zwei Schritten dauerhaft auf das Niveau der staatlichen Grundsicherung anheben.

Derzeit liegt der Grundbedarf für Studierende bei 475 Euro im Monat, die staatliche Grundsicherung für Arbeitsuchende (Bürgergeld) bei 563 Euro. Wichtig: Ob ein Student überhaupt BAföG erhält und wie viel das dann ist, hängt von mehreren Faktoren ab – insbesondere vom Einkommen der Eltern. Die Abkürzung „BAföG“ steht für Bundesausbildungsförderungsgesetz. Der Chef des Deutschen Studierendenwerks, Matthias Anbuhl, sagt, ein besseres BAföG sei überfällig. „Das Budget vieler Studierender ist auf Kante genäht, und diese Naht droht angesichts hoher Mieten und steigender Lebensmittelpreise zu reißen.“

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BAföG: 440 Euro fürs Wohnen – reicht das?

Kommt darauf an, wo man studiert und wie man untergebracht ist. In vielen Fällen reicht der Betrag aber nicht aus. Denn Wohnen insgesamt ist in etlichen Groß- und Hochschulstädten wegen der steigenden Nachfrage in den vergangenen Jahren außerordentlich teuer geworden. Das gilt besonders auch für das studentische Wohnen, etwa in Wohngemeinschaften (WGs) oder kleinen Appartements. Studenten konkurrieren hier mit jungen Berufstätigen, Azubis und Singles. Steigende Energiepreise treiben die Wohnkosten zusätzlich.

Das Moses Mendelssohn Institut ermittelte vor wenigen Wochen, dass ein WG-Zimmer in deutschen Hochschulstädten inklusive Heizung und Nebenkosten im Durchschnitt mit 512 Euro pro Monat zu Buche schlägt – also weit mehr, als BAföG-Beziehern bisher an Wohnkostenpauschale gezahlt wird oder ab Herbst gezahlt werden soll. In die Erhebung flossen alle 89 Hochschulstandorte ein, in denen es mehr als 5000 Studenten gibt.

Freilich liegen die Kosten für WG-Zimmer in vielen wichtigen Hochschulstädten sogar weit über diesem Durchschnittswert: In München etwa werden laut den Experten im Schnitt 800 Euro fällig, in Berlin und Hamburg 650 Euro, in Düsseldorf 630 Euro und in Köln 620. Acht von zehn Studenten in Deutschland sind der Erhebung zufolge in Städten eingeschrieben, in denen die Wohnkostenpauschale in der Regel nicht ausreicht, um ein WG-Zimmer zu finanzieren.

Anderswo aber kommen BAföG-Bezieher beim Wohnen womöglich sogar noch mit einem Plus raus; in einigen Hochschulstädten sind WG-Zimmer im deutschlandweiten Vergleich ausgesprochen günstig. Das gilt etwa für Bielefeld, wo ein Zimmer der Untersuchung zufolge durchschnittlich 375 Euro kostet. Noch billiger geht studentisches Wohnen in Magdeburg (370), Jena (365) und Halle (345). Der günstigste Ort mit Uni ist Chemnitz in Sachsen, wo der Angebotspreis für ein WG-Zimmer laut Moses Mendelssohn Institut durchschnittlich 300 Euro beträgt.

Warum soll die Wohnkostenpauschale jetzt überhaupt auf 440 Euro steigen?

Die 440 Euro sind der Wert, der in der sogenannten „Düsseldorfer Tabelle“ für die Unterkunft eines studierenden Kindes genannt ist. Die Tabelle enthält Richtwerte für die Ermittlung angemessener Unterhaltszahlungen. Familiengerichte und Jugendämter in ganz Deutschland greifen regelmäßig darauf zurück. Die Werte werden jährlich angepasst. Bisher liegt die BAföG-Wohnkostenpauschale unter dem entsprechenden Richtwert, was nicht logisch ist. Das wird jetzt beseitigt. Auch die Pauschale soll künftig jedes Jahr angepasst werden.

Wie viele Personen erhalten überhaupt BAföG in Deutschland?

Im vorvergangenen Jahr – neuere Zahlen liegen bislang nicht vor – bezogen laut Statistischem Bundesamt rund 613.000 Personen monatlich BAföG. Vier Fünftel davon waren Studenten und ein Fünftel Schüler, für die aber andere Regeln gelten. Den Angaben zufolge sank die Zahl der Bezieher auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000. Studenten erhielten im Durchschnitt 657 Euro. Üblicherweise fließt das Geld zur Hälfte als Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss, und zur Hälfte als zinsloses Darlehen, das man nach Ende des Studiums abstottern kann.

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Meine schwerste Entscheidung
 

Nur eine Minderheit der Studierenden bezieht überhaupt BAföG, ihr Anteil liegt im niedrigen zweistelligen Bereich. Selbst Hochschüler ohne wohlhabende Eltern oder eigene Einkünfte bleiben häufig außen vor. Das hat damit zu tun, dass das Antragsverfahren ausgesprochen kompliziert ist und damit abschreckend wirkt. Seit Jahren ist davon die Rede, dass das BAföG digitaler werden soll, was allerdings nur sehr langsam geschieht.