Muss eine Europarede ein Gähnthema sein? Emmanuel Macron liefert den Gegenbeweis. Ein Auszug seines Auftritts am Weltwirtschaftsforum in Davos schlägt derzeit in den Social Media ein. Zu sehen ist der französische Präsident, wie er auf Englisch über die EU sagt: „Sie ist manchmal zu langsam – gewiss. Sie gehört reformiert – gewiss“.
Für „gewiss“ sagte der Präsident „for sure“, und das mit einem so perfekten Französisch-Akzent, dass es nicht lange dauerte, bis die sekundenkurze Sequenz durch das Internet schwappte. Sicherlich auch dank Macrons Sonnenbrille, die ein entzündetes Auge verbirgt und der legendären Pilotenbrille von Tom Cruise im Actionfilm Top Gun ähnelt.
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Emmanuel Macron: Bekannte DJs unterlegen wuchtigen Rhythmus
Zur Augenweide kommt nun der Ohrwurm, oder wie man heute sagen würde: zum Look der Sound. Zahllose Musiker vertonen, remixen oder rappen den EU-Sager des Präsidenten. Der Pariser DJ Bens unterlegt ihm einen wuchtigen Rhythmus, der frühere französische Eurovisionsvertreter Bilal Hassani liefert eine Disco-Version. Verfremdete Videos zeigen den „DJ Macron am Davos Festival“, wie er einem vieltausendköpfigen Publikum einhämmert: „Sometimes it’s too slow – for sure; it needs to be reformed – for sure!“
Im Netz üben sich Kinder darin, „for sure“ so nachlässig cool wie der „Président“ zu sagen; Amerikanerinnen bemühen sich, das „fo shua“ mit angeborener Pariser Eleganz auszusprechen. Dabei scheint Social Media wie ein Jungbrunnen für den politisch arg zerzausten Staatschef zu sein: Amtskollege Donald Trump mokierte sich nur noch über den Auslauf-Präsidenten, dessen Zeit im Elysée abgelaufen sei. In der EU ist Macrons Land wegen des Mercosur-Abkommens mit Südamerika isoliert; er selbst ist innenpolitisch stark angeschlagen.
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Stürzt Regierung über Misstrauensvotum?
Daran ändert auch die neue Kultsequenz in den sozialen Medien nichts: In einer Woche könnte Macrons Regierung über einen Misstrauensantrag stürzen und den Präsidenten mitreißen. Aber es muss guttun, Trump für ein paar Tage die Schau gestohlen zu haben. Nicht „for ever“, aber „for sure“.
Ebenso klar ist allerdings, dass der Ruhm im Internet noch vergänglicher ist als anderswo. Macron trägt selber dazu bei: Am Montag hat die französische Nationalversammlung auf sein Betreiben hin ein Gesetz verabschiedet, das Online-Plattformen wie Tiktok oder Snapchat für unter 15-Jährige und das Handy an der Oberstufe verbietet. Macron begründete den Schritt damit, die Gehirne der Teenager müssten vor den kurzlebig-oberflächlichen Instant-Hypes der Social Media geschützt werden. An seinen „For sure-Moment“ dachte er dabei nicht.




