Donald Trump behält seinen Zickzackkurs im Iran-Krieg bei, sucht aber erkennbar nach einer Ausfahrt aus dem zunehmend die Weltwirtschaft belastenden Konflikt. Wenige Stunden vor Ablauf eines Ultimatums an Teheran – es wäre nach deutscher Zeit in der Nacht zu Dienstag abgelaufen – hat der US-Präsident mutmaßlich verheerende Angriffe auf „iranische Kraftwerke und Energieinfrastruktur“ bis mindestens Samstag dieser Woche suspendiert.
Die Begründung überrascht und ist von unabhängiger Seite bisher nicht überprüfbar: Es gebe seit Kurzem „tiefgehende, detaillierte und konstruktive Gespräche“ mit dem Iran, um eine „vollständige und endgültige Lösung der Streitfragen“ zu erzielen, sagte Trump, der noch am Freitag betont hatte, er wolle keinen Waffenstillstand, weil die USA dabei seien, den Iran „auszulöschen“. Mit wem Washington auf Teheraner Seite im Detail worüber verhandelt, sagte Trump nicht. Dem Vernehmen nach redet US-Emissär Steve Witkoff laut pakistanischen und ägyptischen Kreisen mit Irans Außenminister Abbas Aragchi.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Der 79-Jährige, dessen Beliebtheitswerte in den USA immer weiter zurückgehen, hatte seine ursprüngliche Drohung mit der Forderung verknüpft, dass der Iran die für die Ölschifffahrt wichtige Seestraße von Hormus umgehend passierbar macht. Davor stauen sich seit Kriegsbeginn Hunderte Schiffe, die aus Angst vor iranischen Raketen und Wasserminen die Einfahrt in die Meerenge scheuen.
US-Angriff würde Verstoß gegen die Genfer Konventionen darstellen
Das Mullah-Regime kündigte für den Fall eines Angriffs auf seine Kraftwerke an, spiegelbildlich die Strominfrastruktur in Israel und den angrenzenden Golfstaaten sowie Meerwasser-Entsalzungsanlagen zu bombardieren, die in der Region teilweise 90 Prozent des Trinkwasserbedarfs abdecken. Beides würde nach Einschätzung von Analysten massivste Auswirkungen auf die Energiepreise weltweit haben, möglicherweise eine humanitäre Katastrophe auslösen und endgültig eine Ausweitung des Krieges zum regionalen Großkonflikt bedeuten.

Trump schreckt davor vor allem mit Blick auf die Börsen zurück, hatte sich aber mit seiner Eskalationsrhetorik in eine Zwickmühle gebracht: Ein US-Angriff auf iranische Kraftwerke würde einen Verstoß gegen die Genfer Konventionen darstellen und schwerste Vergeltungsmaßnahmen zur Konsequenz haben.
Teheran: Trump hat Angst
Teheran reagierte zurückhaltend auf den jüngsten Schachzug Trumps. Iranische Staatsmedien erklärten, dass Trump „aus Angst vor der Reaktion des Iran sein 48-Stunden-Ultimatum zurückgezogen“ habe. Dass es mit den USA produktive Gespräche zur Beendigung des Konflikts gebe, sei unzutreffend. „Es gab keine Verhandlungen, und es finden derzeit auch keine statt“, sagte ein Beamter.
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Weil Trump bisher nie verlässlich die Kriegsziele im Iran bestimmt oder klare Bedingungen für einen Waffenstillstand genannt hat, ist nach Angaben von Republikanern in Washington „unklar”, welcher Art von diplomatischer Lösung des milliardenschweren Krieges der US-Präsident zustimmen würde. Sowohl Israel als auch die USA hatten bisher kategorisch den Sturz des Mullah-Regimes gefordert, das trotz der Ermordung von Ayatollah Ali Chamenei unverändert an der Macht ist. Neben der Öffnung der Straße von Hormus hat auch die Unschädlichmachung von 450 kg nahezu atomwaffenfähigem Uran für die USA Priorität.







