Es hört sich zunächst widersinnig an: Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt. Aber für die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten bleibt immer weniger Zeit. Das geht aus einer aktuellen Statistik hervor, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am Donnerstag präsentierte. Ein Grund dafür sei, dass immer mehr Ärzte und Psychotherapeuten eine Anstellung oder Teilzeitbeschäftigung bevorzugen – vor allem jüngere, hieß es in einer Mitteilung des Dachverbands der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen.
„Arztpraxen sind keine beliebig verfügbare Ressource“, wurde KBV-Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen in der Mitteilung zitiert. „Die zur Verfügung stehende Arztzeit bleibt begrenzt – und viele junge Ärztinnen und Ärzte tendieren zur Anstellung oder Teilzeit“, sagte Gassen. Und er warnte vor dieser Entwicklung. „Denn ohne die Praxen läuft in der Gesundheitsversorgung so gut wie nichts.“ Die ambulante Versorgung sei „die tragende Säule unseres Gesundheitswesens“, so Gassen. Noch stehe sie gut da. „Insgesamt stemmen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten 97 Prozent der Versorgung.“

Zwei Ärzte teilen sich einen vollen Arztsitz
Es ist ein Trend, der seit zehn Jahren anhält. Konkret geht es darum, dass sich zum Beispiel zwei Ärzte einen vollen Arztsitz teilen, der zur Versorgung einer bestimmten Zahl von Bewohnern vorgesehen ist. Die beiden Ärzte übernehmen somit den Job, den bislang ein Vollzeitarzt gemacht hatte. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Ärzte und Psychotherapeuten insgesamt auf 191.875. Das war ein Zuwachs von 1,2 Prozent. 2024 waren es noch 189.551 Ärztinnen und Ärzte gewesen – so viel wie dahin nie, wie es schon damals hieß.
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Noch überwiege unter den Medizinern mit einer Zahl von 98.447 die Vollzeitbeschäftigung, hieß es nun, aber das seien schon zwölf Prozent weniger als vor zehn Jahren. Wenn sich der Trend fortsetze, „wäre ein Übergang zu einer mehrheitlichen Teilzeitbeschäftigung im Jahr 2039 erreicht“, so die KBV.
KBV fordert bessere Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte
KBV-Vorstandsmitglied Sibylle Steiner forderte, die Politik müsse die richtigen Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte schaffen: „weniger Bürokratie, die Abschaffung sinnloser Wirtschaftlichkeitsprüfungen und eine verlässliche Digitalisierung“.
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Besonders betroffen sind die Hausärzte. Auch ihre Zahl ist gestiegen, wenn auch nur geringfügig. Sie wuchs im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent von 55.435 auf 55.778. „Aufgrund des Trends zur Teilzeit sank die Zahl der vollen Sitze in der hausärztlichen Versorgung jedoch um 0,1 Prozent“, rechnete die KBV aus.
Hausärzteverband: Interesse am Beruf wächst, aber es reicht noch nicht
„Das ist eine Entwicklung, vor der wir bereits seit Jahren warnen“, sagte Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, dieser Redaktion. „Zwar wächst unter Studierenden das Interesse am Hausarztberuf, aber es reicht noch nicht, um die Lücken, die auch aufgrund zunehmender Teilzeittätigkeit entstehen, zu schließen.“
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Laut Beier liegen die Lösungen längst auf dem Tisch. „Allein ein konsequenter Ausbau der Teamarbeit in den Praxen würde die Ärztinnen und Ärzte massiv von Aufgaben befreien.“ Das sei durch Studien bestätigt. „Umso absurder sind die aktuellen Kürzungsfantasien der Krankenkassen im Zuge der geplanten Sparreformen“, so der Verbandschef.
Fakt sei: „Wenn die hausärztlichen Leistungen nicht mehr vollständig vergütet werden, werden sich zu wenige junge Ärztinnen und Ärzte für den Hausarztberuf entscheiden.“ Gleichzeitig würden immer mehr Hausarztpraxen in bestimmten Regionen gezwungen sein, vorzeitig dicht zu machen.
Wer angesichts dieser Zahlen ernsthaft die Abschaffung der Entbudgetierung der hausärztlichen und kinderärztlichen Versorgung fordere, nehme mutwillig in Kauf, dass sich die Situation immer weiter zuspitze. Die Gefahr bestehe, dass die Patienten monatelang auf Termine warten müssen, wie das im fachärztlichen Bereich bereits in Teilen der Fall sei. Wer das nicht wolle, „sollte dringend die Finger weglassen von der Entbudgetierung der Hausarztpraxen“.









