Kanzler Friedrich Merz (CDU) will das Rentensystem in Deutschland grundlegend umbauen. „Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter“, sagte Merz am Montagabend. „Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern.“

Es seien zusätzlich „kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung“ nötig, sagte der Kanzler. „Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben.“

Der Kanzler sprach beim Empfang zum 75. Jubiläum des Bankenverbands. Bereits Anfang Februar hatte er sich bei einer Veranstaltung der Deutschen Börse in diesem Sinne eingelassen und einen „Paradigmenwechsel“ in der deutschen Rentenpolitik angekündigt, der noch in diesem Jahr eingeleitet werden solle. „Die gesetzliche Rentenversicherung wird bleiben. Aber sie wird eben nur ein Baustein eines neuen Gesamtversorgungsniveaus werden, in dem die private Altersvorsorge und die betriebliche Altersversorgung eine wesentlich größere Rolle spielen werden als bisher.“

Gruppe aus Rentnern geht mit Regenschirm im Münchner Schlosspark Nymphenburg n München während eines starken Regenschau
Rentner spazieren im Regen: Eine Expertenkommission entwickelt derzeit Vorschläge, wie die Altersversorgung in Deutschland zukunftsfest gemacht werden kann.© imago images/Ralph Peters | IMAGO stock

Damals wie jetzt dürften die versammelten Vertreter der Finanzbranche mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, dass der Kanzler erneut die Bedeutung der privaten Vorsorge betonte. Banken und Versicherern tun sich damit neue Geschäftschancen auf. Was die Regierung plant – der Überblick.

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Wann kommt die große Rentenreform? Und wie wird sie genau aussehen?

Das weiß derzeit niemand genau, auch nicht der Kanzler. Mitte Januar hatte die sogenannte Rentenkommission (offiziell: Alterssicherungskommission) ihre Arbeit aufgenommen. Das Gremium soll im Auftrag der Regierung bis Ende Juni umfassende Vorschläge zur Reform der Altersversorgung vorlegen und dabei alle drei Säulen in den Blick nehmen – also die gesetzliche Rente, die Betriebsrente und die private Altersvorsorge. Die Kommission besteht aus zwei Vorsitzenden, drei Bundestagsabgeordneten der Koalition und acht Wissenschaftlern. Bereits im Koalitionsvertrag vom vergangenen Frühjahr ist die Rede davon, dass in Zukunft das „Gesamtversorgungsniveau“ stärker in den Blick genommen werden solle.

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Warum muss die Altersvorsorge reformiert werden?

Die gesetzliche Rente kommt zunehmend unter Druck, weil immer mehr Rentner immer weniger Beitragszahlern gegenüberstehen. Diese Schieflage wird sich in den kommenden Jahren noch einmal verschärfen, weil dann die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Die Folge ist ein steigender Finanzbedarf bei der Rentenversicherung, was zu steigenden Beiträgen und Bundeszuschüssen führt. Allein 2025 waren mehr als 122 Milliarden Euro im Bundeshaushalt für die Rentenversicherung reserviert – bei einem Gesamtvolumen des Etats von rund 500 Milliarden Euro. Das gegenwärtige Rentenniveau von 48 Prozent ist nur bis 2031 gesichert.

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Welche Bedeutung haben bisher Betriebsrenten und die private Vorsorge?

Bei beidem ist in Deutschland noch Luft nach oben. Etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten hierzulande dürften Schätzungen zufolge eine Betriebsrente haben. Und etwa 14 Millionen Menschen legen Geld in Form von Aktien oder Fonds an der Börse an – mit steigender Tendenz.

Ende März hatte der Bundestag das sogenannte Altersvorsorgedepot beschlossen, das zum 1. Januar 2027 kommen soll. Mit ihm wird die so genannte Riester-Rente grundlegend reformiert. Wer privat vorsorgt, etwa in Form von Aktien oder Fondssparplänen, erhält höhere Zuschüsse vom Staat. Geplant ist auch ein öffentliches Standard-Produkt mit niedrigen Kosten.

Bereits im vergangenen Dezember wiederum hatte das Bundeskabinett Eckpunkte für die sogenannte Frühstart-Rente beschlossen. Eltern aller Kinder ab dem sechsten Lebensjahr sollen einen Zuschuss in Höhe von zehn Euro pro Monat erhalten, wenn sie ein kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot für ihren Nachwuchs eröffnen. Auf diese Weise soll die junge Generation ein Startkapital für die Altersvorsorge erhalten.