Vorweg: Eine Hängepartie, in der nicht geschossen und nicht gestorben wird, ist immer besser als eine neue militärische Eskalation ohne erreichbares Endziel und mit absehbar massiven Vergeltungsschlägen der angegriffenen Seite.

Viel mehr Gutes lässt sich über den gefühlten 18. Rückzieher Donald Trumps im Iran-Krieg der vergangenen acht Wochen allerdings kaum sagen.

Mit der Verlängerung des vor zwei Wochen verkündeten Waffenstillstands auf unbestimmte Zeit hat die Blamage, die sich der amerikanische Präsident mit seiner kopflosen Kriegsführung gegen einen sträflich unterschätzten Gegner selbst eingebrockt hat, vollends historische Dimensionen angenommen.

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Blockade wird den Iran nicht zur Kapitulation zwingen

De facto beugt sich Trump der Zähigkeit der anderen Kriegspartei. Teheran wird weder in Islamabad noch anderswo erneut über ein Friedensabkommen verhandeln, solange die amerikanische Seeblockade nicht endet. Diese Blockade ist ein Schwert, das am Ende nicht scharf genug ist. Es wird dem Iran gewiss ökonomisch zusetzen. Zur Kapitulation zu zwingen wird es ihn nicht.

Im Trump-Lager bestreitet man genau das. Dort lautet die Erzählung so: Hielten die USA die Seeblockade trotz steigender Ölpreise durch, wären die iranischen Öllager spätestens in acht Wochen voll. Teheran müsste Bohrlöcher stilllegen und die Förderung einstellen. Den Lagerstätten drohten Langzeitschäden durch Wassereintritt, Ablagerungen und Druckverlust. Eine spätere Wiederinbetriebnahme wäre schwierig und teuer.

Weil der Iran seine Existenz überwiegend aus Öleinnahmen bestreitet, geriete das Regime so in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale und würde am Ende seine harte Haltung in den Kernfragen Atomprogramm und Hormus aufgeben.

Über der Straße von Hormus patrouillieren Helikopter der US-Armee.
Über der Straße von Hormus patrouillieren Helikopter der US-Armee. © AFP | -

Trumps „Madman“-Strategie ging nicht auf

Iran-Experten halten das für Wunschdenken. Wahrscheinlicher sei das Gegenteil: dass am Ende die USA Zugeständnisse machen müssen, weil der Flaschenhals Hormus jederzeit das Potenzial hat, eine Weltwirtschaftskrise auszulösen.

Trump, der in unentschuldbarer Maniac-Manier damit gedroht hat, die persische Zivilisation in die Steinzeit zu bomben – nicht nur Brücken und Kraftwerke –, falls das Regime nicht kuscht, stünde dann endgültig vor der Weltöffentlichkeit als das da, was er seit seinen Casino-Tagen in Atlantic City im Grunde immer war: ein Bankrotteur, nur diesmal außenpolitisch.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Mega-Schaden für die Welt, kein Problem gelöst

Acht Wochen nach Kriegsbeginn hat er der Welt einen Schaden von enormen Ausmaßen zugefügt, der noch Jahre nachwirken dürfte. Gelöst ist aber bisher kein einziges Kernproblem. Der Iran verfügt weiter über Uran und latent atomare Kapazitäten. Über Raketen und Drohnen ohnehin. Und über die Macht, die Straße von Hormus nach Belieben zu monetarisieren und die Weltwirtschaft in Geiselhaft zu nehmen.

Hinzu kommt ein Befund, der für sich genommen schon ein strategischer Offenbarungseid wäre: Der von den USA und Israel versuchte Regimewechsel hat eine von den terroristischen Revolutionsgarden geführte Militärdiktatur an die Stelle einer weltfremd-klerikalen Sektierer-Sekte gesetzt. Das muss man erst einmal schaffen.

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Kommt ein neuer Atom-Deal?

Mit Trumps neuerlicher Kehrtwende erscheint ein weiterer militärischer Anlauf, erst recht unter Einsatz amerikanischer Bodentruppen, noch unwahrscheinlicher als zuvor. In knapp sechs Monaten wird in den Vereinigten Staaten gewählt. Schon jetzt sind nur noch 25 Prozent der Amerikaner mit diesem Krieg einverstanden.

Was stattdessen droht, ist ein langes, womöglich monatelanges Fingerhakeln am Verhandlungstisch. Und dort wird sich Teheran, soweit das heute absehbar ist, jedes Zugeständnis teuer abkaufen lassen – teurer als 2015 unter Barack Obamas Atom-Deal JCPOA.

Klar ist dies: Trump will unbedingt raus aus diesem Krieg. Dass er das so offen signalisiert, ohne zugleich eine neue Frist zu setzen, beschädigt seine Glaubwürdigkeit massiv. Wer so laut droht und dann so sichtbar zurückweicht, verliert jede Autorität. Als Staatsmann hat Donald Trump damit fertig.