Die Kurzvideo-Plattform TikTok verstößt nach vorläufigen Erkenntnissen einer EU-Untersuchung gegen europäisches Recht. Das teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Im Zentrum stehen „suchtfördernde Mechanismen“ wie stark personalisierte Empfehlungen und das endlose automatische Abspielen von Videos. Die Kommission will das bereits laufende Verfahren gegen die Plattform weiter vorantreiben.

„Abhängigkeit von sozialen Medien kann schädliche Auswirkungen auf die sich entwickelnden Gehirne von Kindern und Jugendlichen haben“, kritisierte die zuständige Vizepräsidentin Henna Virkkunen. Es gehe darum, europäische Regeln durchzusetzen, um Bürgerinnen und Bürger online zu schützen. 

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TikTok wehrt sich gegen Kritik der EU-Kommission

Eine TikTok-Sprecherin teilte mit: „Die vorläufigen Ergebnisse der Kommission stellen unsere Plattform kategorisch falsch und völlig haltlos dar. Wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um diese Ergebnisse mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln anzufechten.“

Die Brüsseler Behörde untersucht derzeit verschiedene große Online-Plattformen. Bei großen Tech-Unternehmen, aber auch der US-Regierung sorgt das teilweise für große Verärgerung. 

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TikTok hat Zeit für Änderungen – und ein Verfahren könnte teuer werden

TikTok hat nun die Möglichkeit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen, und könnte theoretisch auch Änderungen an seinen Funktionen vornehmen, um die Bedenken der EU auszuräumen. Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden, könnte es für TikTok teuer werden. Die EU-Kommission könnte dann formell einen Verstoß gegen das sogenannte Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) feststellen und eine Strafe verhängen. Diese könnte sich auf bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes belaufen.

Die vorläufige Untersuchung fordert einige Anpassungen: etwa die Einführung wirksamer „Bildschirmzeitpausen“. Tiktok hole Nutzer derzeit auch nachts, wenn sie nicht online seien, mit Benachrichtigungen immer wieder auf die Plattform zurück. Derzeitige Zeitbeschränkungen seien außerdem leicht zu umgehen.

Zudem werden Änderungen daran gefordert, welche Inhalte den Nutzern empfohlen werden. Und auch das Deaktivieren des „Infinite Scrolling“. Damit ist gemeint, dass beim Scrollen in einem Dienst ständig neue Inhalte geladen werden, ohne dass der Nutzer zu Pausen gezwungen ist.

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Gehirn im „Autopilot-Modus“: Verlieren Nutzer am Smartphone die Selbstkontrolle?

Die EU-Kommission hält fest, dass die Gestaltung von TikTok die Nutzer ständig mit neuen Inhalten „belohne“ und dadurch den Drang fördere, weiter zu scrollen. Das versetze das Gehirn in einen „Autopilot-Modus“. „Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies zu zwanghaftem Verhalten führen und die Selbstkontrolle der Nutzer beeinträchtigen kann.“ 

Die vorläufige Einschätzung ist Teil einer größeren Untersuchung zur Online-Plattform TikTok. Die Kommission prüft seit Februar 2024 unter anderem, ob der Online-Riese Jugendliche genug schützt. TikTok gehört dem chinesischen Mutterkonzern ByteDance. Das US-Geschäft wurde an eine neue Firma mit US-amerikanischen Investoren übergeben. 

Manche Kritiker werfen TikTok auch vor, dass der Algorithmus bestimmte politische Strömungen wie die AfD in Deutschland bevorzuge oder kritische Themen wie Menschenrechte in China unterdrücke. Die Kurzvideo-App hat nach eigenen Angaben monatlich mehr als 135 Millionen aktive Nutzer.

dpa/jcst