Allen Nachrichten über berufliche Belastungen zum Trotz entscheiden sich in NRW immer mehr Menschen für eine Ausbildung in der Pflege und in Therapieberufen wie Logopädie, Ergo- und Physiotherapie. „Wir sind auf einem guten Weg, mit den Auswirkungen des demografischen Wandels fertig zu werden“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung des Landesberichts zur Ausbildungs- und Fachkräftesituation in der Gesundheit.

Boom in der Pflege

So sei die Zahl der jährlich neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge seit Einführung der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2020 von rund 14.500 auf rund 17.000 gestiegen. Ein sattes Plus gebe es auch bei der Pflegefachassistenz. Insgesamt habe in der Pflege die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit 2022 um gut 7.500 zugenommen. Zuletzt wurden 292.000 Beschäftigte gezählt.

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Die hohen Ausbildungszahlen in der Pflege würden die Renteneintritte übersteigen, sagte der wissenschaftliche Gutachter Prof. Michael Isfort. Pflege und Therapie seien „Wachstumsberufe“ in NRW mit Vollbeschäftigung.

Immer mehr Senioren

Dennoch ist es nicht sicher, ob es künftig genügend Pflegende geben wird. Denn die Experten rechnen in NRW bis zum Jahr 2040 mit rund 650.000 zusätzlichen Personen in der Altersgruppe der über 75-Jährigen. Und die Zahl der an Demenz Erkrankten dürfte bis zum Jahr 2040 um weitere 92.000 Menschen auf rund 380.000 ansteigen.

In der Pflege gibt es praktisch Vollbeschäftigung.

PK zur Pflege- und Gesundheitsfachberufen
Prof. Michael Isfort, Wissenschaftlicher Gutachter, Institut DIP

Die gute Nachfrage nach Beschäftigung in der Gesundheit eröffne die Möglichkeit, sich auf kommende Pflege-Szenarien vorzubereiten, so Isfort. Die seien herausfordernd. „Wir werden uns andere Lösungen überlegen müssen, weil wir die Anzahl der Einrichtungen nicht in die Unendlichkeit steigern können“, warnte er. Minister Laumann wies darauf hin, dass 85 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt würden. Das Bild der stationären Pflege werde sich ändern. Künftig werde es zum Beispiel mehr Pflege-Wohngemeinschaften geben.

Attraktiv für ausländische Fachkräfte

Der Minister führt die hohe Nachfrage auch auf Investitionen zurück. So habe NRW rund 350 Millionen Euro für die Modernisierung von Pflegefachschulen und Ausbildungsplätzen investiert. Ein wichtiger Schritt sei die Abschaffung des Schulgelds in Therapie- und Gesundheitsfachberufen gewesen, so Laumann. Auch habe sich die Zusammenlegung der Alten- und Krankenpflegeausbildung gelohnt. Ein Beleg dafür seien die vielen neuen Ausbildungsverträge. Die generalistische Ausbildung führe auch nicht zu höheren Abbrecher-Zahlen.

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Schließlich würden ausländische Fachkräfte – vor allem aus Indien, Vietnam und Marokko – zu einer immer wichtigeren Stütze in der Pflege, so Laumann. 2025 habe es in NRW mehr als 14.400 Zulassungen für Pflegekräfte aus anderen Ländern gegeben. Vergütungen von monatlich mehr als 1100 Euro im ersten Lehrjahr und ein „Willkommensgeld“ in Höhe von 1500 Euro machten diese Ausbildung attraktiv.