Bei den Kommunalwahlen in Frankreich wollen Rechte und Bürgerliche mehrere Großstädte erobern – allen voran das verkehrsberuhigte Paris. Wie gut sind ihre Chancen? Ein Überblick.
Warum ist die Rechte in Frankreich im Vormarsch?
Der Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen setzt in mehreren Großstädten, vor allem an der Mittelmeerküste, zum Sprung in die Rathäuser an. So in Marseille, Toulon und – dank des dissidenten Konservativen Éric Ciotti – in Nizza. Aber auch in vielen mittleren Städten gelten die Rechten als Favoriten. Mit dem Reizwort der „kébabisation“ – abgeleitet vom türkischen Sandwich „Kebab“ – mobilisieren sie gegen den soziologischen Wandel in den Innenstädten. Auch in ländlichen Gebieten breitet sich der RN aus. Hauptgründe sind laut Umfragen die Angst vor der Migration sowie Unsicherheiten durch Drogenbanden und -kartelle.
Auch interessant
Was zeichnet sich in Paris ab?
In Paris hoffen vor allem die konservativen Republikaner auf ihre Spitzenkandidatin Rachida Dati. Die bisherige Kulturministerin will das seit 2001 links und grün regierte Paris für die Bürgerlichen zurückerobern. Sie stammt aus einer nordafrikanischen Immigrantenfamilie und pflegt eine volksnahe Sprache; zugleich inszeniert sie sich auch in den wohlhabenden Vierteln als Ritterin gegen die „rote“ Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die nach zwölf Jahren nicht mehr antritt.
Auch interessant
Dati hat jedoch eine lästige Korruptionsaffäre am Hals. In Umfragen liegt sie mit 28 Prozent knapp hinter dem eher farblosen Sozialisten Emmanuel Grégoire (32 Prozent). Der moderate Radfahrer führt eine breite rot-grüne Allianz an und will Hidalgos Politik der Begrünung und Verkehrsberuhigung in der Hauptstadt fortsetzen.
Warum ist Rot-Grün in vielen Städten bedroht?
Die französische Linke geht uneins in die Wahl: Die „Neue Volksfront“ von 2024 ist am aggressiven Verhalten des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon zerbrochen. Ohne dessen „Unbeugsame“ haben die Sozialisten, Kommunisten und Grünen immerhin noch Hoffnungen auf Städte wie Paris, Marseille oder Straßburg. Auch rote Hochburgen wie Lille oder Nantes dürften sie bewahren.
Auch interessant
Den Grünen selbst droht jedoch eine Wahlschlappe: Sie dürften viele Städte verlieren, die sie 2020 im Zuge der Pandemie gewonnen hatten, so etwa Lyon, Grenoble, Straßburg oder Bordeaux. Das ist mit ein Indiz dafür, dass der Klimawandel in Frankreich derzeit kaum zieht.
Wie behauptet sich das Macron-Lager?
Schlecht. Die Partei Renaissance von Emmanuel Macron hat es seit seiner Wahl ins Élysée 2017 nie geschafft, sich lokal zu verwurzeln. Der unpopuläre Präsident ist selber kein Zugpferd mehr. Nur in wenigen Großstädten haben Macronisten Wahlchancen – und auch dort nur dank der Erfahrung verbündeter Parteien wie der Republikaner oder der Zentrumsdemokraten. Die Kommunalwahlen dürften erst mal offenbaren, wie sehr Macron bei dem Versuch gescheitert ist, in seinem Land ein „drittes Lager“ aufzubauen.

Erlaubt der Urnengang Rückschlüsse auf die Präsidentschaftswahl 2027?
Die Kommunalwahl ist der letzte Stimmungstest vor den Präsidentschaftswahlen in gut einem Jahr. Die Favoritin Marine Le Pen oder ihr Ersatzmann Jordan Bardella wollen jetzt möglichst flächendeckend zulegen. In Großstädten, aber auch im Nordwesten Frankreichs bleiben die Lepenisten lokal schwach. Direkte Rückschlüsse auf die Präsidentschaftswahlen sind schwierig.





