• Rheinland-Pfalz hat mit Gordon Schnieder einen neuen Ministerpräsidenten
  • Die CDU hatte vor allem wegen Schnieder die Wahl gewonnen
  • Wer ist der CDU-Politiker und was treibt ihn an?

Er ist der strahlende Sieger der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz und seit dem 18. Mai 2026 der neue Ministerpräsident. Nach 35 Jahren SPD. Gordon Schnieder präsentierte sich schon am Wahlabend staatsmännisch und respektvoll dem politischen Gegner gegenüber. Und dankbar für die Unterstützung der Wähler, seiner Familie und seiner „geschlossen“ aufgetretenen Partei. „Die Menschen haben den Wechsel gewählt“, freute sich der 50-Jährige und erlaubte sich im ARD-Studio eine überzeugende Geste. Er dankte seinem Duzfreund Alexander Schweitzer (SPD) „herzlich“, dass der als Ministerpräsident die Geschicke des Landes geführt habe. Es klang aufrichtig.

Wie ist es Schnieder gelungen, das Wahlvolk zu überzeugen? Im Wahlkampf zeigte er sich bürgernah, setzte vor allem auf eines: zuhören. Wer ihn während der vergangenen Wochen zwischen Rhein und Mosel im Gespräch mit Wählerinnen und Wählern beobachtet hat, muss anerkennen, dass er das kann. Er nimmt sein Gegenüber wahr, hakt nach, nimmt Menschen ernst, führt ehrliche Gespräche auf Augenhöhe. „Nah sein bei de Leut“, hat der populäre SPD-Politiker Kurt Beck, ein Pfälzer, einmal allen Politikern geraten.

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Nah bei den Leuten, das ist Gordon Schnieder wichtig

Gordon Schnieder ist kein Pfälzer, sondern aus der Vulkaneifel, aber er kann das auch. Präzise geht er auf die kleinsten Probleme des Landes ein, gibt Ratschläge oder nimmt Anregungen auf. Detailliert kann er etwa schildern, welches Krankenhaus mit welchen Folgen geschlossen worden sei und wo in der Eifel werdende Mütter mehr als 30 Minuten bis zur nächsten Geburtsstation fahren müssen.

Die Verwurzelung in seinem 1000-Einwohner-Heimatdorf Birresborn, es gehört zur Gemeinde Gerolstein, ist für den gläubigen Katholiken eine Quelle für Kraft und Inspiration. „Ich spreche da den Eifeler Dialekt, da kann man sich nicht verstellen. Man weiß, wo man herkommt, und geht dahin auch wieder zurück. Das erdet einen.“ In Birresborn ist Schnieder geboren und mit drei Geschwistern aufgewachsen, eines von ihnen ist sein älterer Bruder Patrick Schnieder (CDU), der Bundesverkehrsminister.

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Der studierte Finanzwirt Gordon Schnieder war im Kreistag des Landkreises Vulkaneifel tätig und auch ein paar Jahre ehrenamtlicher Ortsbürgermeister von Birresborn, bevor er vor zehn Jahren für die CDU in den Landtag in Mainz einzog. Jetzt trat er im Landtagswahlkampf gegen Ministerpräsident Alexander Schweitzer an – und konnte überzeugen.

Rheinland-Pfalz: Gordon Schnieder ist sogar Mitglied bei den Landfrauen

Das Fundament für sein politisches Denken gründet auf der Heimatverbundenheit. In Birresborn lebt er mit seiner Frau und seinen Kindern. Dort schätzt er das Vereinsleben, ist überall engagiert, sogar ein männliches Mitglied bei den Landfrauen und natürlich im Kirchenchor. Obwohl er gar kein Instrument spiele, sei er zum stellvertretenden Präsidenten des Landesmusikverbandes gewählt worden, erzählte Schnieder einmal.

Das starke Engagement im Ehrenamt ist für Schnieder eine der positiven Seiten der Provinz. Die negativen gibt es aber auch. Eine heile Welt ist nirgends mehr. In der 6500 Einwohner zählenden Gemeinde Gerolstein, wozu Birresborn gehört, gebe es des Nachts Ecken, wo man sich nicht mehr sicher fühle, sagt Schnieder.

Die Kommunen liegen dem Ex-Bürgermeister am Herzen

Das Bundesland Rheinland-Pfalz beschreibt er als „Absteigerland“ nach 35 Jahren SPD-Regierung. Die Punkte, die er zuerst anpacken will als Ministerpräsident, sind die Bildungspolitik, die Gesundheitsversorgung in der Provinz und die innere Sicherheit. Hinzu kommen die Wirtschaftspolitik und „dass unsere Gemeinden wieder Gestaltungskraft erhalten“. Sein Herz schlägt für die Kommunen.

Schnieder tritt freundlich und höflich auf, er kann im Diskurs mit dem politischen Gegner aber klare Kante zeigen. Couragiert vertrat Schnieder auch seine Meinung gegenüber der Bundes-CDU. Als in Teilen der Union eine Debatte über die „Lifestyle-Teilzeit“ entbrannte, bezeichnete Schnieder das als eine „Schnapsidee“. „Wir sind eine Partei, die auf Anreize statt auf Verbote setzt.“ Wer Vollzeit arbeiten wolle, der scheitere doch oft an den unzuverlässigen Öffnungszeiten von Kitas und Schulen.

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Schnieder setzt auf Nähe – auch zu Friedrich Merz

Zur Bundes-CDU hat Schnieder dennoch ein loyales Verhältnis, ist ja immerhin Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Er könnte als derjenige, der für die CDU eine Trendwende einleitete, auch eine wichtige Figur in der Bundespartei werden. Auch die Unions-Ministerpräsidenten Boris Rhein, Hendrik Wüst, Mario Voigt, Daniel Günther, Michael Kretschmer und Markus Söder haben ihn im Wahlkampf unterstützt. Kanzler Friedrich Merz schätzt ihn offenbar sehr. Er war für ihn viermal im Wahlkampf, auch beim CDU-Wahlkampffinale in Bad Dürkheim, wo Schnieder dem Kanzler für die „großartige Unterstützung“ dankte.

Wie aus CDU-Kreisen in Mainz zu vernehmen ist, hat Merz den Kandidaten Schnieder nach jedem der drei „Duelle“ mit Schweitzer – in der ARD und bei der Zeitung „Rheinpfalz“ – angerufen, um ihm zu gratulieren. Auch kurz nach der ersten Prognose am Wahlabend klingelte ein erleichterter Merz bei Schnieder an.