Es ist ein skurriler Anblick: Während sich der von den USA und Israel begonnene Krieg im Iran zu einem Flächenbrand im Nahen Osten ausweitet, leitet Präsidenten-Gattin Melania Trump eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Trump ist die erste First Lady, die die Gelegenheit dazu hat, dem mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen vorzustehen. „Frieden muss nicht fragil sein“, sagte die Ehefrau von Donald Trump in ihrer Ansprache am Montag im Hauptsitz der UN in New York.
Die USA setzten sich für alle Kinder auf der ganzen Welt ein, betonte Trump weiter. „Ich hoffe, dass ihr bald Frieden haben werdet.“ Den militärischen Konflikt im Nahen Osten erwähnte sie dabei nicht explizit. Das frühere Model leitete eine Sitzung des mächtigsten UN-Gremiums zum Thema Kinder, Technologie und Bildung in Konfliktsituationen. Die Übernahme des Vorsitzes durch die First Lady stieß teilweise auf Kritik.
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Melania Trump im UN-Sicherheitsrat: Iran nennt Auftritt „beschämend und heuchlerisch“.
Vor der Sitzung kritisierte Irans UN-Botschafter Amir Saeid Iravani, dass die USA „am ersten Tag ihrer Präsidentschaft im Sicherheitsrat eine hochrangige Sitzung zum Schutz von Kindern einberufen haben“. Die USA und Israel hatten am Samstag einen Großangriff auf den Iran begonnen. Dabei töteten die Streitkräfte den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung. Teheran reagierte mit Angriffen auf Ziele in Israel sowie in mehreren Golfstaaten.
Irans Botschafter nannte den Auftritt „beschämend und heuchlerisch“. Er warf den USA und Israel erneut vor, für einen Angriff auf eine Schule mit vielen getöteten Kindern verantwortlich zu sein. Israel hatte den Vorwurf zurückgewiesen. „Zu diesem Zeitpunkt sind uns keine israelischen oder amerikanischen Angriffe dort bekannt“, sagte der israelische Militärsprecher Nadav Schoschani.

Melania Trump zeigte sich von der Kritik unbeeindruckt. Die 55-Jährige, bekleidet mit grauem Kostüm und High Heels, eröffnete die Sitzung mit einem Schlag des Zeremonienhammers. Anschließend dankte das frühere Model Großbritannien für dessen einmonatige Präsidentschaft im UN-Sicherheitsrat. Im März haben die USA den rotierenden Vorsitz inne. Später sprach die dritte Ehefrau von US-Präsident Trump erneut. Offenbar würdigte sie US-Soldaten, die im Iran-Krieg getötet worden waren. „Den Familien, die ihre Helden verloren haben, die ihr Leben für die Freiheit geopfert haben, wird ihre Tapferkeit und Hingabe für immer in Erinnerung bleiben“, sagte sie vor dem voll besetzten Saal.
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UN-Sicherheitsrat: Wie kam es zum Auftritt der First Lady?
Die USA haben in diesem Monat turnusmäßig den Vorsitz im wichtigsten UN-Gremium übernommen, was auch die Leitung der Treffen beinhaltet. Üblicherweise führen UN-Botschafter oder Regierungsvertreter durch die Sitzungen des 15-köpfigen Gremiums. Ihren Partnern und Partnerinnen war bislang meist das Rahmenprogramm von Veranstaltungen der Vereinten Nationen vorbehalten. Im Rahmenprogramm der UN-Vollversammlung 2017 beispielsweise hielt Melania Trump bei einem Mittagessen eine kurze Ansprache, bei der es ebenfalls um Bildung und Schutz von Kindern ging.
Von den UN wurde der Sitzungsvorsitz der First Lady begrüßt. Es sei ein Zeichen der Wertschätzung der USA für den Sicherheitsrat, hatte ein Sprecher von Generalsekretär António Guterres im Voraus gesagt. Der Auftritt erfolgt vor dem Hintergrund eines angespannten Verhältnisses zwischen der Regierung von US-Präsident Donald Trump und den Vereinten Nationen. Trump hat die Organisation in der Vergangenheit wiederholt als ineffektiv bezeichnet und den Austritt seines Landes aus zahlreichen UN-Organisationen bewirkt. Nach UN-Angaben schulden die USA der Organisation noch viele Milliarden Dollar.
Neben einer Reihe verwunderter Reaktion über den Vorsitz der First Lady wurde der Schritt auch scharf kritisiert. Eine Kolumnistin des britischen „Guardian“ etwa sah darin den gezielten Versuch, die UN bloßzustellen. Melania Trump hat sich in der Vergangenheit mit öffentlichen Auftritten zurückgehalten, zuletzt aber vermehrt die Öffentlichkeit gesucht, zum Beispiel mit ihrem Dokumentarfilmprojekt „Melania“.
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„Rolltreppen-Gate“: Letzter Besuch der Trumps sorgte mit Panne für Schlagzeilen
Besonders die scharfe Kritik ihres Mannes an den UN hatte die Frage der Beweggründe der First Lady für den Sitzungsvorsitz aufgeworfen. Dass die dritte Ehefrau Donald Trumps mitunter Positionen vertritt oder Signale sendet, die nicht deckungsgleich mit denen ihres Mannes sind, ist dabei nicht neu. Einige Beobachter vermuten etwa eine Strategie des Kommunikationsmixes des Ehepaars Trump dahinter.
Es war auch der erste offizielle Besuch der First Lady in dem Gebäude nach dem sogenannten Rolltreppen-Gate: Der US-Präsident und seine Frau waren bei ihrer Ankunft zur UN-Generalversammlung im September auf eine Rolltreppe gestiegen, die dann abrupt anhielt. Präsident Trump hatte der Vorfall so erzürnt, dass er im Anschluss die „Verhaftung“ der Verantwortlichen gefordert hatte. Ergebnisse einer vorläufigen Untersuchung zeigten UN-Angaben zufolge, dass ein eingebauter Sicherheitsmechanismus am oberen Ende der Rolltreppe ausgelöst worden war.
Diesmal fuhr Melania Trump in Begleitung des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, nach ihrer Ankunft am UN-Hauptquartier im Osten Manhattans mit derselben Rolltreppe – ohne Zwischenfall. Anschließend schüttelte sie zur Begrüßung vor dem Sicherheitsrat die Hände der Botschafter und Botschafterinnen der anderen 14 derzeit dort vertretenen Länder und posierte lächelnd für ein gemeinsames Foto. Die anschließende Sitzung schloss die First Lady mit dem Satz: „Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft bei der Bewahrung des Friedens in der Welt.“
os/dpa








