Der neue Eklat passt in ein altes Muster: Trump ließ auf seinem Truth-Social-Konto ein Video verbreiten, in dem Barack und Michelle Obama als Affen dargestellt wurden. Nach massivem Druck auch aus republikanischen Reihen wurde der Post gelöscht, Trump verweigerte aber eine Entschuldigung und sprach von „künstlicher Empörung“ – und davon, den problematischen Schluss des Videos nicht gesehen zu haben. Selbst Republikaner wie Tim Scott kritisierten den Vorgang scharf, Demokraten und die Bürgerrechtsorganisationen ebenso.
Wer verstehen will, warum die Fehde nie endet, muss zurück zur „Birther”-Phase: Trump trieb über Jahre die Falschbehauptung medial in den Vordergrund, Obama sei nicht in den USA geboren, sondern in Kenia. Er ruderte erst 2016 zurück – ohne echte Reue. Das war politisch in rechtsnationalistisch-rassistischen Kreisen wirksam, weil es Obamas Legitimität angriff. In der Sache – reine Verschwörungspolitik.

Die fünf unverschämtesten Attacken Trumps im Schnelldurchlauf:
- Birtherism (2011–2016): systematische Delegitimierung des ersten schwarzen Präsidenten
- „Obama/Clinton sind Mitgründer des Terror-Netzwerks IS“ (2016): polemische Zuspitzung ohne faktische Grundlage
- Abhör-Vorwurf (2017): Obama habe Trump-Tower in New York abhören lassen; das Justizministerium fand keine Evidenz
- „Landesverrat“-Vorwurf/„Obamagate“ (2025): erneute Eskalation ohne belastbaren Nachweis
- Affen-Video (2026): entmenschlichende Bildsprache gegen Barack und Michelle Obama
Donald Trump: Eine Mischung aus Kränkung und Kalkül
In allen fünf Fällen ist Trumps Kritik unhaltbar – aber demokratisch toxisch. Warum also dieser Dauerkonflikt? Wahrscheinlich eine Mischung aus Kalkül und Kränkung: Obama wurde für Trump früh zum perfekten Gegenbild – elitär, kosmopolitisch, attraktiv, schwarz, beliebt. Birtherism mobilisierte eine Wählerbasis, die auf Identitätskonflikte ansprang.
Dass Obama Trump 2011 beim alljährlichen Korrespondenten-Dinner in Washington öffentlich kunstvoll verspottete (Trump saß wie versteinert mitten im Saal), gilt unter Beobachtern als zusätzliche persönliche Schramme im Ego des 79-Jährigen. Später machte Obama einen verklausulierten Penis-Witz über Trump. Das erklärt nicht alles, aber viel über Ton und Hartnäckigkeit.

Teile der GOP relativieren solche Ausfälle als Meme-Kultur oder „harten Wahlkampf“; andere Republikaner nennen sie klar inakzeptabel. Demokraten lesen darin eine Strategie der Entgrenzung: nicht überzeugen, sondern Gegner moralisch entwerten.
Unabhängige Bürgerrechtsgruppen sehen eine rote Linie überschritten, gerade weil die Affen-Metapher historisch zur Entmenschlichung Schwarzer genutzt wurde.

Juristisch ist das in Amerika meist von der Meinungsfreiheit gedeckt; politisch frisst es das Vertrauen in Würde und faire Konkurrenz.
Mehr zum Fall Epstein
Ist Trump ein Rassist? Ein Gerichtsurteil mit diesem Etikett gibt es nicht. Aber wer über Jahre die Staatszugehörigkeit eines schwarzen Präsidenten bestreitet, ihn als Verräter brandmarkt und ein Affen-Video verbreiten lässt, bedient zentrale Muster rassistischer Politik. Politikwissenschaftliche Forschung zum Birther-Glauben zeigt zudem, dass parteipolitische Ablehnung und anti-schwarze Ressentiments dabei eng zusammenliefen. Der Punkt ist weniger Psychologie als Wirkung: Solche Kampagnen verschieben das Sagbare – und damit die Belastungsgrenze der Demokratie.






