Egal ob Waffenruhe, Krieg oder irgendwo dazwischen: Die Propagandamaschinerie in Teheran läuft auf Hochtouren. Brigadegeneral Seyyed Majid Mousavi, Kommandeur der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte der iranischen Revolutionsgarde, postete kürzlich in den sozialen Medien ein Video, das eine der berüchtigten unterirdischen „Raketenstädte“ zeigt. Darauf sind weiträumige Tunnelgänge zu sehen, an deren Seite eine Kolonne von Lastwagen steht. Auf deren Ladefläche befinden sich Raketen und Raketenwerfer sowie Drohnen. „Irans Tempo beim Modernisieren und Nachladen der Abschussvorrichtungen für Raketen und Drohnen hat sogar die Schnelligkeit aus der Zeit vor dem Krieg übertroffen“, sagt Mousavi.

Das mag maßlos übertrieben sein. Doch die über das ganze Land verteilten „Raketenstädte“ haben sich zu einer Art Geheimwaffe der Islamischen Republik entwickelt. Bereits vor dem Zwölftagekrieg im Juni 2025 hatte das Regime deren Bau vorangetrieben – Teil der Vorbereitung auf einen befürchteten Angriff Israels und Amerikas.

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Iran: Waffen lagern bis zu 500 Meter tief unter der Erde

Diese Waffenlagerstätten sind bis zu 500 Meter tief in den Boden eingegraben und liegen oft unter bergigem Gelände. Selbst für die bunkerbrechenden Bomben der Amerikaner ist das Terrain nur schwer zu erreichen. Ein iranischer Raketenabschuss aus dem Untergrund kann schnell erfolgen. „Die Lkw fahren nur kurz aus der ‚Raketenstadt‘ heraus, die Rakete wird abgeschossen, danach geht es wieder unter die Erde“, sagte Hans-Jakob Schindler, Chef der Berliner Denkfabrik Counter Extremism Project, unserer Redaktion.

Das von US-Präsident Donald Trump verbreitete Narrativ, dass der Iran weder Luftwaffe noch Marine habe und militärisch praktisch am Ende sei, stimmt nur sehr bedingt. „Die Angriffe scheinen gegen feste Infrastruktur wie Raketenbasen, Produktionsstandorte und einige Lagerstätten wirksam gewesen zu sein, doch die Kernstärke Irans liegt in der Streuung und Verschleierung“, sagte der Iran-Experte Reza Parchizadeh in Washington unserer Redaktion.

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Auch auf See bleibe Iran strukturell widerstandsfähig. „Selbst wenn größere Marineeinheiten schwer beschädigt wurden, hängt die zentrale maritime Doktrin nicht von ihnen ab. Schnelle Angriffsboote, Seeminen, Küstenraketenbatterien und Drohnenangriffe bilden das Rückgrat der iranischen Abschreckung im Persischen Golf“, so Parchizadeh.

Regime soll wichtige Raketenstellungen wiedererlangt haben

Die „New York Times“ berichtet über Erkenntnisse von US-Geheimdiensten, wonach das Regime noch etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen sowie rund 70 Prozent seiner Raketen aus der Vorkriegszeit besitze. Zudem könne es auf 90 Prozent seiner unterirdisch eingelagerten Bestände an ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und deren Startvorrichtungen zugreifen. Besonders alarmierend: Iran habe den operativen Zugang zu 30 von insgesamt 33 Raketenstellungen an der Straße von Hormus wiedererlangt. Hinzu kämen Hunderte Schnellboote, die mit ihren Nadelstich-Attacken auf Öltanker und Containerschiffe in Reedereien weltweit Panik auslösen können.

Auch während der brüchigen Feuerpause gibt sich Teheran gefechtsbereit. Nach einem US-Angriff auf zwei unter iranischer Flagge fahrende Frachter attackierte das Regime drei amerikanische Kriegsschiffe mit Raketen, Drohnen und Schiffen, teilte das US-Zentralkommando mit. Darüber hinaus nahm Iran Handelsschiffe im Golf sowie eine Ölanlage im Hafen von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten ins Visier.

Iran verfügt noch über ein erhebliches Waffenarsenal

Trotz der massiven Schäden durch die mehrwöchigen Attacken der Vereinigten Staaten und Israels verfügt das Regime noch immer über ein beträchtliches Arsenal. Die „New York Times“ zitiert amerikanische Geheimdienstmitarbeiter und Militärs, nach deren Schätzungen der Iran noch immer rund 40 Prozent seiner Kampfdrohnen, mehr als 60 Prozent seiner Raketenwerfer und bis zu 70 Prozent seiner Raketen aus der Vorkriegszeit habe. „Das sind mehrere Hundert Raketen und mehrere Tausend Drohnen“, betont der Nahost-Experte Schindler.

Vor allem Drohnen sind für die Waffenkammer der Islamischen Republik unverzichtbar. Die mit Industrietechnologie hergestellten Flugkörper kosten ungefähr 35.000 Dollar pro Stück. Das ist ein Bruchteil des Preises für eine Abfangrakete des US-Flugabwehrsystems Patriot, der bei rund vier Millionen Dollar liegt. Da den attackierten Golfstaaten die teuren Abwehrraketen ausgehen, greifen sie nun verstärkt auf die Drohnentechnologie der Ukraine zurück.

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Seltener Einblick: Ein von Sepah News, dem Online-Nachrichtenportal und PR-Arm der iranischen Revolutionsgarde, 2016 veröffentlichtes Foto zeigt Raketenwerfer in einem unterirdischen Tunnel an einem nicht genannten Ort im Iran.© AFP | Stringer

Die Iraner schießen oft mehrere ihrer Standard-Drohnen vom Typ Shahed-136 auf einen Schlag ab. Diese haben eine Reichweite von rund 2000 Kilometern, wodurch sie den Großteil des Nahen Ostens ins Visier nehmen können. Das Hightech-Militär der USA, das Luftwaffe, Marine und Heer mit teurem Gerät ausstattete, hatte einen Gegner mit Guerillataktik offenbar nicht auf dem Schirm – eine strategische Lücke, die nun im Iran-Krieg sichtbar wird. „Die Kategorie von Präzisionsschlägen zu Niedrigpreisen hat zu der Zeit, als die meisten amerikanischen Luftabwehrsysteme entwickelt wurden, nicht existiert“, betont Michael Horowitz, der unter Präsident Joe Biden im Pentagon arbeitete.

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Der Iran hat sich in einem asymmetrischen Krieg mit den USA und Israel eingerichtet

Mit Blick auf die schiere Größe der militärischen Kapazitäten liegen zwischen dem Iran und der XXL-Übermacht aus USA und Israel Welten. Es ist ein Kampf, den die Islamische Republik nicht gewinnen kann. Und dennoch hat sich Iran in einem asymmetrischen Krieg eingerichtet – mit punktuellen Angriffen auf Ziele im Persischen Golf und kalkulierten Eskalationen.

Hinzu kommt der Würgegriff des Regimes auf die Straße von Hormus, das wichtige Nadelöhr für den globalen Ölhandel. „Die Iraner brauchen nicht unendlich viel Militärmaterial. Für sie reicht es, wenn sie zweimal pro Woche nach Dubai oder Doha schießen, um auf den Märkten Angst und Schrecken zu erzeugen“, unterstreicht der Analyst Schindler. „Mit ihrem Arsenal können die Iraner ihre Taktik der asymmetrischen Kriegsführung noch wochenlang weiterführen.“

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#39 Wolfgang Kubicki über die Wiederbelebung der FDP, die populistische Versuchung - und den ‚Eierarsch‘
Meine schwerste Entscheidung
 

Die Kontrolle über die Straße von Hormus hat sich zum neuen Machtinstrument des Mullah-Regimes entwickelt. Es kann Gegner in Schach halten, selbst wenn das eigene Nuklearprogramm eingeschränkt werden sollte. „Jeder weiß inzwischen, dass im Falle eines künftigen Konflikts die Sperrung der Meerenge das erste Mittel der Wahl im iranischen Strategiehandbuch sein wird“, erklärt Danny Citrinowicz, ehemaliger Leiter der Iran-Abteilung des israelischen Militärgeheimdienstes. „Gegen die Geografie kommt man nicht an.“