Nach einem erneuten tödlichen Schusswaffeneinsatz durch US-Sicherheitskräfte im Bundesstaat Minnesota hat die Bundesregierung am vergangenen Montag ihre Sicherheits- und Reisehinweise für die USA aktualisiert. „In Minneapolis und in anderen Städten kommt es bei Demonstrationen teils zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Migrations- und Sicherheitsbehörden“, heißt es in den veröffentlichten Hinweisen. Reisende sollten „wachsam“ sein, Menschenansammlungen meiden und den Anweisungen der Behörden folgen.

Doch was bedeutet das für Urlauber? Können Deutsche jetzt noch bedenkenlos in die USA reisen?

News aus den USA

Hinweise ≠ Reisewarnung

Das Auswärtige Amt rät derzeit nicht grundsätzlich von Reisen in die USA ab, weist Reisende aber auf besondere Vorsicht hin. Viele verwechseln die Begriffe: Reisehinweise, Sicherheitshinweise und Reisewarnungen.

Die aktuellen Hinweise für die USA sind Sicherheitshinweise, keine Reisewarnung. Das bedeutet: Reisen sind weiterhin möglich, allerdings mit erhöhter Vorsicht.

Reiserücktritt, Auslandskrankenversicherung: So wirken sich die Stufen des Auswärtigen Amtes aus

Die verschiedenen Stufen des Auswärtigen Amtes haben auch Auswirkungen auf den Versicherungsschutz. Bei einer Reiserücktrittsversicherung gelte grundsätzlich keine Erstattung, wenn man wegen politischer Veränderungen eine Reise storniere, erklärt Constantin Papaspyratos, Chefökonom beim Bund der Versicherten, unserer Redaktion. Er fügt hinzu: „Die Ausnahme ist ein Reiserücktritt aufgrund eines terroristischen Anschlags. Für den Fall kann man sich bei einigen Anbietern tatsächlich versichern.“

Auch interessant

Auch bei der Auslandskrankenversicherung gibt es Beschränkungen. Dazu erklärt Papaspyratos: „Wenn es eine offizielle Reisewarnung gibt und man trotzdem reist, dann gilt der Schutz einer Reisekrankenversicherung oftmals nicht.“ Für die USA rät er dringend, eine Versicherung abzuschließen: „Dort können schon simple Operationen schnell Kosten im sechsstelligen Euro-Bereich verursachen.“

Beliebtestes Fernreiseland der Deutschen: Kommt die Trendwende?

Dass Deutsche aufgrund der politischen Lage nun weniger in die USA reisen, lasse sich derzeit noch nicht an den Buchungen ablesen, betont Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband gegenüber unserer Redaktion. Der Buchungsumsatz liege für die kommenden Monate aber derzeit noch unter den Vorjahreswerten: „Die Gründe für die Buchungsrückgänge sind sicherlich vielschichtig und reichen von der politischen und gesellschaftlichen Situation über Einreisebestimmungen bis hin zum Preisniveau“, erklärt Schäfer.

Er fügt hinzu: „Wir gehen nicht davon aus, dass die USA dauerhaft weniger Besucher anziehen werden. Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand das beliebteste Fernreiseland für Deutsche.“ Schäfer verweist dabei auf frühere politische Spannungen, die das tatsächliche Reiseverhalten kaum beeinflusst hätten.

Albert Jennings, selbst Amerikaner und Inhaber einer Marketing- und Kommunikationsagentur in Köln, erkennt allerdings bereits eine Beeinflussung des Buchungsverhaltens. Er berichtet unserer Redaktion: „Wir arbeiten mit sehr vielen Reiseveranstaltern zusammen. Ihre Kunden entscheiden sich im Moment eher für Kanada oder Australien.“