Vergewaltigung, Hinrichtung, Folter: Was die Menschen im Sudan erleben, bezeichnen die Vereinten Nationen als humanitäre Katastrophe historischen Ausmaßes. Seit drei Jahren kämpfen im Sudan Armee und Paramilitärs gegeneinander. Inzwischen hungert die Hälfte der Bevölkerung, mehr als 30 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, Millionen sind vertrieben. Gewalt gehört vor allem für Frauen und Mädchen zum Alltag. Überlebende berichten von Massenvergewaltigungen und Straßen voller Leichen. Es ist der blanke Horror, der auf den Straßen tobt.

Und doch sieht kaum jemand hin. Während weltweit Menschen gegen die humanitäre Katastrophe in Gaza auf die Straße gehen und Israel einen Genozid an Palästinensern vorwerfen, während die sozialen Medien voll sind mit Bildern von Gräueltaten, die im Nahen Osten verübt werden, bleibt es um den Bürgerkrieg, der längst das Ausmaß eines Völkermordes erreicht hat, seltsam still. UN-Vertreter sprechen von einer „abandoned crisis“, einer „aufgegebenen Krise“, die von anderen Konflikten überlagert wird.
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Aufmerksamkeit geht auf Russland und Iran-Krieg
Die Aufmerksamkeit der Menschen folgt simplen Kriterien, etwa der Gefahr, selbst hineingezogen zu werden. So fühlt sich Europa von Russland bedroht. Und den Iran-Krieg spüren Autofahrer an den Tankstellen. Was im Sudan passiert, hat keine Auswirkungen auf unseren Alltag.
Die Sudan-Konferenz in Berlin soll den Konflikt ins Bewusstsein rücken. Aber sie kann nicht ersetzen, was so fehlt: politischer Druck auf die Kriegsparteien. Das Problem liegt nicht darin, dass dieser Krieg vergessen wird. Sondern darin, dass die Welt ihn nie wahrgenommen hat.




