Mitten im Krieg: Die USA ziehen ihren größten Flugzeugträger aus der Region rund um den Persischen Golf ab. Die „USS Gerald R. Ford“ kommt nach Hause – das berichten mehrere US-Medien übereinstimmend. Unklar scheint noch, wann genau die „Ford“ die lange Heimreise zur Naval Station Norfolk, im US-Bundesstaat Virginia, antreten darf. Die Rede ist von Mitte Mai.

Klar ist aber, dass die US-Navy mit dem Abzug des Superträgers einen großen Teil ihrer Schlagkraft gegen den Iran einbüßt. Dabei ist längst nicht ausgemacht, dass die USA in dem Krieg gegen Iran als Sieger vom Feld gehen werden – allem Brustgetrommel aus Washington zum Trotz, halten die Mullahs weiterhin strategische Trümpfe in der Hand.

Die Weltwirtschaft ächzt unter dem zugedrehten Ölhahn in der Straße von Hormus. Teile der Welt steuern wegen der Blockade auf eine mögliche Hungerkrise zu und das Uran des Regimes, entscheidend für den Bau von nuklearen Bomben, ist weiterhin im Land.

USS Gerald R. Ford: Superträger in schlechtem Zustand

Genügend Gründe eigentlich, den Träger im Einsatzgebiet zu belassen – mindestens bis eines der Kriegsziele nachhaltig erreicht ist. Immerhin hat das Pentagon für Ersatz gesorgt, die „USS George Washington“ ist vor wenigen Tagen in der Region eingetroffen. So bleiben auch nach dem Abzug zwei von insgesamt elf US-Flugzeugträgern in der Region.

Dass Washington eines seiner mächtigsten Schwerter wieder einsteckt, zeigt, wie es um den Zustand der „Ford“ bestellt ist. Das Schiff ist seit über 300 Tagen auf See, hat an der Militäroperation gegen das venezolanische Regime teilgenommen und wurde dann ins Mittelmeer verlegt. Von dort nahm der Superträger teil an dem Krieg gegen das Regime in Teheran; zuletzt passierte das Schiff den Suezkanal und setzte seinen Einsatz im Roten Meer fort.

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Am Ende ihrer Kräfte angekommen: die Besatzung der „Ford“. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Das hat Spuren hinterlassen, die US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Mittwoch in einer Kongressanhörung als „Abwägungen im Bereich Einsatzbereitschaft und Wartungszustand“ bezeichnete. Trotz bekannter Probleme hatte Washington nicht auf die Kampfkraft der „Ford“ verzichten wollen.

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Verstopfte Klos, Feuer an Bord – und Spekulationen

Die Mängelliste ist lang. Bekannt ist etwa, dass das Abwassersystem in einigen Bereichen des Schiffs Probleme macht. Täglich kam es an Bord zu Verstopfungen. Kaputte Ventile machten arbeitsintensive Wartungen nötig, die Berichten zufolge bis zu 400.000 US-Dollar kosten – pro Arbeitseinsatz.

In Teilen gingen die Verstopfungen wohl auf die Crew zurück; bei Wartungsarbeiten waren Seile, Socken und andere Gegenstände in den Leitungen entdeckt worden. Mehrfach spekulierten Medien deswegen, die Moral an Bord sei wegen des langen Einsatzes so schlecht, dass es zu Sabotage gekommen sei. Die Navy widerspricht dem.

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Über 300 Tage auf See haben Spuren hinterlassen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Zuletzt hatte es an Bord auch gebrannt. In einer Wäscherei war ein Feuer ausgebrochen, das erst nach rund 30 Stunden gelöscht werden konnte. In der gleichen Zeit konnten offenbar keine Kampfeinsätze stattfinden – erst zwei Tage später war die Einsatzbereitschaft wiederhergestellt. Rund 600 Seeleute mussten zwischenzeitlich ihre Kojen aufgeben.

Die Navy schickte das Schiff für Reparaturen in den US-Stützpunkt Souda Bay auf Kreta – und ließ die Brandursache untersuchen. In einem Statement hieß es, sowohl zivile als auch militärische Gesetzeshüter hätten an Bord ermittelt. Auch in diesem Zusammenhang waren Vermutungen laut geworden, frustrierte Matrosen könnten das Feuer gelegt haben, um den Einsatz des Schiffs zu beenden.

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Wenn die Navy dafür Hinweise gefunden haben sollte, sind diese nicht öffentlich geworden. Offiziell haben eine Mischung aus Überbeanspruchung, leicht entflammbarem Material und menschlichem Versagen zu dem Brand geführt.

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Politik und Militärs wollten Schiff nach Hause holen

Zwei Kampfeinsätze, ein Brand an Bord und die Abwasserprobleme haben die Crew an ihr Limit gebracht – schon im März klagte etwa Senator Mark Warner, Vizevorsitzender des Geheimdienstauschusses im US-Senat: „Die Ford und ihre Besatzung sind nach knapp einem Jahr auf See am Rande ihrer Belastungsgrenze angekommen.“ Sie zahlten den Preis für die „verantwortungslosen militärischen Entscheidungen“ des US-Präsidenten.

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Auch hatten hochrangige US-Militärs ihr Unbehagen mit der Ausdehnung des Einsatzes bekundet. Der Chef der Marineoperationen der US-Navy (CNO), Admiral Daryl Caudle etwa, sprach sich Anfang 2026 gegen die Entsendung der „Ford“ ins Mittelmeer aus. Caudle führte dabei ins Feld, dass das Schiff und seine Besatzung bereits erheblichen Belastungen ausgesetzt gewesen seien.

Unzufriedenheiten an Bord wiederum beeinflussen, wie gut die Wartungstrupps ihre Arbeit machen können. Kurz gesagt: Je länger ein Einsatz, desto mehr Wehwehchen am Schiff – die Systeme sind hochkomplex und fehleranfällig.

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Freut sich auf Landgang: Bordhündin "Captain Sage".© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Der Preis, den Washington jetzt dafür bezahlt, dass sein de facto Flaggschiff so lange im Einsatz war: Die „USS Gerald R. Ford“ wird zwischen 12 und 14 Monate außer Gefecht sein. So lange, schätzen Beobachter, wird es dauern, bis das Schiff generalüberholt ist.

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Letztlich hat auch die Moral an Bord dazu geführt, dass die Navy ihr Schiff jetzt nach Hause holen darf. Die rund 4500 Menschen (und eine Hündin) an Bord haben fast ein Jahr lang ihre Familien und Freunde nicht gesehen. Zwar sorgen Kinos, Cafés und Fitnessräume für Ausgleich – aber was kann schon die Umarmung eines Partners oder der Tochter ersetzen?