Donald Trump hat nach dem Scheitern des Gipfels von Islamabad nicht auf Diplomatie zweiter Ordnung gesetzt, sondern auf maritime Machtdemonstration erster Ordnung. Seine Ankündigung, die Straße von Hormus durch die US-Marine zu blockieren und jedes Schiff abzufangen, das vom Iran erhobene Durchfahrtsgebühren gezahlt hat, ist der Versuch, nach 21 ergebnislosen Verhandlungsstunden die politische Initiative zurückzuerobern. Trump schreibt: „Ab sofort wird die US Navy den Prozess beginnen, jedes einzelne Schiff zu blockieren, das versucht, in die Straße von Hormus einzufahren oder sie zu verlassen.“ Und weiter: „Niemand, der eine illegale Maut zahlt, wird auf hoher See sichere Passage haben.“
Wenige Stunden später räumte er im Fernsehen ein, das alles werde „eine kleine Weile dauern“. Darin steckt bereits die ganze Widersprüchlichkeit des Vorstoßes: maximaler Drohwert, unklare Umsetzbarkeit.
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Hormus-Hammer: Trump will Iran die Erpressungsprämie nehmen
Trumps Motiv ist klar. Er will Teheran die Erpressungsprämie nehmen, die Iran sich mit seiner faktischen Kontrolle der Meerenge zusammengebaut hat. Seit Beginn des Krieges ist Hormus der wirksamste iranische Hebel: Durch die Passage läuft normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs. Schon die iranische Drosselung hat Märkte erschüttert, Versicherungen extrem verteuert und Lieferketten zerrissen.
Trump will diesen Hebel nun umdrehen. Nicht mehr Iran soll den Verkehr politisch regeln – sondern Washington. Zugleich sendet er ein innenpolitisches Signal. Seine Zustimmungswerte leiden unter dem Krieg extrem, Benzin kostet in den USA seit Tagen deutlich über vier Dollar je Gallone (rund vier Liter), und Trump räumt inzwischen selbst ein, dass die Preise bis zu den Zwischenwahlen im Kongress im November hoch bleiben oder sogar noch steigen könnten. Die Blockade ist also auch der Versuch, Härte zu zeigen, wo Islamabad keinen Durchbruch brachte.

Problem dabei: Wer eine Blockade gegen eine Blockade verhängt, übernimmt Mitverantwortung für den Schaden, der in diesem Fall die Weltwirtschaft vollends in den Abgrund reißen kann. Völkerrechtlich ist die Lage ohnehin unerquicklich. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen hat Irans Maut-Idee als „gefährlichen Präzedenzfall“ zurückgewiesen und auf das uneingeschränkte Durchfahrtsrecht in internationalen Meerengen verwiesen. Küstenstaaten dürften diese Passage weder behindern noch aussetzen.
China-Frage macht Trumps Plan hochriskant
Das spricht gegen Teherans Gebührenregime. Es spricht aber nicht automatisch für Trumps Gegenmittel. Denn das Abfangen ziviler Schiffe auf hoher See ohne UN-Mandat, dazu noch wegen zuvor gezahlter Gebühren, wäre politisch mindestens so explosiv wie juristisch fragwürdig. China und Russland haben selbst eine stark verwässerte Sicherheitsratsresolution zur Sicherung der Schifffahrt blockiert; Pekings UN-Botschafter warnte, ein solcher Text sende „die falsche Botschaft“, Chinas Außenminister Wang Yi erklärte, nur ein Waffenstillstand sei „der Schlüssel“ für sichere Schifffahrt durch Hormus.
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Gerade die China-Frage macht Trumps Plan hochriskant. US-Medien meldeten bereits am Samstag die Passage zweier unter chinesischer Flagge fahrender Riesentanker, der Cospearl Lake und der He Rong Hai; beide waren für Unipec unterwegs, den Handelspartner des chinesischen Staatskonzerns Sinopec. Der eine hatte irakisches, der andere saudisches Öl geladen. Sollte eine US-Fregatte eines Tages einen solchen Tanker aufbringen wollen, ginge es nicht mehr nur um Iran, sondern um die Frage, ob Washington sich das Recht anmaßt, chinesisch beflaggte und chinesisch gecharterte Schiffe wegen Zahlungen an Iran in internationalen Gewässern festzusetzen. Das wäre kein Routineeinsatz der Seesicherung mehr, sondern ein geopolitischer Zwischenfall mit zwei Atommächten. Schon ohne Schusswechsel würden Versicherungssätze, Frachtraten und politische Spannungen nach oben schnellen.
Die Kriegsprämie für Tanker ist ohnehin bereits von etwa 0,25 auf drei Prozent des Schiffswerts gestiegen – bei einem großen Tanker also auf rund 7,5 Millionen Dollar.
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Iran: Zeichen stehen nicht auf Rückzug, sondern auf Eskalation
Teheran dürfte sich von einer amerikanischen „Gegen-Blockade“ deshalb kaum einschüchtern lassen. Die Revolutionsgarden erklärten am Sonntag, jedes militärische Schiff, das sich der Meerenge nähere, werde als Bruch der Waffenruhe betrachtet und „hart und entschlossen“ behandelt. Hormus stehe unter der „klugen Steuerung“ der iranischen Marine und sei nur für nichtmilitärische Schiffe „gemäß spezifischen Regeln“ offen.
Das klingt nicht nach Rückzug, sondern nach der Ankündigung asymmetrischer Eskalation: Schnellboote, Drohnen, Minen, Raketenstellungen an der Küste, Nadelstiche gegen Tanker. Selbst Trumps Kritiker in Washington verweisen auf genau diese Logik. Der demokratische Senator Mark Warner sagte: „Die Iraner haben Hunderte Schnellboote, mit denen sie die Meerenge weiter verminen oder Bomben an Tanker anbringen können.“ Die Frage sei nicht, ob Washington stören könne. Die Frage sei, ob Washington Iran daran hindern könne, weiter zu stören.
Noch gefährlicher würde die Lage, wenn die von Iran gesteuerten Houthi-Rebellen parallel das Rote Meer wieder schließen. Ein neuer Houthi-Vorstoß gegen die Meerenge Bab al-Mandab wäre der naheliegende zweite Hebel. Dort verläuft der Zugang zum Suezkanal. Der Westen hat im Roten Meer trotz milliardenschwerer Militäranstrengungen keine dauerhafte Sicherheit geschaffen; vier Schiffe wurden versenkt, mehr als eine Milliarde Dollar an Waffen verschossen, und die Reeder mieden die Route weiter. Vor den Angriffen der Houthis lief über Suez rund ein Zehntel des Welthandels; selbst nach einer teilweisen Beruhigung lag das Verkehrsvolumen dort noch deutlich unter Vorkrisenniveau.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Trumps Drohgebärde als dauerhafte Strategie ist schwach
Wenn Hormus im Osten und Bab al-Mandab im Westen gleichzeitig unter Feuer stünden, wäre ein Ölpreis von 200 Dollar nicht mehr überdrehte Fantasie, sondern ein realistisches Risikoszenario. Für Deutschland und Europa wäre das kein abstrakter Schock. Reeder würden verstärkt um das Kap der Guten Hoffnung fahren, was Transitzeiten verlängert und Frachtraten erhöht. Hapag-Lloyd sagt selbst, eine Rückkehr zur Normalität würde auch im günstigsten Fall sechs bis acht Wochen dauern; schon jetzt hängen rund 1000 Schiffe in der Region fest, das Unternehmen beziffert seine Zusatzkosten auf 50 bis 60 Millionen Dollar pro Woche. Eine zweite maritime Front der Houthis würde also nicht bloß den Ölpreis treiben, sondern den gesamten Warenverkehr zwischen Asien, Nahost und Europa verteuern – von Chemieprodukten bis Konsumgütern.
Die nüchterne Bilanz lautet deshalb: Trumps Vorstoß ist als Drohgebärde verständlich, als dauerhafte Strategie aber schwach. Er verspricht nur dann Erfolg, wenn Iran sich von zusätzlichem maritimem Druck politisch beeindrucken lässt. Genau das ist unwahrscheinlich. Alles, was Teheran bisher signalisiert hat, deutet auf das Gegenteil hin: auf die Bereitschaft, den Konflikt von der Nuklearfrage auf die Handelsadern der Weltwirtschaft auszuweiten. Realistisch ist Trumps Plan also nur als kurzer Zwangsimpuls. Unrealistisch ist er als stabiles Ordnungsmodell. Denn er ersetzt keinen Rechtsrahmen, sondern setzt neben Irans Regelbruch einen amerikanischen Machtakt.
Straße von Hormus: Mehrstufiges Abkommen wäre realistisch
Die positive Vision müsste deshalb unterhalb des Krieges ansetzen – und bei einem simplen Grundsatz: Hormus ist entweder für alle offen oder für alle geschlossen; selektive Freikarten, Mautregime und nationale Strafaktionen taugen nicht. Realistisch wäre ein mehrstufiges Abkommen unter Schirmherrschaft von UN und einer Kontaktgruppe aus Oman, Pakistan, den Golfstaaten, China, der EU und den USA.
- volle Wiederherstellung des Durchfahrtsrechts ohne iranische Maut und ohne amerikanische Zwangsmaßnahmen.
- ein gemeinsames Verkehrs- und Sicherheitszentrum von Oman und Iran mit internationalen Beobachtern, das Fahrpläne, Minenräumung und Notfallkommunikation koordiniert.
- neutrale, ausdrücklich defensive Eskorten für Handelsschiffe, nur auf Basis eines breiten Mandats. Viertens: ein Anreizpaket für Iran – begrenzte Sanktionslockerungen, Versicherungserleichterungen, Hilfe bei Küsten- und Hafeninfrastruktur –, aber ausschließlich gekoppelt an nachprüfbar freie Passage und das Ende von Angriffen durch iranisch gesteuerte Stellvertreter. Teheran bekäme damit kein Lösegeld, aber einen legalen Nutzen daran, die Meerenge offen zu halten.
Das wäre mühseliger als Trumps Drohpost. Aber es hätte einen entscheidenden Vorteil. Es würde die Schifffahrt entpolitisieren, statt sie zum nächsten Kriegsschauplatz zu machen. Genau daran entscheidet sich nun, ob Hormus wieder eine Meerstraße wird – oder ein Triggerpunkt für die nächste große Eskalation.










