Oft genug hat der Politiker Friedrich Merz hohe Erwartungen geweckt und dann enttäuscht. Oder hoch und heilig politische Versprechen abgegeben und wenig später gebrochen, wie bei der Schuldenbremse. Aber in der Außenpolitik erweist sich dieser Kanzler, der sich vielen Staatenlenkern der Welt erst noch persönlich vorstellen muss, als ziel- und trittsicher. Auch seine Golfreise kann Merz als Erfolg verbuchen.

Es ist für Deutschland immens wichtig, in Zeiten sinkender Gasspeicherstände und angesichts eines unberechenbaren Flüssiggas-Lieferanten Donald Trump am Golf neue Energiepartnerschaften zu erschließen. Und zu Recht will die Bundesregierung alles tun, damit deutsche Firmen nicht leer ausgehen, wenn die milliardenschweren Golf-Staatsfonds nach Investitionsobjekten in Europa suchen oder auf Einkaufstour bei westlichen Rüstungskonzernen gehen.

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Melanie Amann ist Chefredakteurin Digitales der FUNKE Zentralredaktion.© Peter Rigaud | Peter Rigaud

Dafür hat Merz‘ Besuch eine gute Grundlage gelegt, viel mehr kann man von Antrittsbesuchen nicht erwarten. Und im deutschen Interesse war es auch vernünftig, dass Merz bei den saudischen oder katarischen Gastgebern nicht mit erhobenem Zeigefinger aufgetreten ist und sich Moralpredigten zur Menschenrechtslage sparte. Doch auf die Dauer muss er aufpassen, im Vergleich zur Linie von Grünen und SPD in der Ampel nicht ins Gegenteil zu fallen und im Dienste der Wirtschaft sämtliche Werte über Bord zu werfen. Wie so oft bei Merz weht ein Hauch der 90er, in denen die Industrie im Ausland noch unbehelligt von lästigen Lieferkettengesetzen oder Menschenrechtsdebatten agieren konnte, durch seine Auftritte. Hier einen Mittelweg zwischen Überregulierung und Rückschritt zu finden, wäre die Mühe wert.