Am Flughafen Sydney trennte sich das Schicksal der iranischen Frauen-Nationalmannschaft. Nach ihrem Protest gegen das Regime bot Australien allen Spielerinnen Schutz an. Doch nur sieben entschieden sich für ein Leben im Exil. Die anderen erwartet im Iran eine ungewisse Zukunft.

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Rückkehr nach Teheran: Irans Fußballerinnen geben jede Flucht auf

Es war kurz vor acht Uhr morgens Ortszeit, als die Maschine in Kuala Lumpur aufsetzte. Am Ausgang der Fluggastbrücke wartete bereits der iranische Botschafter in Malaysia, Valiollah Mohammadi Nasrabadi, in blaue Roben gekleidet, flankiert von Funktionären. Für die Frauen an Bord, die als „Löwinnen“ bekannte iranische Frauen-Fußballnationalmannschaft, markierte dieser Moment wohl das Ende jeder Fluchtmöglichkeit.

Laut einem Bericht des „Sydney Morning Herald“, dessen Journalistin den Nachtflug aus Sydney begleitet hatte, saßen viele Spielerinnen teilnahmslos da und starrten auf ihre Handys. Manche wandten den Blick ab, als die Reporterin versuchte, sie anzusprechen. Einige der letzten Frauen stiegen mit Tränen im Gesicht aus dem Flugzeug.

Was sich in den Stunden zuvor in Brisbane, an der Gold Coast und am Flughafen Sydney abgespielt hatte, war in der jüngeren australischen Geschichte ohne Präzedenz: Hinter verschlossenen Türen erklärte die australische Regierung den Spielerinnen ihre Möglichkeiten – während iranische Funktionäre versuchten, die Delegation zusammenzuhalten.

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Alles begann damit, dass einige Spielerinnen sich geweigert hatten, vor einem im Fernsehen übertragenen Spiel die iranische Nationalhymne zu singen. Das iranische Staatsfernsehen bezeichnete sie daraufhin als „Verräterinnen“ – in einem Land, in dem Hochverrat sogar mit dem Tod bestraft werden kann. Die Bilder gingen um die Welt, selbst US-Präsident Donald Trump meldete sich zu Wort.

In der Nacht auf Montag brachen dann fünf Spielerinnen nach Angaben von Regierungsvertretern aus den Fängen ihrer Aufpasser aus. Die australische Regierung handelte rasch: In geschlossenen Räumen, ohne Aufpasser, nur mit Beamten des Innenministeriums und einer Dolmetscherin, wurden ihnen ihre Rechte erklärt. Fünf Spielerinnen beantragten noch in der Nacht humanitäre Visa – und erhielten sie.

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Australien gewährt sieben Delegationsmitgliedern Schutz und neue Perspektive

Doch die Regierung wollte sicherstellen, dass auch die übrigen Delegationsmitglieder eine echte Wahl hatten. „Wir hätten nicht zugelassen, dass Menschen bis kurz vor das Flugzeug gebracht werden, ohne zuvor von ihren Aufpassern getrennt worden zu sein“, sagte Innen- und Einwanderungsminister Tony Burke am Mittwochmorgen vor Reportern. Alle verbliebenen Spielerinnen und die meisten Betreuerinnen wurden einzeln in Befragungsräume gebeten. „Was wir sichergestellt haben: kein Zeitdruck, kein Zwang. Es ging vor allem darum, diesen Menschen die Würde zu bewahren, eine eigene Entscheidung treffen zu können.“

Am Dienstag blieben zwei weitere Frauen zurück: Mohaddeseh Zolfi, eine 21-jährige Stürmerin, und Zahra Soltan Moshkehkar vom Betreuerstab. Damit haben insgesamt sieben Menschen in Australien Schutz gefunden. Ihre Visa sind zwölf Monate gültig und eröffnen einen Weg zur dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung.

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Eine Spielerin schwankte bis zuletzt. Sie wollte noch einmal mit ihrer Familie im Iran sprechen. „Wir wussten nicht, wie sich diese Person entscheiden würde“, sagte Burke. „Sie hat letztlich ihre eigene Entscheidung getroffen.“ Am Ende stieg sie in das Flugzeug. Tränen auf dem Gesicht.

Am Flughafen Sydney sprachen mehrere Spielerinnen mithilfe einer Übersetzungs-App mit der Journalistin des „Sydney Morning Herald“. Viele wiederholten dieselbe Botschaft: Sie wollen nach Hause, zu ihren Familien. Auf die Frage, was mit den zurückgebliebenen Spielerinnen geschehen sei, antwortete eine schlicht: „Sie sind Flüchtlinge geworden.“ Und ob sie selbst Flüchtling werden wolle, ob der Iran sicher sei? Die junge Frau schüttelte den Kopf. „Der Iran ist meine Heimat.“ Die Worte wogen schwer, doch Körpersprache, Tränen und die ernsten Gesichter der Frauen, so berichtete die Reporterin, erzählten bisweilen eine andere Geschichte. Flankiert von Aufpassern standen die Frauen unter Anspannung und wirkten verschlossen.

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Irans Fußballerinnen: Visa-Angebot galt nicht für alle

Burke wandte sich am Ende auch an seine eigenen, erschöpften Beamten. Sie sollten sich nicht als gescheitert betrachten, nur weil nicht mehr Frauen geblieben seien. „Australiens Ziel war es nicht, Menschen zu einer bestimmten Entscheidung zu drängen. So ein Land sind wir nicht.“

Einigen Funktionären der Delegation hingegen wurden von Anfang an keine Visa erteilt – wegen nachgewiesener Verbindungen zur Islamischen Revolutionsgarde. Und jene, die versucht hätten, die Spielerinnen einzuschüchtern, seien in Australien nicht willkommen, so Burke: „Es gibt Personen, die Australien verlassen haben und deren Abwesenheit mich erleichtert.“

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Kurz nach der Visa-Entscheidung kam es jedoch zu einer unerwarteten Wendung: Eine Spielerin zog ihren Asylantrag zurück und kontaktierte die iranische Botschaft, um abgeholt zu werden. Dadurch erfuhren iranische Behörden, wo sich die anderen Frauen aufhielten. Australische Beamte brachten die verbliebenen Spielerinnen daraufhin vorsorglich an einen anderen Ort.