„Reporter ohne Grenzen“ hat für das vergangene Jahr 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen in Deutschland dokumentiert. Im Jahr zuvor lag die Zahl bei 89, wie die Journalistenorganisation am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung ihres „Reports zur Lage der Pressefreiheit 2026“ mitteilte. Es sei indes von einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle auszugehen.
Besonders gefährlich waren laut dem Report Recherchen und Filmaufnahmen in rechtsextremen Milieus, bei denen es 2025 zu 18 Attacken kam. In 11 Fällen seien Medienschaffende auf pro-palästinensischen Demonstrationen von Teilnehmern angegriffen worden.
Reporter ohne Grenzen: Zunehmende Feindseligkeit gegenüber Journalisten
Bei 46 dokumentierten Übergriffen handelte es sich den Angaben zufolge um körperliche Angriffe. Am häufigsten seien Attacken in Form von Tritten und Schlägen gewesen. Zudem seien drei Sachbeschädigungen an Redaktionsgebäuden und sechs Cyberattacken erfasst worden.
„Reporter ohne Grenzen“ beklagt eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Journalisten und Journalistinnen insbesondere im Osten Deutschlands. Wie aus dem Bericht hervorgeht, gab es im vergangenen Jahr insgesamt fünfzehn verifizierte Angriffe auf Pressevertreter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Sachsen liegt den Angaben zufolge mit neun Vorfällen hinter Berlin an zweiter Stelle. Sachsen-Anhalt belegt mit fünf belegten Attacken Rang drei. In Thüringen gab es laut Bericht einen belegten Vorfall. In Berlin gab es 20 dokumentierte Angriffe. Das erklärten die Autoren auch damit, dass in Berlin viele Medienhäuser ansässig sind.
Schutz durch Sicherheitsdienste und Polizei nötig
Für die Analyse wurden weitere Studien ausgewertet: Demnach sind besonders Lokaljournalisten in Sachsen und Thüringen bei Recherchen im rechtsextremen Milieu „extremer Feindseligkeit“ ausgesetzt. Nach einer Studie durch das „European Centre for Press and Media Freedom“ und den Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger berichteten zwei Drittel der Befragten „von körperlichen Angriffen, bis hin zu an die Privatadresse verschickten Gewalt- und Todesdrohungen“.
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Insgesamt ging „Reporter ohne Grenzen“ 99 Hinweisen nach. Ein Teil der gemeldeten Fälle habe aber nicht verifiziert werden können. Oft hätten Zeugenaussagen oder Videobeweise gefehlt.
„Reporter ohne Grenzen“ macht eine „zunehmende Polarisierung und ein rauer werdendes gesellschaftliches Klima“ für die Übergriffe mitverantwortlich. Die Delegitimierung journalistischer Arbeit werde von vielen Reporterinnen und Reportern als große Bedrohung für den Journalismus in Deutschland wahrgenommen, hieß es.
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Angst vor Antisemitismusvorwürfen
Die Organisation konstatiert auch einen „außergewöhnlichen Druck“ auf Journalisten, die über den Krieg zwischen Israel und der Hamas berichteten. Sie kritisierte auch öffentliche Herabwürdigungen einzelner Medienschaffender durch Vertreter Israels. Ein Beispiel seien Vorwürfe des israelischen Botschafters Ron Prosor gegen die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann, der er geraten habe, den Job zu wechseln, „wenn sie lieber Aktivistin wäre“.
epd/les




