Das Ziel ist klar, der Weg dahin heftig umstritten: Die Bundeswehr soll angesichts der angespannten geopolitischen Lage „kriegstüchtiger“ werden. Und dafür braucht es mehr Menschen, die einen Wehrdienst leisten.

Die Frage ist nur, wie sie herangezogen werden. Die Bereitschaft dazu wird per Fragebogen ermittelt. Frauen dürfen, Männer müssen ihn ausfüllen. Aber was ist, wenn sich nicht genügend Freiwillige finden? Kommt dann die Wehrpflicht zurück? Etwa per Losverfahren? Gerecht ist das alles nicht.

Birgitta Stauber
Birgitta Stauber, Textchefin der Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Nun macht ausgerechnet die Frauenunion einen pragmatischen und aus emanzipatorischer Sicht vorbildlichen Vorschlag: Alle Frauen und Männer sollen den Fragebogen ausfüllen. Und sie sollen darauf nicht nur angeben, ob sie sich einen Wehrdienst vorstellen können, sondern auch, ob sie bereit wären für eine Alternative im sozialen Bereich oder im Krisen- und Katastrophenschutz.

Fragebogen nur für Männer verpflichtend: Das manifestiert alte Rollenbilder

Warum eigentlich sollen sich nur junge Männer mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob für sie ein Wehrdienst infrage kommt? Womöglich ist es der alte Reflex: Wenn es ernst wird, wenn Gefahr droht, bleiben Männer unter sich, mit freigehaltenem Rücken, weil die Care-Arbeit in Frauenhand ist. Das manifestiert Rollenbilder, die wir doch längst überwunden haben wollen.

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Obendrein belebt die Frauenunion die alte Idee vom Gesellschaftsjahr. Dadurch könnte sich tatsächlich die Debatte um eine Wehrpflicht erübrigen. Denn wenn alle jungen Menschen Dienst für die Allgemeinheit leisten müssen, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich genügend junge Leute für den Dienst an der Waffe melden. Wieso eigentlich landete diese gute Idee in der Schublade?