Philipp Gangolf Balthasar Türmer ist gerade 30 Jahre alt geworden, seit 2023 ist der bekennende Marxist Juso-Chef. Über sein Privatleben war bislang wenig bekannt. Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion erzählt der Jungsozialist jetzt erstmals öffentlich, wie es ist, mit zwei Juristen als Eltern aufzuwachsen, die ihn auf die Hochbegabtenschule schicken, ihm zu Hause das Streiten beibringen – aber auch eine folgenschwere Entscheidung getroffen haben: Warum nennt man sein Kind Gangolf Balthasar – und wie lebt man mit so einem Namen?
Türmer ist in Hessen aufgewachsen und hat selbst Jura studiert. Im Podcast erzählt er von seiner Freundin, die ebenfalls Juristin ist, und sagt, wofür er sich entscheiden würde, wenn es um Spitzenpolitikmachen oder Kindergroßziehen ginge. Seine Antwort ist klar: Familie ginge dann vor.

SPD in Baden-Württemberg: Das war „niederschmetternd“
Und dann ist da noch seine Partei, die ihn manchmal zur Verzweiflung bringt. Mehr noch als seine Vorgänger muss Türmer den Parteinachwuchs durch eine besonders schwere Zeit führen: Die Mutterpartei steckt in einem Langzeittief, die Zeiten der großen alten Volkspartei SPD scheinen zumindest in weiten Teilen Deutschlands vorbei.
Das katastrophale SPD-Ergebnis in Baden-Württemberg erlebte Türmer im Auto auf dem Weg nach Berlin. Er ist für ihn „niederschmetternd“, aber: „Gott sei Dank bin ich noch nicht an dem Punkt, wo ich an Autobahnraststätten Dosenbier trinken muss aus Verzweiflung.“. Doch auch Türmer muss sich manchmal einfach abreagieren: „Manchmal hat man so einen Moment, wo man unter der Dusche sitzt und schreit.“ In der Regel aber hält er sich an das, was jetzt nach Ansicht der Jusos zu tun ist: Die SPD müsse wieder zurück zu ihren Wurzeln, müsse wieder Partei der Arbeit werden. „Wir müssen wieder Politik für die Menschen machen, für die die Sozialdemokratie mal erfunden worden ist. Da genießen wir im Moment quasi keine Glaubwürdigkeit.“
Wehrdienst: So ging das Ringen zwischen Pistorius und Türmer aus
Türmers schwerste Entscheidung fiel im Sommer 2025 beim Parteitag der SPD. Es ging um die Wiedereinführung des Wehrdienstes: Er sei kein Pazifist, sagt Türmer. Die Demokratie müsse im Notfall auch mit Waffen verteidigt werden. Im Ringen mit SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius um die Einführung eines freiwilligen Wehrdienstes in Deutschland ging es dem Juso-Chef jedoch ums Prinzip: Es darf, findet er, keinen Automatismus für die Wiedereinsetzung der allgemeinen Wehrpflicht geben.
„Jusos haben eine Doppelnatur“, sagt Türmer heute. „Wir sind Politiker und Aktivisten.“ Türmer entschied sich bei der Wehrpflicht für den politischen Weg, für den Kompromiss. Türmer gegen Pistorius – es ging am Ende 1:1 aus. Der freiwillige Wehrdienst kam – aber ohne den kritisierten Automatismus. Tümer nennt den Wehrdienst-Kompromiss heute „die Entscheidung in meinem Leben, von der die meisten Menschen betroffen sein werden“.
Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.
Alle Folgen auf einen Blick:
- Habeck über bittere Ukraine-Erkenntnis: „Haben Fehler gemacht“
- Wagenknecht: „Gab Momente, wo ich dachte: Brich das ab“
- Jens Spahn: Für meinen Mann war mein Amt eine Belastung
- Cem Özdemir: So werde ich durch türkische Nationalisten bedroht
- Die Wohnung der Bundestagspräsidentin ist kleiner als ihr Büro
- „Das Problem fängt mit Olaf an und hört mit Scholz auf“
- Daniel Günther: Markus Söder mangelt es an Selbstbewusstsein
- Ricarda Lang: „Junge Frauen sollen sein wie alte Männer“
- Lars Klingbeil: Auf seinem Heft stand mit Edding „Zivilversager“
- Lauterbach: „Krebsrisiko steigt schon mit dem ersten Glas Wein“
- Laschet kritisiert Merkels Corona-Kurs: „Das war nicht klug“
- Bodo Ramelow sollte über den Tod seiner Mutter entscheiden
- Volker Wissing: Die ganze Wahrheit über das Ampel-Aus
- Göring-Eckardt fordert Mut zu AfD-Verbotsverfahren
- Winfried Kretschmann wirbt für Kehrwoche in Berlin
- Kretschmer warnt vor „Stigmatisierung“ von Kritikern
- Omid Nouripour alias MC Omid: „Ich rappe in der Dusche“
- Neue FDP-Generalsekretärin: „Wir haben ein Frauenthema“
- Linnemann: „Es war nie mein Ziel, Bundeskanzler zu werden“
- Wolfram Weimer: „Ich bin weit weg von völkischem Denken“
- Grünen-Chef Banaszak: „Tochter hat im Zweifel immer Vorrang“
- Bauministerin Hubertz vermisst Startup-Geist in der Politik
- Van Aken über Merz: „So einen Fehler machst du nur, wenn du ein Macho bist“
- Hofreiter: „Wenn es hart auf hart kommt, würde ich mein Land verteidigen“
- FDP-Chef: Wer nicht ranklotzen will, hat bei uns keine Zukunft
- Karin Prien: „Dann werde ich Deutschland verlassen“
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