Frankreich war lange stolz auf seine hohe Geburtenrate. Sie galt als Ergebnis eines großzügigen Sozialmodells. Noch 2010 lag sie bei über zwei Kindern pro Paar. Seither sinkt die Natalität aber auch in Frankreich. 2025 lag sie im Schnitt nur noch bei 1,56 Kindern – nicht genug, um die Bevölkerungszahl auf dem bisherigen Niveau zu halten. Im abgelaufenen Jahr verzeichnete Frankreich sogar erstmals überhaupt mehr Todesfälle (651.000) als Geburten (645.000).

In gut einem Jahrzehnt ist die Zahl der Neugeborenen um 24 Prozent gesunken. Präsident Emmanuel Macron hatte schon 2024 die biologische „Wiederaufrüstung“ ausgerufen. Nun geht er einen Schritt weiter: Bis zum Sommer will er allen 29 Jahre alten Französinnen und Franzosen einen Brief zukommen lassen, in dem er sie unverblümt zum Kindermachen auffordert.

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Zahl der Zentren zum Einfrieren von Eizellen wird erhöht

„Es ist Zeit, sich zu überlegen, ob Sie ein Kind haben wollen oder nicht“, beginnt das Schreiben laut dem Newssender France-Info. Auf den Punkt gebracht: Faites l’amour – macht Kinder! Macron, der selbst kinderlos ist, bezieht sich im Wesentlichen auf einen 16-Punkte-Plan, den das Gesundheitsministerium vor ein paar Tagen vorgestellt hat. Er enthält in erster Linie Maßnahmen gegen die zunehmende Unfruchtbarkeit. Sie betrifft heute 3,3 Millionen Personen – jedes achte Paar in Frankreich. Für Frauen, die ihren Kinderwunsch erst später realisieren wollen, wird die Zahl von Zentren zur Eizell-Einfrierung landesweit von 40 auf 70 erhöht. Für Frauen zwischen 29 und 37 Jahren übernimmt der Staat die Kosten des Freezings.

Mehrere Experten kritisieren allerdings den Ansatz, vorab die Fruchtbarkeit direkt erhöhen zu wollen. Die Demographin Pauline Rossi erklärte, nötig wären auch bessere arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen, damit Frauen Beruf und Familie besser miteinander vereinen können. Frauenverbände regen an, den bezahlten Mutterschaftsurlaub von heute 16 Wochen um zehn Wochen zu erhöhen. Dazu fehlen dem französischen Staat aber die Finanzmittel. Bonuszahlungen für jedes geborene Kind werden heute für wenig wirksam gehalten. Sie zeitigen auch in Ländern wie Südkorea oder China nur beschränkte Erfolge.

Expertin: Der Kinderwunsch ist generell rückläufig

Der Pariser Ökonom Dominique Seux führt den Geburtenrückgang weniger auf wirtschaftliche Gründe zurück. Er glaubt, der Kinderwunsch sei allgemein rückläufig. Verantwortlich sei die Zunahme von Scheidungen und Trennungen, aber auch der zunehmende Individualismus mit dem Vorrang persönlicher Bedürfnisse.

Zu Macrons Vorstoß befragt, nannten französische Jugendliche ferner Umweltbedenken sowie feministische Argumente gegen das Kinderkriegen. Darauf pocht auch die Essayistin Corinne Maier in einem soeben erschienenen Buch. Es trägt den programmatischen Titel „Non merci“.